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GEZ abgeschafft: So geht es jetzt weiter

4 Minuten
Jahrelang wurde gegen sie gewettert und geklagt. Jetzt ist die GEZ Geschichte, heißt es. Für die einen ist das der schönste Tag seit Jahren, für die anderen der Anfang vom Ende. Was danach kommt, dürfte ihren Gegnern ebenso wenig gefallen wie ihren Verteidigern.
GEZ abgeschafft! Und jetzt?
GEZ abgeschafft: So geht es jetzt weiterBildquelle: Santiago Avila Caro / Unsplash | GEZ

Die GEZ ist tot. Sie starb am 1. Januar 2013, ohne Trauerfeier und ohne Nachruf. Und so gut wie niemand hat es mitbekommen. Seitdem heißt sie ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice, verschickt die gleichen Briefe in den gleichen Umschlägen und wird trotzdem hartnäckig mit dem Namen ihrer Vorgängerin verflucht. So viel Nachruhm hat in der Bundesrepublik kein Politiker geschafft. Aber gut. Wer „GEZ abschaffen“ ruft, meint nicht die Behörde.

Er meint die 18,36 Euro, die Monat für Monat vom Konto verschwinden, egal ob im Haushalt jemand die Tagesschau guckt oder ob dort gar kein Fernsehapparat rumsteht. Während Karlsruhe über die 58 Cent streitet, die den Sendern seit 2025 fehlen, und für 2027 bereits eine weitere Erhöhung im Raum steht, spielen wir das Gegenteil durch: Die Länder kündigen die Staatsverträge, der Rundfunkbeitrag ist Geschichte. Juristisch ist das ungefähr so wahrscheinlich wie ein pünktlicher Regionalexpress zwischen Köln und Düsseldorf. Egal. Heute darf geträumt werden.

Tschüss GEZ: Was passiert danach?

Tag eins gehört den Siegern. In Telegram-Gruppen kursieren Screenshots gekündigter Daueraufträge wie Jagdtrophäen. Jemand rahmt seinen letzten Festsetzungsbescheid ein und hängt ihn neben das Hochzeitsfoto. Milliarden bleiben plötzlich nicht mehr beim Rundfunk, sondern bei den Bürgern. Jeder weiß schon, was er mit seinem Anteil macht.

-> ARD, ZDF und GEZ: Muss der Rundfunkbeitrag weg?

Nach vier Wochen kommt der Kassensturz. Die 18,36 Euro sind nicht weg, sie haben nur den Besitzer gewechselt. Ein Streamingdienst für Serien, einer für Fußball, einer, weil die Kinder sonst meutern. Das Länderspiel läuft jetzt dort, wo es am meisten Geld einbringt, und das war noch nie das Wohnzimmer des Zuschauers. Wer gratis fernsehen will, darf das weiterhin. Bei den Privaten. Die Hauptnachrichten dauern sieben Minuten, zwei davon Wetter, präsentiert von einem Baumarkt. Die Freiheit, für die jahrelang Petitionen unterschrieben wurden, besteht im Wesentlichen darin, sich den Werbeblock aussuchen zu dürfen.

Tatort: Abendprogramm

Auf der anderen Seite des Grabens ist die Stimmung nicht besser, nur peinlicher. Jahrelang hieß es, ohne Rundfunkbeitrag sterbe die Demokratie. Tatsächlich stirbt zuerst das Vorabendprogramm. Die Kommissarin aus dem Spreewald und ihre zwei Dutzend Kollegen aus anderen Landkreisen verschwinden, das „Traumschiff“ legt ein letztes Mal ab und die Nation zuckt mit den Schultern. Die Talkshows mit den immer gleichen sechs Gästen fehlen vor allem den sechs Gästen.

Und die Reformen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohnehin kleiner machen sollten, erledigen sich gleich mit. Wo nichts mehr ist, gibt es auch nichts doppelt. Die Intendanten, deren Gehälter jahrelang zuverlässig Empörung produziert haben, wechseln in Beraterverträge. Sie fallen weich. Das ist die einzige Konstante in dieser Geschichte.

Werbung für Bratpfannen statt Nachrichten

Bleiben die Privatsender, die sich so lange über den beitragsfinanzierten Wettbewerber beschwert haben. Sie sind ihn los und stellen am offenen Grab fest, dass sie selbst seit Jahren nur noch flach atmen. Das Werbegeld, auf das sie gehofft haben, fließt längst zu Google und Meta. Eigene Recherche zu bezahlen, rechnet sich ohne ARD genauso wenig wie mit ihr. Der verhasste Rivale ist weg. Das Geld leider auch.

→ GEZ-Gebühren: So viele Deutsche zahlen nicht

Der eigentliche Kater kommt nicht am Morgen danach. Er kommt schleichend, und zwar dort, wo keine Kameras mehr stehen. Die Landesrundfunkanstalten hatten Reporter in Landtagen und Kreisstädten sitzen, an Orten, an denen ein Privatverlag mit Taschenrechner und Gewinnziel meistens wieder umdreht. Diese Stühle bleiben jetzt leer. Wer im Stadtrat über das neue Gewerbegebiet abstimmt, tut das ohne Publikum.

Beim nächsten Hochwasser läuft auf dem Sendeplatz des alten Landessenders Teleshopping für Bratpfannen. Und vor der nächsten Landtagswahl füllt sich die Stille mit dem, was gerade am lautesten ist: einem Video im Hochformat oder einer Sprachnachricht, die jemand von jemandem weitergeleitet bekommen hat.

Beschweren wird sich darüber kaum jemand. Wer nicht erfährt, was ihm fehlt, vermisst es nicht. Das ist das wirklich Düstere an diesem Szenario: Es passiert so leise wie 2013. Nur verschwindet diesmal mehr als ein Name.

Mitreden

2 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Patrick

    Grundsätzlich hätte ich kein Problem mit einem angemessenen Rundfunkbeitrag, wenn sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk stärker auf das konzentrieren würde, wofür er ursprünglich gedacht ist: unabhängige Information, Nachrichten, Bildung, Kultur und vor allem eine sachliche und möglichst unparteiische Berichterstattung.

    Und genau bei diesem Punkt habe ich inzwischen erhebliche Zweifel.

    Was ich beispielsweise bei der Berichterstattung nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erlebt habe, hat mein Vertrauen nicht gerade gestärkt. Wenn ein Wahlsieger im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Faktenchecks konfrontiert wird und dabei für mich der Eindruck entsteht, dass Aussagen oder die Person von der Moderation belächelt werden, halte ich das für völlig unangebracht.

    Dabei spielt für mich überhaupt keine Rolle, welche Partei gewonnen hat. Journalisten müssen kritisch nachfragen und falsche Aussagen richtigstellen – selbstverständlich. Aber dann bitte konsequent, sachlich und nach denselben Maßstäben bei allen Parteien.

    Falsche, übertriebene oder irreführende Aussagen gibt es quer durch das gesamte politische Spektrum. Gerade deshalb darf ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht den Eindruck vermitteln, bei einer Partei besonders belehrend oder herablassend aufzutreten, während bei anderen mit einem anderen Maß gemessen wird.

    Ich muss eine Partei nicht mögen, um zu akzeptieren, dass ihr Wahlergebnis das Ergebnis einer demokratischen Wahl ist. Berichterstattung sollte dieses Ergebnis weder feiern noch verächtlich machen, sondern sachlich darüber informieren, einordnen und kritisch hinterfragen. Genau dafür erwarte ich von einem beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk journalistische Professionalität.

    Was ich zusätzlich zunehmend kritisch sehe, ist der Umfang, in dem mit Beitragsgeldern Serien, Filme, Unterhaltungsshows und andere Produktionen finanziert werden. Gerade bei fiktionalen Formaten habe ich häufig das Gefühl, dass gesellschaftliche Botschaften und möglichst demonstrativ vielfältige Figurenkonstellationen wichtiger geworden sind als eine glaubwürdige Geschichte und gute Unterhaltung.

    Vielfalt an sich stört mich dabei überhaupt nicht. Mich stört es, wenn sie aufgesetzt wirkt und man den Eindruck bekommt, bestimmte Merkmale würden nach einer Checkliste eingebaut. Menschen mit Behinderung, Schwule, Lesben, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe oder Herkunft gehören selbstverständlich zur Gesellschaft und damit auch ins Fernsehen. Aber gute Figuren sollten für mich in erster Linie glaubwürdig geschrieben sein und nicht das Gefühl vermitteln, lediglich eine Quote oder politische Botschaft erfüllen zu müssen.

    Dazu kommt, dass viele deutsche Fernsehproduktionen für meinen Geschmack trotz erheblicher Budgets immer noch künstlich wirken und teilweise eher an Laientheater erinnern. Für solche Inhalte möchte ich persönlich nicht zwangsweise mitbezahlen müssen.

    Und dann ist da noch die Zahlungsweise: Überall ist von „18,36 Euro im Monat“ die Rede. Tatsächlich kann man diesen Betrag aber nicht einfach ganz normal monatlich bezahlen. Beim regulären Zahlungsrhythmus werden 55,08 Euro für einen Dreimonatszeitraum auf einmal fällig.

    Ich bekomme meinen Lohn monatlich und nicht quartalsweise. Warum kann ich dann einen Beitrag, der überall mit einem monatlichen Betrag beworben und angegeben wird, nicht auch einfach monatlich bezahlen?

    Wenn öffentlich-rechtlicher Rundfunk verpflichtend von allen finanziert wird, dann stelle ich daran auch besonders hohe Anforderungen: transparente Verwendung der Gelder, journalistische Distanz, gleiche Maßstäbe gegenüber allen politischen Parteien und eine Zahlungsweise, die sich an der Lebensrealität der Beitragszahler orientiert.

    Für unabhängige Nachrichten, Bildung und sachliche Berichterstattung wäre ich durchaus bereit, einen angemessenen Beitrag zu zahlen. Für das heutige Gesamtpaket in dieser Form bin ich es nicht.

  2. Nutzerbild silvio

    richtig so. brauch kein mensch mehr unter 70 jahren. gern noch solidaritätsbeitrag von 3 euro im monat, für die die die propaganda noch schauen wollen, aber prinzipiell ist das öffentliche nicht mehr der heutigen zeit entsprechend. tschüsssiiiii. und nein. ich werd es nicht vermissen. und ja. für das geld kann ich mir endlich mal wieder unterwäsche selbst kaufen und muss nichts anziehen, was andere nicht mehr tragen wollen.

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