Garmin Forerunner 55 im Test: Längst nicht perfekt, aber gut für Einsteiger

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Sportuhren gibt es am Markt so einige. Sie sind mit einem eigenen GPS-Empfänger ausgestattet, um die eigenen Workouts genau protokollieren zu können. So auch die neue Garmin Forerunner 55. Wir haben die Laufuhr in einem mehrwöchigen Test auf die Probe gestellt.
Garmin Forerunner 55 Front

Die Garmin Forerunner 55 im Test: Eine GPS-Sportuhr fast schon pefekt für Einsteiger.

Möchte man einen allgemein aktiven Lebensstil pflegen und in seinen Alltag eine ordentliche Portion Bewegung einbauen, können Sportuhren helfen, das eigene Vorhaben auch wirklich umzusetzen. Denn die digitalen Begleiter am Handgelenk erinnern ihre Nutzer unter anderem daran, zu lange Sitzpausen zu unterbrechen. Und darüber hinaus zeichnen sie wichtige Vitaldaten auf. Nicht nur tagsüber, sondern bei Bedarf auch nachts. So auch die Garmin Forerunner 55. Sie richtet sich primär an Menschen, die Freude am Laufen und Joggen haben. Im Test offenbarte sie nach einer unkomplizierten Einrichtung über die Garmin Connect App viele Stärken – aber auch einige Schwächen.

Display der Garmin Forerunner 55 ist kleiner als gedacht

Schon ein Blick auf die technischen Daten der Uhr offenbart, dass sie zu einem eher kleinen Vertreter ihrer Zunft gehört. Denn das Display ist nur 1,04 Zoll (ca. 26 mm) groß und bietet auch nur eine recht schwache Auflösung von 208 x 208 Pixeln. Zum Vergleich: Bei der Apple Watch Series 6 liegt die Auflösung bei bis zu 368 x 448 Pixeln. Bei der für Herbst 2021 angekündigten Apple Watch Series 7 sollen es noch einmal 16 Prozent mehr Pixel sein. Viel überraschender ist aber, dass das Display der Garmin Forerunner 55 von einer recht großen Umrandung umgeben ist. Dadurch wirkt der Bildschirm noch kleiner als er ohnehin schon ist.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Garmin Forerunner 55 ist mit einem Always-on-Farbdisplay ausgestattet, das auch bei starker Sonneneinstrahlung noch gut abzulesen ist. Einen Umgebungslichtsensor gibt es zwar nicht, dafür ist auf Knopfdruck eine Beleuchtung aktivierbar. Und weil der Hersteller auf ein transflektives MIP-Display setzt, also auf einen Touchscreen verzichtet, ergibt sich auch gleich noch ein wesentlicher Vorteil: eine beeindruckende Akkulaufzeit. Zehn Tage ununterbrochene Nutzung ist für die sportlich anmutende Laufuhr kein Problem. Eine Wiederaufladung von 1 auf 100 Prozent gelingt über das mitgelieferte USB-Kabel in etwa 1,25 Stunden. Einfach zum Beispiel an einen USB-Anschluss am Notebook anschließen und schon füllt sich der Energiespeicher.

Auf der Rückseite der Garmin Forerunner 55 sind nicht nur Sensoren, sondern auch der Anschluss zum Aufladen der Uhr zu finden.

Die Bedienung der Uhr erfolgt über insgesamt fünf Druckknöpfe an den beiden Seiten. Drei stehen an der linken Seite zur Verfügung, zwei rechts. Dabei dient der Knopf links oben dazu, für einige Sekunden die Display-Hintergrundbeleuchtung zu aktivieren. Die beiden Knöpfe darunter, um in den verfügbaren Widgets oder im Menü nach oben und unten zu navigieren. Die Taste rechts unten dient als Zurück-Button und der Druckknopf rechts oben, um deine Trainings zu starten. Langes Drücken der Taste links oben öffnet zudem ein Schnellstartmenü zum Aufrufen von Stoppuhr, Timer, Wecker und anderen wichtigen Funktionen. Drückst du lange den mittleren Knopf auf der linken Seite, landest du im Hauptmenü der Uhr.

Trainings mit der Garmin Forerunner 55

Soviel zur technischen Spielerei. Doch wie schlägt sich die Uhr im Alltag? Dass die Garmin Forerunner 55 über allerlei Sensorik verfügt: fast schon logisch. Sie misst deinen Puls, trackt deinen Schlaf mit, wenn du sie auch nachts am Handgelenk trägst und natürlich zählt sie auch deine zurückgelegten Schritte. Zudem überwacht die Uhr das Stresslevel ihres Trägers und animiert bei Bedarf zu Atemübungen, um für die notwendige Entspannung zu sorgen. Für Frauen ist auch ein Menstrual-Tracking an Bord.

Die Liste an verfügbaren Sportprofilen ist umfangreich, aber nicht ganz so allumfassend wie auf anderen Sportuhren. Profile für Laufen, Laufband und Laufbahn werden unter anderem ergänzt durch Gehen, Radfahren, Yoga, Crosstraining, Stepper und HIIT. Gefehlt hat uns unter anderem ein Profil für Freiwasserschwimmen. Bei einer Sportuhr, die sogar 50 Meter wasserdicht ist, recht bedauerlich. Es lässt sich alternativ aber auch das Schwimmbad-Tracking nutzen.

Praktisch: Nach einem Training ist die Uhr in der Lage, eine empfohlene Erholungsphase zu berechnen und anzuzeigen. Das ist eine gute Orientierung, um eine Überlastung zu vermeiden. Zudem erhältst du anhand deiner körperlichen Fitness clevere Vorschläge, wie du dein nächstes Lauftraining gestalten solltest, um deine Form zu verbessern. Zudem ist die Uhr in der Lage, eine Wettervorhersage anzuzeigen. Sie warnt aber nicht vor heranziehenden Unwettern.

Über das Menü der Garmin Forerunner 55 lassen sich zahlreiche nützliche Widgets nutzen.

Kein Pulsoximeter an Bord

Die Möglichkeit, den Blutsauerstoffgehalt (SpO2) zu messen, ist nicht gegeben. Das ist erstaunlich, denn ein Pulsoximeter ist selbst bei einfachen Fitness-Trackern wie dem Xiaomi Mi Band 6 (Test) für unter 40 Euro inzwischen Standard. Schade ist zudem, dass bei der Garmin Forerunner 55 auch ein Höhenmesser nicht an Bord ist. Wer sich derlei Extras wünscht, muss bei Garmin ein paar Fächer höher ins Regal greifen – und entsprechend auch mehr Geld bezahlen.

Worauf der amerikanische Hersteller natürlich nicht verzichtet, ist ein eigener GPS-Empfänger. Du kannst die Uhr also auch losgelöst von einem gekoppelten Smartphone nutzen, um deine Trainings aufzuzeichnen. Und das klappt – man ist es von hochpreisigen Garmin-Produkten wie der Garmin Fenix 6 Pro Solar (Test) oder der Garmin Enduro (Test) gewohnt – außergewöhnlich gut. Nicht nur an der GPS-Genauigkeit gibt es nichts zu beanstanden, sondern auch die Präzision, mit der der Pulsmesser arbeitet. Lediglich das Pairing mit GPS-Satelliten kann manchmal etwas länger dauern.

Als etwas unübersichtlich haben wir die Live-Darstellung der aktuellen Vitalwerte während des Trainings empfunden. Denn wegen des vergleichsweise kleinen Displays werden die wichtigsten Trainingsdaten nicht alle auf einen Blick zur Schau gestellt. Während des Lauftrainings sieht man zunächst nur die schon zurückgelegte Distanz, die aktuelle Laufzeit und das Lauftempo (Pace). Erst wenn man über den unteren Knopf an der linken Seite nach unten scrollt, kommt auch die Anzeige des aktuellen Pulswertes zum Vorschein. Uhren, auf denen alle Informationen ohne störendes Knöpfedrücken nutzbar sind, bereiten mehr Freude.

Während des Trainings wird der aktuelle Pulswert auf der Garmin Forerunner 55 nicht auf den ersten Blick angezeigt.

Einfach gut: Die Garmin Connect App

Über allen Zweifeln erhaben: die Garmin Connect App. Sie liefert schon auf der ersten Seite im Reiter „Mein Tag“ alle wichtigen Informationen, die man sich vorstellen kann. Dazu gehören nicht nur Zusammenfassungen zu aktuellen Trainings, sondern auch umfangreiche Details zu vielen anderen Informationen. Etwa zu den noch vorhandenen Energiereserven (Body Battery), zu den Intensitätsminuten der laufenden Woche oder zu den im Tagesverlauf schon verbrauchten Kalorien.

Wer tiefer in die App eintaucht, kann auch zu Herausforderungen (Challenges) mit anderen Garmin-Nutzern aus dem eigenen Freundeskreis antreten oder in einem Kalender die aufgezeichneten Daten für jeden einzelnen Tag abrufen, an dem die Garmin Forerunner 55 getragen wurde. Ein Newsfeed informiert zudem über die Aktivitäten von Freunden, die ebenfalls eine Garmin-Uhr tragen. In den Einstellungen bietet die App darüber hinaus eine Fülle an weiteren Statistiken zu Trainingszustand, Ausdauerleistung (VO2 max), Trainings-Effekt und, und, und.

Detailliert und übersichtlich präsentiert die Garmin Connect App alle protokollierten Daten.

Fazit: Garmin Forerunner 55 ist ein toller Trainingspartner

Vor allem für Einsteiger ist die 37 Gramm leichte Garmin Forerunner 55 eine fast schon optimale Sportuhr. Sie lässt dich in die vielfältigen Funktionen einer Sport-Smartwatch eintauchen, konzentriert sich beim Umfang der verfügbaren Extras aber auf das Wesentliche. Das Display der Uhr ist in weiten Teilen gut ablesbar, damit die Uhr als Unisex-Modell durchgeht aber recht klein. Das wirkt sich leider negativ auf eine rundum übersichtliche Darstellung während deiner Workouts aus. Der Tragekomfort mit dem flexiblen Silikonarmband ist hoch. Zuweilen musst du aber mit deutlich sichtbaren Abdrücken auf deiner Haut leben.

Selbstverständlich kannst du dem Nachfolgemodell der Forerunner 45 auch ein ganz individuelles Aussehen verleihen. Denn es ist jederzeit möglich, zusätzliche Ziffernblätter über die Garmin ConnectIQ App auf die Uhr zu laden. Viele davon sind kostenlos. Zudem stehen über ConnectIQ auch einfache Apps zur Verfügung. Bis zu 30 Apps und Ziffernblätter lassen sich auf die Garmin Forerunner 55 übertragen.

Leider bietet die Uhr aber keinen Speicher für Musikdateien. Du kannst also keine Playlisten speichern, um Musik direkt von der Uhr und ohne Internetverbindung abzuspielen. Ganz auf Audio-Untermalung während deiner Trainings musst du aber nicht verzichten. Ein Player zur Steuerung von Audio-Inhalten, die auf dem Handy gespeichert sind, ist an Bord. Er lässt sich starten, indem du lange auf der linken Seite die untere Taste drückst.

Die Garmin Forerunner 55 ist kein besonders flacher Vertreter ihrer Zunft.

Das Spiegeln von Benachrichtigungen, die auf dem Smartphone eingehen, klappt hervorragend. Zwar ist es direkt am Handgelenk nicht möglich, auf WhatsApp-Nachrichten zu antworten. Dafür verschwinden Benachrichtigungen, die du auf der Uhr löschst, auch in der Mitteilungszentrale deines Smartphones. Das ist ein überaus praktisches Feature, das in dieser Form auf iPhones vor allem Garmin in Perfektion beherrscht. Das Annehmen und Ablehnen von Anrufen ist mit der Garmin Forerunner 55 möglich, Gespräche zu führen aber nicht. Dafür wäre ein verbautes Mikrofon und ein Lautsprecher notwendig.

Vorteile

  • Schnelle, unkomplizierte Einrichtung
  • Lange Akkulaufzeit
  • Integriertes GPS
  • Kompatibel mit Android und iOS
  • Wasserdicht (5 ATM / 50 Meter)
  • Management von Smartphone-Benachrichtigungen

Nachteile

  • Eher schwache Display-Auflösung
  • Recht große Display-Umrandung
  • Zuweilen einfach gehaltene Darstellung während Workouts
  • Kein Musikspeicher
  • Pulsoximeter fehlt
  • Kein Garmin Pay

Was kostet die Garmin Forerunner 55?

Weil es an der einen oder anderen Stelle an Extras fehlt und weil sich die Forerunner 55 in erster Linie nur an klassische Läufer richtet, liegt der Preis für eine Uhr von Garmin auf einem vergleichsweise gemäßigten Niveau. Der unverbindliche Verkaufspreis (UVP) liegt auf der Garmin-Homepage in den aktuell vier verfügbaren Farbvarianten bei knapp 200 Euro. In einschlägigen Onlineshops kannst du die GPS-Laufuhr aber auch schon zu Preisen ab knapp 170 Euro kaufen. Dieser Preis wird aktuell auch bei Amazon fällig.

Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 3.03 der Garmin Forerunner 55 und auf App-Version 4.47 der Garmin Connect App. Änderungen, die auf spätere Updates zurückgehen, finden in diesem Testbericht keine nachträgliche Erwähnung.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Wieder einmal zeigt Garmin, warum der Hersteller zu den besten Smartwatch-Herstellern der Gegenwart gehört. Die Garmin Forerunner 55 mag an der einen oder anderen Stelle etwas mau ausgestattet sein, die ihr zugedachten Aufgaben erledigt die Uhr aber äußerst zuverlässig. In Kombination mit einer starken Akkulaufzeit ist sie vor allem für Menschen interessant, die schon immer in die Welt der GPS-Sportuhren hineinschnuppern wollten und dabei keine bösen Überraschungen erleben möchten.

Bildquellen

  • Garmin Forerunner 55 – Test Rückseite: Hayo Lücke / inside digital
  • Garmin Forerunner 55 Test Widgets: Hayo Lücke / inside digital
  • Garmin Forerunner 55 Test – Workout: Hayo Lücke / inside digital
  • Garmin Forerunner 55 Test – Garmin Connect App: Hayo Lücke / inside digital
  • Garmin Forerunner 55 im Test – Testsiegel: inside digital
  • Garmin Forerunner Test – Seitenansicht: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto 9 Peak im Test: Hayo Lücke / inside digital
  • Garmin Forerunner 55 Test: Hayo Lücke / inside digital

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