Auf eine Sache konnte man sich bei der Bahn bisher verlassen: Pünktlich zum Fahrplanwechsel im Dezember steigen die Preise. Wir haben die vergangenen 10 Jahre analysiert, und in jedem Jahr gab es im Dezember eine Preiserhöhung von 1,9 bis 5,9 Prozent. Manchmal wurden zusätzlich auch zum kleinen Fahrplanwechsel im Sommer die Preise erhöht.
Eine Ausnahme stellt das aktuelle Fahrplanjahr dar: Im Dezember 2025 gab es nach über 10 Jahren erstmals keine Preiserhöhung. „Wir wollen mit stabilen Preisen ein klares Zeichen setzen“, sagte ein Sprecher der Bahn im vergangenen Jahr und nannte die schlechten Pünktlichkeitswerte als Hauptgrund, die Preise stabil zu halten. Diese haben sich mittlerweile wieder geringfügig verbessert. Von 51,5 Prozent im Oktober 2025 ging es auf zuletzt 62,1 Prozent im März 2026 nach oben. Doch auch dieses Jahr gibt es zahlreiche Großbaustellen.
Längste Zeit ohne Preiserhöhung bei der Bahn
Zum Sommer-Fahrplanwechsel am 14.06.2026 hätte man nun wieder die Möglichkeit, die Preise zu erhöhen. Doch Bahnchefin Evelyn Palla widerspricht: „Vom 1. Mai an halten wir die Preise für ICE-Tickets ein Jahr lang stabil.“ Die nächste Preiserhöhung dürfte also frühestens zum Fahrplanwechsel am 13.06.2027 kommen.
Gegenüber der Bild-Zeitung erklärt sie: „Neustart bei der Deutschen Bahn heißt, mehr Verantwortung übernehmen und neue Prioritäten setzen. Oberste Priorität hat jetzt: Fahren, Fahren, Fahren und dafür sorgen, dass die Menschen in Deutschland sich das Reisen weiter leisten können.“
Damit bezieht sie sich auf die Fernverkehrssparte der Deutschen Bahn. Denn diese betreibt die Bahn auf eigene Rechnung. Die Preise im Regionalverkehr werden hingegen von den Landesregierungen und den jeweiligen Verkehrsverbünden festgelegt. Hier gab es dieses Jahr bereits zahlreiche Preiserhöhungen und auch das Deutschlandticket ist im Januar teurer geworden.
Preiserhöhung durch die Hintertür bleibt möglich
Das Tarifsystem der Deutschen Bahn ist komplex. Die Preise richten sich nach Entfernung, Reisegeschwindigkeit, Reisezeit und Produktklasse (ICE/ECE oder IC/EC). Neben den regulären Tickets (Flexpreis) gibt es auch Sparpreis- und Super-Sparpreis-Tickets. Diese sind ab 21,99 Euro beziehungsweise 17,99 Euro erhältlich. Das Kontingent für die Spartickets ist begrenzt und orientiert sich an der erwarteten Auslastung. Durch dieses Kontingent kann die Bahn auch ohne Preiserhöhung an den Preisen drehen.
Auch werden in diesem Jahr einige IC-Verbindungen auf ICEs umgestellt. Insbesondere touristische Verbindungen nach Obersdorf und nach Sylt sind davon betroffen. Dadurch steigen auf diesen Verbindungen die Ticketpreise. Doch dafür können sich Reisende im neuen ICE L auch auf mehr Komfort und ein Bordbistro freuen. Auch sinken die Reisezeiten geringfügig, da zukünftig kein Lokwechsel für die Strecken ohne Oberleitung mehr nötig ist. Der neue ICE L kann nämlich optional auch per Diesel-Antrieb fahren.
Um generell günstig zu reisen, solltest du deine Tickets möglichst früh buchen. Auch spielen Wochentag und Uhrzeit eine Rolle. Freitag und Sonntag sind in der Regel die teuersten Reisetage. Und während normaler Bürozeiten sind die Preise höher als an Tagesrandzeiten oder nachts.
