"Sehr geehrte": Deshalb sollte man das nie wieder in E-Mails schreiben

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Eine passende Anrede in E-Mails ist wichtig, keine Frage. Schließlich will man niemandem vor den Kopf stoßen. Doch das gute alte "Sehr geehrte …" hat heute in E-Mails ausgedient. Warum und welche besseren Alternativen es gibt.
"Sehr geehrte": Deshalb sollte man das nie wieder in E-Mails schreibenBildquelle: Le Vu / Unsplash

Jeden Tag gehen in Deutschland Milliarden E-Mails raus. An Büros, Behörden, Bekannte, an Menschen, die man nie sehen wird. Und sehr viele davon beginnen gleich: „Sehr geehrte …“. Zwei Worte, die klingen wie ein Faxgerät, das sich mühsam aus dem Stand-by quält. Dabei ist diese Anrede längst ein Relikt. Sie stammt aus einer Zeit, in der Kommunikation langsam war, Hierarchien klar und Nähe verdächtig. Heute ist die E-Mail das digitale Gegenstück zum Zuruf über den Schreibtisch, nur eben schriftlich. „Sehr geehrte …“ schafft Distanz, wo oft keine nötig ist, und wirkt steifer, als der Inhalt es meist rechtfertigt. Kurz: Wer so beginnt, signalisiert nicht Respekt, sondern Unsicherheit.

Warum „Sehr geehrte …“ weder höflich noch respektvoll ist

Das Problem ist nicht die Höflichkeit, sondern ihre Verpackung. „Sehr geehrte …“ macht Menschen zu Funktionen und Gespräche zu Vorgängen. Moderne Kommunikation will aber gesehen werden, nicht abgeheftet. Sie lebt von Klarheit, Direktheit und einem Ton, der professionell ist, ohne geschniegelt zu sein.

Die Alternativen liegen längst auf der Hand. „Guten Tag Frau Pichler“ ist sachlich und freundlich, ohne geschniegelt zu wirken. „Hallo Herr Schierer“ funktioniert in vielen Branchen problemlos und ist inzwischen Bürostandard. Wer sich kennt, darf auch „Lieber Herr Büttner“ schreiben. Nähe ist kein Regelverstoß, sondern oft ein Vertrauenssignal. Wichtig ist dabei nur eins: Namen richtig schreiben, Titel korrekt setzen, nicht schludern. Respekt zeigt sich im Detail, nicht in Floskeln.

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Und ohne Ansprechpartner?

Auch ohne konkrete Ansprechperson muss niemand zu „Sehr geehrte Damen und Herren“ greifen. „Guten Tag ins Team“, „An das Team von …“ oder – intern – „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ sind persönlicher und sagen trotzdem: Ich weiß, an wen ich mich wende. Wer sich die Mühe macht, kurz zu recherchieren, findet oft sogar einen Namen. Das Internet vergisst vieles, aber selten die richtige Ansprechperson.

Ganz abschaffen sollte man „Sehr geehrte …“ trotzdem nicht. Es hat noch seinen Platz: bei Bewerbungen, bei Behörden, im Erstkontakt mit sehr formellen oder konservativen Organisationen. Dort ist Förmlichkeit kein Stilmittel, sondern Erwartung. Im Zweifel gilt: erst formell starten, später anpassen. Kommunikation ist ein Prozess, kein Glaubensbekenntnis.

Mit freundlichen Grüßen

Und wenn die Mail dann endet, darf es ebenfalls etwas weniger geschniegelt sein. Statt „Mit freundlichen Grüßen“ funktionieren je nach Kontext auch „Viele Grüße“ oder „Freundliche Grüße“. Persönlicher wird es mit „Liebe Grüße“ oder „Herzliche Grüße“ oder einem kleinen Zusatz wie „… aus Bonn“. Von den oft verwendeten besten Grüßen rät Coach und Etikette-Expertin Elisabeth Bonneau übrigens ab: „Die gibt es nicht, weil es ja auch keine guten Grüße gibt.“ Entscheidend ist aber nicht die Formel, sondern der Ton: klar, passend, menschlich. Eher nach Gefühl schreiben denn nach dem, was als „Standard“ empfunden wird.

Mitreden

5 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Paul

    Sehr geehrtes Team von inside-digital.de,
    bin ein junger IT’ler und finde: Manches Bewährtes kann ruhig bleiben. Man muss auch nicht jeden duzen, sondern kann durch Distanz auch Respekt zollen.

    Mit freundlichen Grüßen!

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  2. Nutzerbild Andreas

    Sehr geehrter Herr Kawalkowski
    Sie können von mir aus Ihre Unhöflichkeit frönen. Aber behalten Sie Ihre unnötigen Tipps für sich. Etwas Anstand schadet dieser Welt nicht.
    Mit unfreundlichen Grüßen an einen unfreundlichen Menschen

    Antwort
    • Nutzerbild Blasius Kawalkowski inside digital Team

      Hallo Andreas. Oder war das jetzt schon unhöflich und unfreundlich? Oder gar unanständig? Etwas Offenheit und Freundlichkeit würden nicht schaden.

      Antwort
  3. Nutzerbild F. R.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ich bleibe bei dieser respektvollen Anrede. Alles andere ist respektlos und hat was von Kumpelei.
    Mit freundlichen Grüßen

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  4. Nutzerbild S.F.

    Sehr geehrter Kawalkowski,
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Anrede ist weder ein Relikt, noch verstaubt noch in sonstiger Weise fehl am Platz.

    Diese Anrede schafft den höflichen, respektvollen Umgangston. Wenn Sie sich durch eine lockerer Ansprache nicht gestört fühlen, ist das ihr gutes Recht. Nur verkennen Sie, das es die nötige Distanz schafft,- sein wohlfühlbereich, den Distanzbereich seines gegenübers. Die nähe die man zulassen möchte auch in Email Kontakten.
    Wer dies brechen möchte, respektiert mmn. damit andere Personen nicht, und verfügt über weniger feingefühl sowie Empathie.

    Nur weil man heutzutage und vor allem durch das Internet die „Du“ Kultur gewohnt ist, sollte man dies noch lange nicht als Standart ansehen.

    Wir alle haben das Recht auf Respekt und nötige Distanz. Wir sollten es uns durch die höflichkeiten bewahren.

    Mit freundlichen Grüßen
    S.F.

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