Spritpreise 2027: So teuer werden Benzin und Diesel ab Januar

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Am 31. Dezember endet der Tankrabatt. Was danach an der Zapfsäule passiert, wird Autofahrer ordentlich Geld kosten. Sprit-Experten rechnen mit 40 Cent mehr pro Liter Diesel und Benzin. Und das ist nur der Anfang.
Spritpreise 2027: So teuer werden Benzin und Diesel ab Januar
Spritpreise 2027: So teuer werden Benzin und Diesel ab JanuarBildquelle: Samuel Arkwright / Unsplash

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle die Glaskugel poliert. Die Prognose: 2026 knackt der Liter Sprit die Zwei-Euro-Marke, weil die Politik an der CO₂-Schraube dreht. Die Wirklichkeit hat die Wette gewonnen, aber die Begründung pulverisiert. Die Zwei-Euro-Marke für den Liter Diesel und Benzin fiel schon im März – dank Irankrieg, Rohölrallye und der verlässlichen Gier der Raffinerien. Im September tankte Deutschland auf Allzeithoch: E10 für 2,27 Euro, Diesel für fast 2,40 Euro. Seit Oktober dämpft ein staatlicher Tankrabatt den Schmerz notdürftig ab. Bund und Länder ließen sich die Beruhigungspille 2,5 Milliarden Euro kosten. Am 31. Dezember um Punkt Mitternacht läuft das Schmerzmittel ab.

Benzin und Diesel: Preise steigen über Nacht

Pünktlich zum Katerfrühstück am 1. Januar holt sich der Staat seine Steuern zurück: 17 Cent pro Liter. Inklusive Mehrwertsteuer, an der der Fiskus bei hohen Preisen ohnehin prächtig mitverdient. Eine Verlängerung schließt das Wirtschaftsministerium kategorisch aus. Der Grund: Die Haushaltskasse ist leer. Also muss der Autofahrer wieder ran.

Die Rechnung für Neujahr ist brutal simpel: Rechnet man die 17 Cent auf das aktuelle Preisniveau, landet Super E10 bei rund 2,28 Euro und Diesel bei etwa 2,43 Euro. Beides liegt über den Rekordwerten des Sommers. Ein normaler Tankvorgang wird über Nacht gut acht bis neun Euro teurer.

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Unter einer Bedingung: dass die Ölmultis stillhalten. Und wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Als Ende Juni der vorherige Tankrabatt auslief, sprangen die Preise binnen Tagen weit über den rechnerischen Steueraufschlag hinaus nach oben. Beim Diesel kam der aktuelle Rabatt ohnehin nur zur Hälfte im Tank an. Die Konzerne steckten die Differenz diskret in ihre Margen. Logischerweise müsste der Preissprung beim Diesel im Januar also moderater ausfallen. Rein logisch.

Sprit bis zu 40 Cent pro Liter teurer

Als wäre die Steuerwatsche nicht genug, kollidiert Silvester mit dem nächsten bürokratischen Glanzstück: der 12-Uhr-Regel. Seit April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben, pünktlich mittags. Was als Verbraucherschutz gedacht war, schuf ein tägliches Preiskatapult. Im Schnitt schlagen die Säulen um zwölf Uhr um 15 bis 18 Cent nach oben aus.

Am Neujahrstag droht das perfekte Zusammentreffen: Der Steuerrabatt endet um Mitternacht, die Preisanhebung darf erst mittags erfolgen. Carsten Müller, Chef des Bundesverbands Freier Tankstellen, rechnet für den Mittag des 1. Januar mit einem Preissprung von 35 bis 40 Cent pro Liter binnen Sekunden. Müllers Fazit: „Das ist der Moment, an dem ich nicht an der Kasse stehen möchte.“ Wer an Silvester nicht rechtzeitig volltankt, zahlt ab 12:01 Uhr den Rekordpreis des Jahrzehnts.

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Dazu kommt ein Kostentreiber, den kaum ein Autofahrer kennt: die Treibhausgasminderungsquote (THG). Um Strafzahlungen an Brüssel zu vermeiden, müssen Konzerne mehr Biokraftstoffe beimischen oder Quoten zukaufen. 2027 steigt diese Vorgabe sprunghaft von 12 auf 17,5 Prozent. Schon beim letzten Jahreswechsel verteuerte das den Diesel über Nacht um rund neun Cent im Großhandel. Die Konzerne werden keinen Cent davon aus eigener Tasche zahlen.

Der Spritpreisdeckel, der keiner ist

Aber hat die Koalition nicht Rettung versprochen? Doch. Mit großem Getöse einigte man sich auf einen „Spritpreisdeckel“. Der Entwurf aus dem Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist ein Meisterwerk der politischen Arbeitsverweigerung.

Das Gesetz deckelt nichts. Es erlaubt der Regierung lediglich, theoretisch einzugreifen. Allerdings nur, wenn die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland drei Wochen hintereinander um mehr als fünf Prozentpunkte stärker steigen als im Schnitt aller anderen EU-Länder – gerechnet vor Steuern.

Der Auto Club Europa (ACE) hat die Probe aufs Exempel gemacht: Diese Bedingung war in den vergangenen 20 Jahren kein einziges Mal erfüllt. Nicht während der Bankenkrise, nicht nach dem Ukraine-Schock, nicht im Irankrieg. Der Deckel ist ein Feuermelder, der erst anspringt, wenn das Haus bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist. Vorausgesetzt, die Nachbarhäuser brennen fünf Prozent langsamer.

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Vor Ausnahmen strotzt das Papier ohnehin: Autobahntankstellen sind ausgenommen, Länder dürfen abweichen, bei „Versorgungsproblemen“ wird gar nichts getan. Auf die Frage nach einer garantierten Entlastung heißt es aus dem Ministerium trocken: Es sei nicht sinnvoll, eine solche zu versprechen.

Eine Ehrlichkeit, die zynischer kaum sein könnte. Tankstellen-Chef Müller nennt das Gesetz „blanken Populismus“ und beteuert treuherzig: „Wir zocken niemanden ab.“ Ausnahmsweise sind sich Verband und Autoclubs einig: Der Deckel taugt nur für das politische Schaufenster.

Was Autofahrern bleibt

Gegen die Doppelzange aus Finanzamt und Tankstellenkartell gibt es kein politisches Gegenmittel. Der Staat kassiert ab, die Konzerne langen zu, und das versprochene Rettungsnetz ist aus Seifenblasen gestrickt. Die einzige Stellschraube liegt in deiner Hand: der Kalender und die Uhrzeit. Tanke vor dem 31. Dezember voll. Wenn es an Silvester sein muss, erledige es vor zwölf Uhr mittags. Meide die Autobahnen, nutze Transparenz-Apps und schau bei Benzin und Diesel nicht auf den Literpreis, wenn du an Neujahr an die Säule rollst. Es verdirbt dir nur das Jahr.

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