Telekom verliert Macht in vier Städten – ist deine Stadt dabei?

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In vier deutschen Großstädten haben sich die Machtverhältnisse der Telekom derart geändert, dass jetzt die Bundesnetzagentur einschreiten will. Das hat Folgen – auch für dich und deinen Internetanschluss.
Telekom Logo auf Würfel auf einem Tisch, der draußen steht
Telekom verliert Marktmacht in vier StädtenBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Die Bundesnetzagentur hat Eckpunkte zu ihrer vorläufigen Marktanalyse für den Breitband-Massenmarkt veröffentlicht. Der zentrale Befund: Aus Sicht der Behörde gibt es nicht mehr den einen bundesweiten Markt, sondern räumlich abgegrenzte Teilmärkte. Als Haupttreiber nennt sie den beschleunigten Glasfaserausbau. Denn Regulierung hängt im Telekommunikationsmarkt daran, ob ein Unternehmen vor Ort als marktmächtig gilt und ob der Wettbewerb aus eigener Kraft funktioniert. Fehlt „wirksamer Wettbewerb“, will die Bundesnetzagentur weiterhin eingreifen und der Telekom Pflichten auferlegen – etwa beim Netzzugang für andere Anbieter.

Vier Städte könnten aus der Vorab-Regulierung fallen

In München, Köln, Ingolstadt und Wolfsburg sieht die Bundesnetzagentur nach ihren vorläufigen Erkenntnissen künftig „keinen Bedarf an Vorab-Regulierung mehr“. Ihre Begründung: Die Telekom habe dort inzwischen nur noch niedrige Marktanteile. Gleichzeitig seien die Städte in hohem Maße durch Kabel- und Glasfasernetze abgedeckt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeute das in der Regel eine Auswahl zwischen drei Zugangsnetzen.

Auffällig ist: Konkrete Marktanteilszahlen nennt die Behörde in der Mitteilung nicht – die Argumentation bleibt hier bewusst auf dem Niveau „niedrig“ versus „marktmächtig“. Für die Praxis zählt am Ende jedoch genau diese Detailfrage: Ob die Telekom in einem Teilmarkt tatsächlich so viel Einfluss verloren hat, dass Regulierung nicht mehr nötig ist.

Segeberg ist der Sonderfall – trotz niedriger Telekom-Anteile

Etwas anders bewertet die Bundesnetzagentur den Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein. Auch dort soll die Telekom nur einen relativ niedrigen Marktanteil haben. Trotzdem reicht es aus Sicht der Behörde nicht für den Verzicht auf Ex-ante-Regulierung, weil sich die Glasfaser– und Kabelnetze der Wettbewerber überwiegend auf kleine Gebiete beschränken. Deshalb bringt die Bundesnetzagentur für Segeberg ausdrücklich „symmetrische Regulierung“ ins Spiel. Das heißt: Bestimmte Verpflichtungen könnten für alle Netzbetreiber gelten – also nicht nur für ein als marktbeherrschend eingestuftes Unternehmen. Das ist ein spürbarer Ansatzwechsel, weil damit nicht mehr allein die Marktmacht im Mittelpunkt steht, sondern die Frage, welche Regeln Infrastrukturwettbewerb überhaupt erst ermöglichen.

Was das für dich als Kunde bedeuten kann

Wenn die Vorab-Regulierung in den vier Städten tatsächlich entfällt, kann das vor allem den Vorleistungsmarkt verändern, also die Bedingungen, zu denen Wettbewerber Zugang zu Netzen bekommen. Im besten Fall bleibt der Wettbewerb stabil, weil Kabel- und Glasfaseranbieter stark genug sind, um Preise und Qualität gegenseitig zu kontrollieren.

Im schlechteren Fall kann ein zu früher regulatorischer Rückbau dazu führen, dass die Telekom in bestimmten Vermarktungs- oder Vorleistungsfragen wieder mehr Spielraum gewinnt – und Wettbewerber schlechtere Karten haben, Tarife zu kalkulieren oder neue Angebote schnell in den Markt zu bringen. Genau an diesem Punkt setzen auch die Warnungen der Verbände an.

Wie es weitergeht

Wichtig: Die Einschätzung der Bundesnetzagentur ist ausdrücklich vorläufig. Die Eckpunkte werden am 16. März 2026 in einem öffentlichen Termin vorgestellt und diskutiert. Erst danach wird klarer, ob die Bundesnetzagentur an der regionalen Einteilung festhält und wie eng oder weit sie „wirksamen Wettbewerb“ am Ende definiert.

Reaktionen der Wettbewerber

Die Wettbewerberverbände reagieren deutlich skeptisch auf die geplante regionale Deregulierung. Der Breitbandverband ANGA warnt vor Risiken für Ausbau und Marktstruktur und betont: „Fehler in diesem komplexen Prozess könnten den Glasfaserausbau spürbar ausbremsen.“ Auch beim BREKO ist der Ton scharf. Dort heißt es, die von der Bundesnetzagentur angedachte teilweise Entlassung der Telekom aus der Regulierung „kommt zum völlig falschen Zeitpunkt“. Der VATM wiederum sieht in der regionalen Betrachtung einen gefährlichen Schritt mit Signalwirkung über die vier Städte hinaus. Der Verband mahnt: „Regionalisierte Regulierung ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht – und kann dem zarten Pflänzchen Glasfaserausbau nur schaden.“

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