Training oder Pendeln? E-Bike Canyon Roadlite:ON 7 zeigt im Test, dass beides geht

6 Minuten
Ein echter Allrounder, der nicht nur gut aussieht, sondern auch einiges auf dem Kasten hat: Das Canyon Roadlite:ON 7 will sehr viel können und schafft das im Test auch. Doch was kann es nicht und für wen ist es die richtige Wahl?
Canyon Roadlite:ON 7
Canyon Roadlite:ON 7Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Canyon ist einer der bekanntesten Fahrradhersteller und kommt aus dem beschaulichen Koblenz. Doch was in den Werkshallen, aber vor allem am Produktentwickler-Tisch bei Canyon passiert, ist ganz und gar nicht beschaulich. Hier wird im Bereich E-Bike nämlich nicht gekleckert, sondern geklotzt. Vom Hardcore-Mountainbike über Gravel-Bikes bis zum Rennrad und urbanen E-Rädern gibt es mittlerweile alles bei Canyon. Im Test kommt eines aus der letztgenannten Gattung zum Zug. 

Voller Karton – auch für Anfänger

Das Roadlite:On 7 überrascht schon  beim Auspacken und der Endmontage mit einigen interessanten Eigenschaften. Zum einen ist es extrem kompakt und leicht, sogar sehr leicht für ein Alu-E-Bike. Denn das Canyon-Rad bringt es auf gerade mal gut 16 Kilogramm im Auslieferungszustand. Dazu fällt das massige Unterrohr auf, das den Akku sehr geschickt integriert hat. Der dritte positive Eindruck: Das Werkzeug, die Anleitungen und die Montagehilfen sind nicht nur dabei, sondern auch brauchbar. Auch Schrauber-Anfänger werden mit der Endmontage zurechtkommen und trotz Drehmoment-Angaben, Carbonpaste und integrierter Kabelage nicht verzweifeln. Dazu sind ein paar Pedale im Lieferumfang enthalten, sodass es direkt losgehen kann.

Das Roadlite:ON 7 ist das sportlichste der City-E-Bikes von Canyon. Das spürt man auch beim ersten Aufsteigen. Der Flat-Bar-Lenker ist recht niedrig verbaut, was einen direkt in eine sportliche Haltung zwingt. Denn zum Cruisen ist das Bike nicht gedacht. Und das, obwohl es auch beim Sehen und gesehen werden, in der Stadt eine gute Figur macht. Dank aufgeräumter Kabel und Züge und dem Verzicht auf ein Display am Lenker wirkt das Canyon Roadlite:ON 7 wie aus einem Guss. Genau so fährt es sich auch. 

Kabelage des Canyon Roadlite:ON 7
Kabelage des Canyon Roadlite:ON 7

So fährt sich das Canyon Roadlite:ON 7

Ein Druck auf das Touchfeld und schon kann es losgehen. Je nach eingestellter Unterstützungsstufe legt der Motor von sanftem Schubs bis zum bulligen Antritt los. Das Ganze reiht sich in drei Stufen aneinander:

  • Breeze (Grün): sanfter Anschub für den sportlichen Ausritt – circa 100 Watt
  • River (Blau): je stärker du trittst, umso stärker die Unterstützung – circa 200 Watt
  • Rocket (Rosa): Volle Unterstützung – tritt ins Kreuz mit 250 Watt

Entscheidest du dich während der Fahrt um oder hast keine Lust auf die Strampelei am Berg, obwohl du im Sportmodus unterwegs bist, kannst du das Fazua-System mit seinen 250-Wh-Akku auch während der Fahrt umschalten. Doch dabei macht sich die Position im Unterrohr negativ bemerkbar. Denn das Touchfeld vom Sattel aus zu sehen ist schon nicht einfach, geschweige denn die Einstellung vorzunehmen, wenn du mit verschwitzten Fingern kein Feedback bekommst, welche Stufe gerade eingelegt ist. 

Bedienfeld des Canyon Roadlite:ON 7
Bedienfeld des Canyon Roadlite:ON 7

Doch selbst auf niedrigster Stufe unterstützt dich der Antrieb schon spürbar. Mit ihm im Rücken sind auf der Hausstrecke schon hervorragende Zeiten drin. Das liegt auch daran, dass das Roadlite:ON 7 eine recht weite Bandbreite in der Schaltung bietet. Die 12er-Gruppe Shimano Deore XT besitzt eine für E-Bikes wahnwitzige 10-51-Kasette, die vom Kriechgang bis zum Highspeed viel Spielraum lässt – und das bei einem einzelnen Kettenblatt.  Die Schaltung klingt jedoch entsprechend. Denn trotz Steighilfen kracht es gerade im großen Bereich und mit etwas Last auf der Kette schon kräftig.

Die Ausstattung

Von Shimano kommt auch die Scheibenbremsenanlage RS600. Sie beißt kräftig zu und bringt dich mit ihrer Hydraulik schnell zum Stehen. Sie lässt sich fein dosieren, jedoch blockiert das Hinterrad allein schon dadurch schnell, dass man eine recht weit nach vorn gelehnte Position einnimmt und wenig Gewicht auf dem Hinterrad sitzt.

Apropos Räder: Die Schwalbe G-One auf den Alexrims CRD30 sind zwar nicht die breitesten, bieten aber mit ihrer Gravel-Auslegung genug Grip, um auch mal auf der Wiese, dem Waldweg oder sehr feinem Schotter zu bestehen. Ein Gravelbike wird das Roadlite:On 7 damit freilich nicht, aber der urbane Abenteurer muss sich zumindest nicht vor schlechten Radwegen und Rollsplitt fürchten. 

Was es außerdem nicht kann, ist auf große Tour gehen. Echte Bike-Packer werden Anschraubmöglichkeiten vermissen und auch für Geländejunkies ist das elegante Sportbike nicht die richtige Wahl. Das große Aber wird beim Blick auf die Gabel klar. Denn hier findet auch ein ganzes Stück breiterer Reifen Platz. Also falls du das Canyon Roadlite:ON 7 etwas geländegängiger machen willst, gibt es zumindest die Möglichkeit dazu.

Gabel des Canyon Roadlite:ON 7
Die Gabel des Canyon Roadlite:ON 7 bietet Platz für dickere Gummis

Am Roadlite:ON 7 spürt man an vielen Stellen, dass feine Komponenten, aber auch tolle Lösung verbaut wurden. Ob Steckachsen, Carbongabel und -Cockpit sowie Ergo GA3 -Griffe; Canyon spart sich zwar den Carbonrahmen, setzt aber sonst auf feine Teile – und das kommt nicht nur der gelungenen Optik zugute. 

Preis-Leistung des Canyon Roadlite:ON 7

Knapp 3.400 Euro kostet das Canyon-E-Bike. Das ist im Marktvergleich ein fairer Preis. Auch wenn es günstiger zugehen kann, sollte gerade bei solchen sportlichen E-Bikes nicht an Bremsen, solidem Rahmen und dämpfenden Elementen wie einer Carbon-Gabel gespart werden. Im Vergleich beispielsweise zum C.B.T. Italia UB77 ist es die günstigere und für die meisten wohl auch bessere Wahl. 

Fazit zum Canyon Roadlite:ON 7

Du brauchst ein Bike für die sportliche Runde nach der Arbeit und gleichzeitig einen stylischen City-Pendler? Dann bist du beim Canyon Roadlite:On 7 genau richtig. Das deutsche E-Bike aus Koblenz bietet einen bulligen Antritt für den Ampelstart und das entspannte Pendeln in der Stadt und bringt dich die Berge hoch. Doch mit wenig Unterstützung oder komplett ohne rennt das E-Bike auch wegen seiner vergleichsweise großen Bandbreite bei der Übersetzung hervorragend und bringt dir extrem viel Spaß auf der Straße oder im sehr leichten Gelände. 

Schaltung des Canyon Roadlite:ON 7
Schaltung des Canyon Roadlite:ON 7

Den Style-Faktor bezahlt man dabei jedoch mit einer recht starren Geometrie. Den Lenker müsstest du schon komplett austauschen, wenn du beispielsweise den Winkel oder die Länge des Vorbaus verändern willst. Dazu kommt die etwas unglückliche Position des Touchfeldes.

Dennoch ist das Canyon Roadlite:ON 7 ein durchweg gelungener Hybrid aus Style und Sport.

Pluspunkte des Canyon Roadlite:ON 7

  • tolle Integration
  • feine Komponenten und Lösungen
  • starke Gang-Bandbreite
  • kräftiger und sanfter Motor

Minuspunkte des Canyon Roadlite:ON 7

  • wenig Einstellungsmöglichkeiten
  • nur drei Unterstützungsstufen
  • seltsame Position der Unterstützungsauswahl 

Bildquellen

  • Kabelage des Canyon Roadlite:ON 7: Blasius Kawalkowski / inside digital
  • Bedienfeld des Canyon Roadlite:ON 7: Blasius Kawalkowski / inside digital
  • Gabel des Canyon Roadlite:ON 7: Blasius Kawalkowski / inside digital
  • Schaltung des Canyon Roadlite:ON 7: Blasius Kawalkowski / inside digital
  • Canyon Roadlite:ON 7: Michael Büttner

Jetzt weiterlesen

Hyundai IONIQ 5 im Test: Der E-Auto-Traum lebt
Vor wenigen Wochen wurde der Hyundai IONIQ 5 bei den "World Car Awards" auf der New York International Auto Show mehrfach ausgezeichnet. Das E-Auto wurde nicht nur zum "Electric Vehicle of the Year" gewählt, sondern auch als "World Car of the Year" ausgezeichnet. Grund genug, ihn genauer anzusehen.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein