Auf den ersten Blick wirkt es absolut logisch: Nachts schaltet man die Heizung ab, schon spart man Geld. Richtig? Leider ist die Sachlage etwas komplizierter als das. Oftmals empfehlen Experten, die Temperatur nur leicht abzusenken, anstatt den Heizkörper komplett abzuschalten. Manchmal ist jedoch auch das der falsche Weg und die größte Geldersparnis ergibt sich, wenn man die Heizung tatsächlich auch nachts einfach laufen lässt. Und dann ist da noch das Schimmel-Risiko – doch alles der Reihe nach.
Nachtabsenkung – Wie viel kann man einsparen?
Nach Angaben der Verbraucherzentrale hat eine Nachtabsenkung in Einfamilienhäusern das Potenzial, 5 bis 12 Prozent Heizenergie einzusparen. Im Mehrfamilienhaus sollen es 2 bis 6 Prozent sein. Wie hoch das Einsparpotenzial wirklich ist, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab. Bei Altbauten mit einer schlechten Dämmung ist das Einsparpotenzial am höchsten. Denn hier ist die Wärmeabgabe an die Umgebung besonders groß. Im Mittel geht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) bei einem Absenken der Raumtemperatur um 1 °C von stolzen 6 Prozent Energieersparnis aus.
Das Einsparpotenzial ist also durchaus beachtlich, allerdings nicht für jedermann. Neben dem Grad der Dämmung hängt der Nutzen einer Nachtabsenkung auch von der Heizungsart ab. Wer mit Gas oder Öl heizt, ist gut beraten, die Heizung nachts herunterzudrehen. Klassische Gas- und Ölheizungen sind nämlich ziemlich flexibel und können die gewünschte Tagestemperatur am Morgen relativ zügig erreichen.
Wärmepumpen und Fußbodenheizungen gelten dagegen als träge und sind eher auf eine konstante Temperatur ausgelegt. Einerseits, weil die gewünschte Temperatur anschließend nur langsam erreicht wird und der Wohnkomfort darunter leidet. Andererseits, weil eine Nachtabsenkung bei Wärmepumpen und der Fußbodenheizung meistens kaum bis keine Energieersparnis bringt – und die Heizkosten stattdessen sogar anheben kann.
Warum nicht einfach abschalten?
Eine Nachtabsenkung ist nicht dasselbe wie das Abschalten einer Heizung. Hier wird das Thermostat bewusst nur heruntergeregelt. Wird eine bestimmte Mindesttemperatur erreicht, springt der Heizkörper von selbst wieder an. Das liegt zunächst daran, dass bei einer zu hohen Absenkung das anschließende Aufwärmen des Raumes auf Tagestemperatur viel Energie benötigen könnte – und die potenzielle Ersparnis geht flöten. Andererseits steigt mit einer niedrigen Temperatur jedoch auch das Risiko von Schimmelbildung.
Grundsätzlich empfehlen Experten eine Absenkung der Innenraumlufttemperatur um 3 bis 5 Grad. Das Umweltbundesamt (UBA) wird etwas konkreter und spricht von einem teilweise „massiven“ Risikoanstieg für Schimmelbildung bei Temperaturen unterhalb der 16 bis 18 °C. Denn dann kühlen Wände, Decken sowie Luft stark aus, die relative Luftfeuchte wächst und die Gefahr für Feuchtekondensation entlang kühler Oberflächen steigt.
Einen weiteren Grund dafür, die Heizung nachts nicht komplett abzuschalten, liefert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach gehen Mediziner von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit aus, sollte die Temperatur dauerhaft unter 18 °C liegen.

Thermostat richtig einstellen
Bei einer Zentralheizung stellen Vermieter oftmals eine Nachtabsenkung ein. Vorgesehen ist eine Mindesttemperatur von 18 Grad in allen Räumen (zwischen 23 und 6 Uhr). Mieter können derweil direkt am Heizkörperthermostat absenken – entweder manuell oder programmierbar. Wobei programmierbare Thermostate im Schnitt etwa 10 Prozent der Heizkosten einsparen sollen.
-> Direkt zum smarten Heizkörperthermostat von Bosch springen (Amazon)
Bei manuellen Thermostaten entspricht die Stufe 3 in etwa 20 Grad und die Stufe 2 ungefähr 16 Grad. Optimal wäre es daher, das Thermostat nachts auf Stufe 2,5 einzustellen. Bei einer eigenen Therme in der Wohnung können Bewohner die nächtliche Wunschtemperatur derweil meist über ein Zeitprogramm regulieren.
Unterm Strich ist eine Nachtabsenkung bei Gas- und Ölheizungen das Mittel der Wahl. Damit lässt sich ordentlich Heizenergie und folglich auch ordentlich Geld einsparen. Und das nicht nur nachts. Wer tagsüber außerhalb seines Wohnraums arbeitet, kann die Temperatur auch am Tag absenken und bei den Energiekosten sparen. Wichtig ist nur, die Zieltemperatur nicht deutlich unter 18 Grad einzustellen.

