Wer Sprit sparen möchte, sollte die Dachbox abschrauben, die Klimaanlage herunterdrehen und die Geschwindigkeit drosseln. Gesagt, getan. Und nun? Laut dem ADAC kostete der Diesel kürzlich 2,45 Euro im Schnitt, während Super E10 durchschnittlich 2,19 Euro auf die Preiswaage legte. Da reichen die üblichen Sparmaßnahmen nicht mehr aus. Glücklicherweise wird derzeit auf diversen seriösen Nachrichten-Portalen im Werbefeld „Syngas“, ein neuer OBD-2-Stick, beworben. Diesen steckt man einfach in die entsprechende Buchse im Auto, und schon soll der Verbrauch in sich zusammensacken. Diverse Artikel versprechen bis zu 55 Prozent Ersparnis. Kann das wirklich funktionieren?
55 Prozent Ersparnis, wirklich?
Grundsätzlich können OBD-2-Dongles eine Verbindung mit dem Steuergerät im Fahrzeug aufnehmen und Daten auslesen oder Anpassungen vornehmen. Mit Blick auf die angebliche Spritersparnis scheint jedoch selbst das nicht zwingend erwartbar zu sein. Wie eine gemeinsame Analyse von ADAC und c’t bereits im Jahr 2024 gezeigt hat, stellte das Testgerät – der Stecker ecoOBD2 von Ecomac – keine elektrische Verbindung zum CAN-Bus dar. Und das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn viel mehr als eine Leuchtdiode, einen Spannungswandler sowie Schalttransistoren, Widerstände und Kondensatoren bot das Innenleben des Dongles nicht.
Unterm Strich besteht die Funktionsweise des angeblichen Wundergeräts also darin, Strom zu beziehen und hübsch zu blinken. Und Ähnliches gilt auch für sämtliche weitere Produkte dieser Art – wie aktuell den Syngas. „Wäre die versprochene Wirkung tatsächlich erreichbar, würden solche Produkte längst von Autoherstellern serienmäßig verbaut, weil sie damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hätten“, sagt Markus Sippl vom ADAC Technik Zentrum. Doch damit nicht genug. Denn anscheinend haben es die Verantwortlichen nicht einzig auf das Geld leichtgläubiger oder verzweifelter Bürger abgesehen.

Gefährliche Vermarktungsstrategie
Wie bereits erwähnt, wird Werbung für den Syngas und andere OBD-2-Dongles über Onlinemarketing-Tools auf seriösen Seiten geschaltet – oftmals sogar unbemerkt. Auch wir stellen hier keine Ausnahme dar. Gegenwärtig sind wir dabei, entsprechende Werbeanzeigen auf unserer Seite zu beseitigen. Diese führen oft zu angeblichen Nachrichten und Testberichten mit KI-generierten Bildern und Texten sowie gefälschten Nutzerberichten und Bewertungen. Und sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Der Syngas wird selbstverständlich in den Himmel gelobt.
Die Überschriften sind sensationsheischend und abenteuerlich:
- „’Big Oil‘ wi das Spritsparmodul verbieten lassen“,
- „Spart dieses Gerät aus München wirklich 50% Sprit bei jedem Auto? Wir haben es getestet“
- „2,50 € pro Liter? Während weltweit die Spritpreise explodieren, schlagen deutsche Autofahrer jetzt mit dieser Geheimwaffe zurück“
- „SynGas wird in Kürze teurer — warum die Nachfrage die Produktion übersteigt und was das für den Preis bedeutet“
Das Impressum ist meistens dasselbe und führt nach Hongkong. Allerdings sind wir im Rahmen unserer Recherche auch auf eine Seite gestoßen, die zumindest dem Impressum nach in Albuquerque, USA, beheimatet ist. Konkrete Domains werden wir an dieser Stelle allerdings nicht nennen und wir raten auch nachdrücklich davon ab, diese zu besuchen. Denn zumindest einige Verlinkungen führen nicht nur zu einer von vielen gefälschten Verkaufsseiten, sondern zu mit Malware versuchten Websites.

Laut einem Antivirus infizierte eine Website ihre Besucher mit Miscellaneous – einer bösartigen Software, die Daten, Computer und Netzwerk Schaden zufügen kann. Bei einer weiteren Website soll es sich indes um einen gefälschten eShop gehandelt haben. Diesen könnten die Hintermänner nicht nur zum Verkauf der Syngas-Stecker genutzt haben, sondern auch, um persönliche Daten nichts ahnender Opfer abzugreifen.
Resümierend lässt sich festhalten, dass man lieber die Finger von OBD-2-Steckern lassen sollte. Ein Wundermittel, das den Spritverbrauch halbiert, existiert schlichtweg nicht. Wer Sprit sparen möchte, muss zwangsläufig zu den konventionellen Maßnahmen greifen. Welche es sind, verraten wir hier:
