Strompreise: Preishammer in der Grundversorgung – das ist die Alternative

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In den vergangenen Wochen und Monaten war die Grundversorgung beim Strom für viele Kunden so etwas wie ein Zufluchtsort. Oftmals war die Grundversorgung günstiger als ein Vertrag. Jetzt dreht sich das Bild – teilweise dramatisch.
Stromzähler
StromzählerBildquelle: Pixabay

Im November liegen die Stromkosten für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh im bundesweiten Durchschnitt bei 1.836 Euro (45,9 Cent/kWh). Das ergibt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Zum Vergleich: Vor 12 Monaten lag der Durchschnittspreis noch bei 1.392 Euro. Das bedeutet, dass die jährlichen Kosten damit um 444 Euro höher liegen. Das entspricht einer Steigerung von 32 Prozent.

Doch es gibt etwas Hoffnung am Horizont. Die Großhandelspreise waren zuletzt etwas gesunken. Damit können die Stromversorger den Strom, den sie nicht selbst erzeugen, auch wieder günstiger einkaufen. Die sinkenden Großhandelspreise wirken sich auf die Strom-Angebote für Neukunden aus. Während sie im September und Oktober häufig über 55 Cent/kWh lagen, sind sie in der Zwischenzeit auf rund 43 Cent/kWh gesunken.

Kunden in der Grundversorgung profitieren derzeit noch von einem allgemein niedrigeren Preisniveau. Derzeit kostet eine Kilowattstunde 36,93 Cent, heißt es von Verivox. Hier müssen Verbraucher sich allerdings auf deutlich steigende Preise einstellen. Wie schon vor einigen Tagen berichtet, haben regionale Stromversorger 558 Strompreiserhöhungen um durchschnittlich 54 Prozent angekündigt. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh entspricht das Mehrkosten von rund 703 Euro im Jahr. Jüngstes Beispiel mit größeren Auswirkungen: Vattenfall hebt die Stromkosten in der Grundversorgung zum 1. Februar für Hamburg und Berlin um bis zu 25 Prozent an

„Das neue Jahr beginnt mit einer massiven Preiserhöhungswelle beim Strom. Grundversorger müssen nun die höheren Marktpreise nach und nach an ihre Kunden weitergeben. Gleichzeitig sinken die Neukundenpreise der überregionalen Anbieter, die zuletzt deutlich über der regionalen Grundversorgung lagen. Es findet eine Angleichung der Preise bei regionalen und überregionalen Versorgern statt“, analysiert Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox.

Strompreise: So entwickelt sich der Großhandels-Preis

Der Preis für eine Megawattstunde Strom zur Lieferung im kommenden Jahr lag an der Strombörse zuletzt bei rund 350 Euro. In den vergangenen Wochen sind sie damit deutlich gesunken. Im September wurden noch über 500 Euro pro Megawattstunde verlangt. Das Preisniveau sei aber nach wie vor noch historisch hoch. Im langjährigen Mittel bewegt sich der Preis je Megawattstunde Strom zwischen 35 und 55 Euro.

Neben den hohen Beschaffungskosten geraten die Strompreise auch durch die Entwicklung bei den Stromnetzentgelten unter Druck. Diese steigen zum Jahreswechsel bundesweit um knapp 20 Prozent an. Bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) erhöhen sich die Stromnetzkosten von 303 Euro auf 360 Euro.

Strompreisbremse senkt Rechnung – treibt aber offenbar die allgemeinen Preise

Um die Haushalte bei den Stromkosten zu entlasten, ist eine Strompreisbremse ab März 2023 geplant, die rückwirkend ab Januar 2023 gelten soll. Sie sieht vor, dass eine Deckelung von 80 Prozent des jährlichen Verbrauchs auf 40 Cent/kWh erfolgt. Im Mittel entspricht das laut Verivox einer Entlastung von rund 189 Euro pro Jahr.

Ein Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh würde um rund 71 Euro entlastet, Paare mit einem Jahresverbrauch von 2.800 kWh können mit einer Einsparung von rund 132 Euro rechnen. „Die Strompreisbremse wird zu einer Entlastung der Haushalte führen, die Folgen der Energiepreisexplosion werden dadurch jedoch nur abgedämpft“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Wird der Strompreis auf 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt, bleiben die Stromkosten dennoch historisch hoch. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 lag der durchschnittliche Strompreis für Haushalte noch unter 34 Cent – und war damit dennoch der höchste in ganz Europa.“

Auffällig außerdem: Seitdem die Strompreisbremse bekannt ist, haben nach Einschätzung unserer Redaktion überdurchschnittlich viele Anbieter ihre Stromtarife erhöht. Denkbar, dass einige Stromanbieter hier darauf setzen, dass der Staat jene Kosten oberhalb von 40 Cent tragen und die Kunden sich parallel einschränken, sodass die Endkunden aus ihrer Sicht nicht belastet werden. Ob die Strompreisbremse wirklich kommt, ist indes noch gar nicht klar. Denn zuletzt tauchte ein Gutachten auf, wonach das Gesetz nicht konform mit EU-Recht und dem deutschen Grundgesetz ist.

Maßnahmen gegen die Preisexplosion

Den steigenden Kosten zu entkommen, ist nur auf zwei Wegen möglich: Der eine ist, zu sparen, wo es nur geht. Wir haben dir dazu verschiedene Ratgeber zusammengestellt, mit denen du relativ leicht Strom und Gas sparen kannst, ohne dich einzuschränken.

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