Der Urlaub steht vor der Tür. Rund 70 Millionen Flugreisen buchen die Deutschen jedes Jahr. Dabei geht es oft Richtung Sonne und Strand oder aber zum Städtetrip. Dieses Jahr könnte das alles ein bisschen komplizierter werden. Denn nachdem erste Flughäfen Kerosinmangel gemeldet haben, streichen die ersten Airlines tausende Flüge und erhöhen die Preise für bereits gebuchte Flüge nachträglich. Zudem melden Reiseveranstalter wie Tui, keine Entschädigungen zahlen zu wollen, wenn im Sommer Flüge wegen Kerosinmangels ausfallen sollten.
Chaos beim Urlaub droht
Das Kerosin wird knapp. Der Präsident der Luftfahrtbehörde Enac, Pierluigi Di Palma, bestätigte gegenüber dem italienischen Sender RaiNews: Die Airlines sollen bestimmte Flughäfen mit fast vollen Tanks anfliegen, weil die Treibstofflager leerlaufen. Maximal 2.000 Liter pro Flugzeug gibt es. Das klingt nach viel, ist für einen Flieger, mit dem man in den Urlaub will, aber wirklich wenig. Für gängige Maschinen reicht das nicht mal für eine Stunde Flugzeit. Wer also von A nach B will, könnte plötzlich einen Umweg nehmen müssen. Oder gleich am Boden bleiben.
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Noch geben sich Betreiber gelassen. Alles halb so wild, heißt es. Andere Anbieter würden liefern, wichtige Flüge seien nicht betroffen. Aber das ist die übliche Beschwichtigung: Solange es läuft, läuft es. Bis es eben nicht mehr läuft und der Urlaub ins Wasser fällt. Die Airlines selbst klingen weniger entspannt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass über 80 Prozent des Treibstoffbedarfs finanziell abgesichert seien. Gleichzeitig warnt er aber auch: Sollte der Konflikt andauern, könne die Lage „kritisch werden“. Und kritisch heißt in dieser Branche selten etwas Gutes für Passagiere.
Vor wenigen Tagen reagierte die Lufthansa mit Streichungen. Mit der angekündigten Schließung ihrer Regionaltochter Cityline streicht die Lufthansa Group bis Oktober 20.000 Kurzstreckenflüge. Das entspricht eigenen Angaben zufolge einer Einsparung von rund 40.000 Tonnen Kerosin, wie die Lufthansa mitteilt.
Kann ein bezahlter Flug teurer werden, der im Sommer stattfindet?
Noch deutlicher wird Ryanair-Chef Michael O’Leary. Er warnt, dass schon in wenigen Wochen ein Viertel aller Kerosin-Lieferungen ausfallen könnte. Im Klartext: weniger Flüge, mehr Streichungen. Und natürlich höhere Preise. Denn Knappheit war schon immer ein guter Vorwand, Tickets teurer zu machen.
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Apropos teurer: Während einige Fluggesellschaften bereits Flüge streichen, reagiert eine Airline mit deutlichen Aufpreisen. Der spanische Billigflieger Volotea erhebt einen Zuschlag, um sich an die Marktpreise anzupassen, heißt es. Das heißt: Sieben Tage vor dem Flug passt die Fluggesellschaft den Preis bereits gebuchter Tickets an die aktuellen Treibstoffpreise am Markt an. Diese Maßnahme, die man „Fair Travel Promise“ nennt, „gilt bis auf Weiteres für alle Buchungen vom 16. März 2026“, so Voltea. Pro Person wird das Ticket schlimmstenfalls 14 Euro teurer.
Wie lange reicht das Kerosin noch? Reiseveranstalter Tui warnt
Wie der Vorstandschef des Reisekonzerns Tui, Sebastian Ebel, dem Nachrichtensender Welt sagte, besteht aktuell kein Kerosinmangel und damit auch kein Risiko für Flugausfälle in den Sommerferien. Die Situation in Deutschland sei „relativ komfortabel“. Aber: Sollte es aufgrund von Kerosinmangel zu Flugausfällen kommen, werde es Ebel zufolge keine Entschädigungszahlungen geben. Schließlich hätten die Reiseveranstalter keine Schuld und müssten diese Situation so behandeln wie etwa Unwetter, für die es auch keine Entschädigungen gebe.
Für Urlauber bedeutet das vor allem Unsicherheit. Flüge könnten kurzfristig verschoben werden oder ganz verschwinden, besonders auf kürzeren Strecken, wie die Lufthansa bereits gezeigt hat. Wer Pech hat, sitzt nicht am Strand, sondern am Gate. Entschädigung? Eher nicht. Treibstoffmangel gilt als „außergewöhnlicher Umstand“. Wie es weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab, die sich schlecht planen lassen. Konflikte, Lieferketten, Preise. Und mit dem Auto in den Urlaub nach Italien ist – zumindest wenn man Verbrenner fährt – dieses Jahr wohl auch keine Alternative.
