LTE & 5G: O2-Chef wünscht sich Ausbau-Erlaubnis vor finaler Genehmigung

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Für Markus Haas, Chef von Telefónica Deutschland, brechen aufregende Zeiten an. “Das nächste Jahrzehnt wird das Jahrzehnt des Mobilfunks - gerade in Deutschland”, ist der Mobilfunk-Manager überzeugt. Doch eines ist für ihn auch klar: Nachhaltiges Wachstum im Mobilfunk ist nur möglich, wenn alle zusammenspielen. Mobilfunker, Politik und Bürger. Ein Schulterschluss sei notwendig, um mit LTE und 5G den Breitband-Rückstand zu anderen Ländern aufholen zu können.
Telefonica Deutschland Chef Markus Haas
Bildquelle: Telefonica Deutschland

Für Haas, der schon seit vielen Jahren die Mobilfunk-Szene in Deutschland begleitet, steht fest, dass der Mobilfunk in Deutschland vor allem aufgrund des schleppenden Glasfaserausbaus in Deutschland eine große Zukunft hat. Bis 2025 sei hierzulande nach verschiedenen Studien eine Glasfaser-Penetration von 8 bis 10 Prozent zu erwarten. “Im Vergleich mit anderen Märkten, ist das nicht relevant”, sagte Haas am Montag gegenüber ausgewählten Journalisten in Berlin. Der Fortschritt suche sich aber wie das Wasser seinen Weg. “Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass dieser Fortschritt im Mobilfunk stattfinden wird”, so Haas.

Mobilfunk-Boom in Deutschland kommt erst noch

Für den O2-Chef lässt sich der Mobilfunk-Boom überhaupt nicht vermeiden, da es zu einer Explosion der Anzahl der Endgeräte und der Datenverkehre kommen werde. Nicht nur im Privatkunden-Segment, sondern auch in der Industrie. Denn dort suche man schon jetzt intensiv nach Partnern, um eigene Campus-Netze für eine zuverlässige Mobilfunkversorgung zu bauen. Auf einen langfristigen Glasfaserausbau werde an vielen Industrie-Standorten nicht gewartet. Schon allein, um weltweit die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sei das in vielen Unternehmen gar nicht möglich.

Und noch ein weiterer Aspekt ist Haas wichtig. “Wir werden unsere Klimaziele nur erreichen, wenn wir eine hervorragende Mobilfunk-Infrastruktur haben.” Denn egal ob in der E-Mobilität, in der Produktion oder anderen innovativen Bereichen, “der Mobilfunk wird immer eine ganz zentrale Rolle haben.”

Telefónica will ins eigene Netz investieren

Deswegen stehe in den kommenden Jahren für Telefónica im Fokus, viel Geld in das eigene Netz zu stecken. Und dabei stehe das Mobilfunknetz an erster Stelle. Details dazu wollte Haas aber noch nicht verraten. Erst am 11. Dezember will Telefónica umfangreiche Informationen zum Netzausbau im kommenden Jahrzehnt verraten. Im Telefónica-Konzern sei Deutschland aber in jedem Fall eines der wichtigsten Länder neben Spanien und Brasilien.

Mit Blick auf den LTE-Ausbau in Deutschland steht schon fest, dass Telefónica bis 2022 etwa 35.000 Basisstationen mit LTE-Technik ausstatten will. Stand heute sind es 15.000. Nach und nach werde man in Zukunft an LTE-Standorten auch 5G bereitstellen. “Wir schauen gerade noch, wie und wo wir die uns zur Verfügung stehenden Frequenzen nutzen wollen”, so Haas.

Dabei setze man auch auf Kooperationen mit anderen Netzbetreibern – gerade im ländlichen Raum. Denn circa 30 Prozent der Fläche in Deutschland stehen auch heute noch komplett ohne Mobilfunk-Versorgung da. Etwa in Wäldern, Bergen oder auch zwischen einzelnen Gemeinden auf dem Land. “Da gibt es noch viel Potenzial und da müssen wir kooperieren”, stellt Haas fest.

Mobilfunk-Ausbau mit Hürden

Eines der größten Probleme könnte beim Ausbau der Zukunft sein, dass es ein sehr bürokratischer Akt ist, neue Mobilfunk-Standorte zu errichten. Zwar habe in den vergangenen Jahren die Akzeptanz für Mobilfunk in Deutschland stark zugenommen, doch es dauere noch immer zu lange, ehe neue Mobilfunk-Standorte in Betrieb gehen können, kritisiert Haas.

Im Schnitt vergehen nach Angaben des O2-Managers von der Idee, einen neuen Mobilfunk-Standort zu bauen, bis zu jenem Zeitpunkt, an dem der Standort ans Netz geht, 18 Monate. Viel zu lang, findet Haas und verweist auf andere Länder, wo ein solches Genehmigungsverfahren in vier Monaten abgeschlossen sei oder wie in China einfach gebaut werde. Selbst in Spanien können man Mobilfunk-Standorte ohne Genehmigung aufbauen und müsse erst reagieren, wenn im Nachgang im Rahmen einer Überprüfung tatsächlich Probleme offensichtlich werden.

“Das Verfahren, das wir uns in Deutschland gönnen, ist sehr aufwändig. Wir würden uns deutliche Vereinfachungen wünschen, weil der so wichtige Netzausbau dann einfach sehr viel schneller ginge”, ist Haas überzeugt. Die 16 Länder-Bauordnungen und das Bundesbaurecht machen viele Dinge hingegen sehr kompliziert. “Wenn Mobilfunk-Ausbau in Deutschland mit Priorität 1 verfolgt wird, dann kann man auch politisch sicher noch mehr tun”, ist der Telefónica-Chef überzeugt.

Idee: Erst bauen, dann genehmigen – oder wieder abbauen

Eine zumindest vorübergehende Beweislastumkehr könne dafür sorgen, dass der aktuelle Auftragsstau in der Hochinvestitionsphase im Rahmen des 5G-Ausbaus beseitigt werde. Schließlich sei den Mobilfunkern klar, wie man einen Antennen-Standort aufbaue und welche Regeln zu beachten seien. „Mehr als 99 Prozent unser beantragten Standorte werden auch genehmigt“, stellt Haas fest und verweist auf standardisierte Türme und Stahlträger. Wenn die Bauämter jetzt mit zusätzlichen Anträgen geflutet werden, sei eine Abarbeitung nach Dienstanweisung schwierig und schädlich für den Mobilfunk-Standort Deutschland, glaubt Haas.

Und noch ein weiteres Problem hat Haas identifiziert: Populistische Strömungen, die Ängste rund um 5G und den Mobilfunk im Allgemeinen schüren. Es werde intensiv geforscht, auch durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand heute seien aber keine echten Gefahren bekannt, die von Mobilfunk ausgehen. Es sei daher wichtig, weiter offen und transparent zu arbeiten. Und zwar miteinander. Denn voran komme man nur gemeinsam.

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