Potenzial verschenkt? 90 Prozent aller Befragten unterschätzten Solartechnik

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Dreiviertel der Bevölkerung unterstützen den Ausbau von PV-Anlagen. Allerdings scheinen überraschend wenige Menschen tatsächlich einschätzen zu können, wie groß der Ertrag von Sonnenstrom auf einem durchschnittlichen Einfamilienhaus ausfällt. Das zeigen Daten einer Umfrage.
Potenzial verschenkt - 90 Prozent aller Befragten unterschätzten Solartechnik
Potenzial verschenkt - 90 Prozent aller Befragten unterschätzten SolartechnikBildquelle: Foto von Daniele La Rosa Messina auf Unsplash

Im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) führte das Meinungsforschungsinstitut YouGov eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durch. Dreiviertel aller Menschen befürworteten darin den Ausbau von PV-Anlagen in Deutschland. Allerdings konnten nur sieben Prozent aller Befragten richtig einschätzen, wie viel Solarstrom sich auf einem Einfamilienhaus-Dach pro Jahr erzeugen lässt. 93 Prozent aller Befragten unterschätzten die Möglichkeiten. Der Beliebtheit von Photovoltaik schadet das jedoch keineswegs.

Solartechnik-Ausbau schreitet weiter voran

Aktuell beziffert sich die installierte PV-Leistung in Deutschland nach Daten der Bundesnetzagentur bereits auf über 88 Gigawatt (GW). Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 215 GW an solarer Kraftwerksleistung bereitstehen. Das würde ungefähr genügen, um 25 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland zu decken. Die Windkraft bliebe somit zwar weiterhin der größte Lieferant an erneuerbaren Energien in Deutschland, Solarstrom wäre dann jedoch eine weitere Stütze im deutschen Strommix. Zum ersten Halbjahr 2024 hatte Deutschland bereits 42 Prozent des Ausbauziels für Solarstrom erreicht. Damit das komplette Ziel bis 2030 erreicht werden kann, muss dennoch ein ordentlicher Zubau erfolgen. Insbesondere muss Deutschland die gewünschten Ziele in den Freiflächenanlagen aufholen. Dieses Teilsegment hat erst 32 Prozent des gesetzten Werts für 2030 erreicht. Besser sieht es hingegen für PV im Gewerbesegment (47 Prozent) sowie PV im Eigenheimsegment (53 Prozent) aus. Vornehmlich Eigenheimbesitzer treiben den Ausbau bisher somit erfolgreich voran.

70 m² PV-Anlage genügt, um gesamten Strombedarf zu decken

Der gesamte Bedarf eines vierköpfigen Haushalts ließe sich mit einer 70 m² großen PV-Anlage decken. Dabei wären bereits eine Fahrleistung von 20.000 Kilometer für ein E-Auto sowie der komplette Strombedarf einer Wärmepumpe berücksichtigt. In der Umfrage erkannten nur sieben Prozent der Umfrageteilnehmer, dass dies mit einer PV-Anlage auf einem Einfamilienhaus möglich ist. 31 Prozent gingen davon aus, der Haushaltsstrombedarf eines 2-Personenhaushalts wäre abgedeckt. 17 Prozent vermuteten den Bedarf eines 3-Personenhaushalts gesichert und 11 Prozent schätzten den eines 4-Personenhaushalts als erreicht ein. Mit einer Mehrheit von 35 Prozent der Befragten wurde die Auswahloption „Weiß nicht/keine Angabe“ am häufigsten ausgewählt. Angesichts der unterschätzten Potenziale von Solartechnik mutet es überraschend an, dass ausgerechnet das Segment der PV-Anlagen im Eigenheim den größten Anteil des gesteckten Ziels erreicht hat.

Der Grund dafür könnte jedoch simpel sein. Selbst wenn Interessenten nicht mit Sicherheit sagen können, wie viele Stromkosten sie genau mit einer PV-Anlage einsparen, so wissen sie doch, dass sich damit Strom einsparen lässt. Nicht unerheblich dürfte auch der große Zubau an Balkonkraftwerken gewesen sein. Seit der Energiekrise erfreuen sich die Mini-PV-Anlagen dank der geringen Investitionskosten einer großen Beliebtheit. Häufig genügen bereits wenige Jahre, um die Anschaffungskosten auszugleichen. Die Module selbst können jedoch mühelos 20 bis 30 Jahre weiterhin Strom für den Haushalt erzeugen. Mit etwas Glück lassen sich sogar in einigen Bundesländern Fördergelder für Balkonkraftwerke sichern. Eine größere Ersparnis ist mit PV-Dachanlagen möglich, doch nicht jeder kann sich eine so hohe Investition ohne Weiteres leisten.  

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1 KOMMENTAR

  1. Nutzerbild Karsten Frei

    Die Menschen leben halt in heute und jetzt und lassen sich ungrrn mit Märchen über Morgen futtern.
    Ohne Speicheranlage ist eine Photovoltaikanlage sunnlos. Es lässt sich kein Auto in der Nacht mit Solarstrom laden.
    Und mit 400 Watt auf dem Balkon kann man noch weniger anfangen.
    Was in der Theorie schön klingt, ist in der Realität zu 90% nicht umsetzbar.
    Und das ist auch gut so, die Verbraucher lassen sich nicht von Ideologie blenden.
    DDR Zeiten sind längst vorbei.

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