FritzOS 8.50: Dieses neue FritzBox-Feature hat nicht nur Vorteile

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Mit FritzOS 8.50 blockt die FritzBox auf Wunsch Werbung und Tracker im ganzen Heimnetz. Im Test klappt das erstaunlich gut. Doch plötzlich waren auch einige Nachrichtenseiten nicht mehr erreichbar. Und zwar für alle im Haushalt.
FRITZ!Box 7690
Dieses neue FritzBox-Feature hat nicht nur VorteileBildquelle: Fritz!

Werbebanner weg. Tracker weg. Und das auf jedem Gerät im Heimnetz, ohne dass du irgendwo einen Adblocker installieren musst. Das verspricht der neue DNS-Filter, den FRITZ! mit FritzOS 8.50 in seine Router einbaut. Ich habe ihn ausprobiert. Er hält vieles von dem, was er verspricht. Er sorgt aber auch für Probleme, an die beim Einrichten kaum jemand denkt.

So funktioniert der DNS-Filter der FritzBox

Rufst du eine Webseite auf, fragt dein Gerät zuerst einen DNS-Server, unter welcher IP-Adresse die Domain zu finden ist. DNS ist so etwas wie das Telefonbuch des Internets. In den meisten Heimnetzen übernimmt die FritzBox diese Aufgabe. Genau hier setzt der Filter an: Steht eine Domain auf einer Sperrliste, liefert die FritzBox keine Adresse aus. Was von dort kommen sollte, wird nicht geladen.

Die Sperrlisten bringt FRITZ! nicht mit. Du bindest sie selbst per URL ein, unter Heimnetz > Netzwerk > Netzwerkeinstellungen > Erweiterte Netzwerkeinstellungen ändern > DNS-Filter. Unterstützt werden laut FRITZ! die Formate Adblock, Hosts und Wildcard-Domains. Auf seiner Hilfeseite nennt der Hersteller drei Beispiele: OISD, HaGeZi Pro und Steven Black Hosts. Die Listen aktualisiert die FritzBox danach selbstständig.

FRITZ! verteilt FritzOS 8.50 seit Ende September. Den Anfang macht die FritzBox 7690. Weitere Modelle sollen den DNS-Filter laut Hersteller in den kommenden Wochen schrittweise bekommen – wenngleich offenbar nicht jedes Modell, das FritzOS 8.50 bekommt, auch den DNS-Filter erhält. Die neue FritzBox DSL/Fiber 7-90 hat ihn bereits ab Werk an Bord.

Im Test: Banner weg, YouTube-Werbung bleibt

Getestet habe ich den DNS-Filter auf der neuen FritzBox DSL/Fiber 7-90. Die gibt es bislang nur bei 1&1, wo sie als HomeServer Pro zu DSL- und Glasfaseranschlüssen aktuell kostenlos angeboten wird. Im Handel soll sie ab Anfang 2027 für 429 Euro zu haben sein. Darauf läuft FritzOS 8.47, das für dieses Modell dem Stand von FritzOS 8.50 entspricht. Als Filterliste habe ich OISD in der großen Variante „big“ eingebunden. Sie gehört zu den drei Beispielen, die FRITZ! selbst nennt, und umfasst rund 237.000 Domains. Gesperrt werden laut FRITZ! Werbung, Tracking, Phishing und Schadsoftware.

Zuerst die gute Nachricht. Klassische Werbebanner auf Webseiten verschwinden zuverlässig. Die Seiten wirken danach deutlich aufgeräumter. Stolze 9 Prozent meiner DNS-Anfragen hat das Feature innerhalb von fünf Tagen unterdrückt.

Dann die schlechte. YouTube-Werbung läuft weiter. Das ist kein Fehler, sondern Prinzip: Bei YouTube kommen Video und Werbung von derselben Domain. Sperrt der Filter die Werbung, ist auch das Video weg. FRITZ! weist auf seiner Hilfeseite selbst darauf hin. Wer gehofft hat, die Werbespots auf dem Smart-TV loszuwerden, hat Pech.

Außerdem wirkt der Filter nur auf Geräte, die die FritzBox auch als DNS-Server nutzen. Hat jemand an seinem Rechner oder im Browser einen anderen DNS-Dienst eingetragen, läuft die Anfrage an der FritzBox vorbei.

Plötzlich gesperrt: Wenn Webseiten den Filter erkennen

Spannend wird es an anderer Stelle. Nach dem Aktivieren wollte ich ganz normal surfen. Bild: gesperrt. B.Z.: gesperrt. Dazu das eine oder andere Technikmagazin. Statt des Artikels erschien jeweils ein Hinweis, ich möge bitte meinen Adblocker ausschalten.

Der Grund: Viele Seiten prüfen, ob ihre Werbeskripte tatsächlich geladen werden. Fehlt etwas, gehen sie von einem Werbeblocker aus. Ob der im Browser steckt oder im Router, spielt für sie keine Rolle. Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass ich als Tester ausgesperrt werde. Ich wusste ja, was ich eingestellt habe.

Es ist die Frage, wer noch ausgesperrt wird. Der Filter gilt für jedes Gerät im Netz. Wer die FritzBox verwaltet, entscheidet damit für alle. Auch für den Partner im Homeoffice, der für seine Arbeit vielleicht genau auf diese Seiten angewiesen ist, die nun nicht mehr erscheinen. Er steht dann vor einer Sperrseite, die ihn auffordert, einen Adblocker abzuschalten, von dem er nichts weiß. Und der Admin weiß womöglich gar nicht, welche Seiten die anderen im Haushalt überhaupt nutzen und ob sie künftig noch funktionieren.

Zwar kannst du in der FritzBox Ausnahmen eintragen. Erlaubte Domains haben laut FRITZ! Vorrang vor den Filterlisten. Nur hilft eine Ausnahme für die Nachrichtenseite selbst nicht weiter. Gesperrt ist ja nicht bild.de, sondern die Domains der Werbedienstleister. Gibst du die frei, ist die Werbung auch auf allen anderen Seiten zurück, die dieselben Dienste nutzen. Hinzu kommt: Welche Domain eine Seite zum Laufen braucht, zeigt dir die FritzBox nicht an. Ein Protokoll der blockierten Anfragen gibt es nicht. Nur die Anzahl der Blockierungen. Bleibt nur Ausprobieren.

Wer bezahlt eigentlich das, was du liest?

Zugegeben: Werbung nervt mitunter. Tracker sind ein echtes Datenschutzproblem. Und manche Seite überzieht es mit Pop-ups und Videos, die von allein starten, so sehr, dass man jeden verstehen kann, der da zum Blocker greift.

Doch irgendwer muss die Inhalte bezahlen. Journalismus, der kostenlos im Netz steht, ist in der Herstellung nicht kostenlos. Auch dieser Test ist Arbeit: Ich verdiene damit mein Geld. Mein Chef bezahlt mich für die Erstellung dieses Inhaltes, den du gerade liest. Das Geld dafür verdient die Firma zum großen Teil mit Werbung. Das gilt für uns bei inside digital, wo du diesen Artikel gerade kostenlos liest, genauso wie für Bild und andere Webseiten. Fällt die Werbung weg, kippt das Finanzierungsmodell. Übrig bleiben dann Bezahlschranken oder weniger Inhalte.

Ist der DNS-Filter deshalb schlecht? Nein. Als Schutz vor Phishing- und Schadsoftware-Domains ist er ein echter Gewinn, und gegen die Datensammelei mancher Smart-TVs gibt es kaum ein einfacheres Mittel. Aber er ist ein grobes Werkzeug. Ein Werbeblocker im Browser lässt sich für einzelne Seiten abschalten, die du unterstützen willst. Der DNS-Filter kennt nur an oder aus. Für alle. Wer ihn einschaltet, sollte deshalb zumindest den anderen im Haushalt Bescheid sagen. Und sich fragen, ob er wirklich jede Seite treffen will, die er selbst gern liest. Ich zumindest habe das Feature bei mir wieder deaktiviert. Mit den vorgefertigten Listen war es für mich nicht sinnvoll nutzbar.

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