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Gaming: Wie die Videospiel-Industrie Mädchen vergessen hat

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Videospiele sind mittlerweile fester Bestandteil der Alltagsgestaltung junger Menschen. Doch in den letzten Jahren wurden junge Mädchen von der Videospiel-Industrie immer wieder vergessen. Jetzt feiern Videospiele für Mädchen jedoch ihre Rückkehr.
Videospiele für Mädchen
Videospiele für MädchenBildquelle: Alena Ozerova / shutterstock.com

Ich erinnere mich noch genau an meine ersten eigenen Videospiele. Auf der Verpackung der CD stand in großen Buchstaben „Der Mega-Pferdespaß am PC“ und im Inneren steckten gleich zwei Spiele. Als junges Mädchen waren es genau solche Spiele, die mir den Einstieg in die Welt der Videospiele ermöglichten. Sie weckten mein technisches Interesse und sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich mich bis heute für Videospiele und PC-Technik begeistere. Ich möchte mich also mit dem Genre auseinandersetzen, sein plötzliches Verschwinden und den erneuten Aufschwung der letzten Jahre beleuchten.

Das Ende von Videospielen für Mädchen

In den frühen Zweitausendern gab es unzählige Videospiele, die sich an junge Mädchen richteten. Besonders in Deutschland erlebte das Genre der Edutainment Games für Kinder einen Boom. Zahlreiche lokal entwickelte Spiele fluteten den Markt und konkurrierten mit den Spielen großer Entwickler wie Ubisoft. An Mädchen richteten sich in dieser Zeit vor allem Tier– und Pferdespiele, aber auch Fashion-Games, Barbie und mehr waren mit von der Partie. Die meisten waren billige Shovelware, doch immer mal wieder schaffte es ein Spiel, zu begeistern. Obwohl diese Spiele nicht perfekt waren, machten sie die Welt der Videospiele für eine ganze Generation junger Mädchen zugänglich.

Dennoch begann das Genre mit der Zeit zu verschwinden. Videospiele, die sich an junge Mädchen richteten, waren schlichtweg nicht sonderlich profitabel. Zudem stiegen die Erwartungen an Videospiele in den 2010er Jahren. Niemand wollte mehr billige Shovelware und ambitionierte Projekte rückten in den Vordergrund. Mädchen schienen dabei in Vergessenheit zu geraten. Zwar gab es immer einige wenige Spiele, die die Zielgruppe weiterhin bedienten, doch die Hochzeit der Spieleentwicklung in diese Richtung war vorbei.

Warum sind solche Spiele wichtig?

Videospiele sind nicht auf ein Geschlecht beschränkt. Jedes Videospiel für Jungs kann auch von Mädchen gespielt werden und andersrum. Dennoch ist es wichtig, dass Videospiele beide Zielgruppen bedienen und ansprechen und das nicht nur, weil sich die Interessen von Mädchen und Jungs teils unterscheiden.

Insbesondere bei aktuellen Videospielen spielt die Community rund um das Spiel eine große Rolle. Zahlreiche Spiele bieten eigene Discord-Server, über die Spieler miteinander in Kontakt treten können. Auch In-Game Chats finden sich mittlerweile in fast jedem Spiel. Als Frau hat man es in Männer-dominierten Spielen dabei oft schwer. Gerade für junge Mädchen kann das eine einschüchternde, wenn nicht sogar bedrohliche Erfahrung sein. Umso wichtiger ist es also, dass junge Mädchen über eigene Videospiel-Communitys mit Gleichgesinnten in Kontakt treten können. In solchen Communitys sehen sie ihre eigenen Interessen reflektiert und finden einfacher den Kontakt zu anderen Mädchen und Frauen.

Die Rückkehr der Videospiele für Mädchen

In den vergangenen Jahren haben Videospiele für Mädchen ihre Rückkehr gefeiert. Sogenannte „Cozy Games“ sind aktuell beliebter denn je und selbst Pferdespiele kehren zurück. Oft werden diese Spiele von jungen Frauen entwickelt, die mit den Videospielen der frühen Zweitausender aufgewachsen sind. Ihre Spiele zeugen von immenser Leidenschaft und sind weit entfernt von der Shovelware, die sie einst inspirierte. Man bekommt das Gefühl, dass junge Frauen jetzt die Spiele entwickeln, die sie sich als Mädchen gewünscht hätten.

Meist stehen kleine Teams, manchmal sogar Einzelpersonen, hinter dieser neuen Welle der Spiele für Mädchen. Die Zielgruppe der Spiele ist divers und oft sind es nicht nur Kinder, die sich für diese friedlichen Spiele interessieren. Auch junge Frauen in meinem Alter fühlen sich zu ihnen hingezogen. Sie wecken eine gewisse Nostalgie und stellen eine Art Rückzugsort dar. Ich selbst spiele gerne Action-Games und Shooter, doch manchmal möchte ich auch einfach ein paar Stunden in einem friedlichen Cozy Game verbringen. Zuletzt war es „The Ranch of Rivershine“, das mich in seinen Bann zog. Den Test zum gelungenen Pferdespiel kannst du bei uns lesen.

Fazit

Insgesamt kann es nur positiv sein, dass wieder mehr Videospiele für junge Mädchen entwickelt werden. Über Jahre hinweg schienen sie in Vergessenheit zu geraten, obwohl Videospiele für alle sein sollten. In virtuellen Welten können sich Spieler kreativ ausleben, fantastische Geschichten erleben und mit anderen in Kontakt treten. Diese Möglichkeiten sollten auch Mädchen haben, indem ihre Interessen vertreten werden.

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