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Deutschlandticket light: Warum das Deutschlandticket bald günstiger werden könnte

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Bus und Bahn fahren, per App abrechnen und im Monat nie mehr zahlen als für das Deutschlandticket: Das wollen NRW und Hamburg bundesweit möglich machen. Doch bevor die Verkehrsminister überhaupt darüber reden, kommt schon das erste Nein. Ausgerechnet vom Vorsitzenden.
Ein Regionalexpress mit der Anzeige
Kommt das Deutschlandticket light?Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont

Kein Abo. Keine Tarifzonen. Kein Rätseln am Automaten. Du checkst per Smartphone ein, fährst los und checkst am Ziel wieder aus. Abgerechnet wird automatisch, und mehr als den Preis des Deutschlandtickets zahlst du im Monat nie. Das ist, grob gesagt, die Idee hinter dem, was gerade als „Deutschlandticket light“ durch die Medien geht.

Vorschlag aus NRW und Hamburg

Eingebracht haben den Vorschlag Nordrhein-Westfalen und Hamburg, genauer deren Verkehrsminister bzw. -Senatoren Oliver Krischer und Anjes Tjarks (beide Grüne). In der Beschlussvorlage für die Verkehrsministerkonferenz, aus der die Rheinische Post und ZDFheute zitieren, ist von einem Angebot „für Gelegenheitsnutzende mit deutschlandweiter räumlicher Geltung analog zum Deutschlandticket“ die Rede. Die Länderminister tagen am heutigen Mittwoch und am Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau.

„Wer nur gelegentlich Bus und Bahn fährt, muss genauso unkompliziert und zu fairen Konditionen unterwegs sein können wie die Vielfahrer mit dem Deutschlandticket“, sagte Krischer der Rheinischen Post.

Ein Ticket ist das noch lange nicht

Klingt nach einem fertigen Produkt. Ist es aber nicht. Der Antrag sieht zunächst nur vor, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Die soll ein Konzept erstellen, die konkrete Ausgestaltung soll NRW erarbeiten. Einen Preis gibt es nicht. Einen Starttermin auch nicht. Und „Deutschlandticket light“ ist ein Etikett aus der Berichterstattung, kein Produktname.

So funktioniert das Vorbild eezy.nrw

Wie das aussehen könnte, zeigt NRW seit Ende 2021 mit eezy.nrw. Der Tarif rechnet nach Luftlinie ab, also nach der direkten Entfernung zwischen Start- und Zielhaltestelle, egal welchen Umweg Bus oder Bahn tatsächlich fahren. Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zahlst du pro Fahrt 1,73 Euro Grundpreis plus 29 Cent je angefangenem Luftlinienkilometer. Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) sind es 1,77 Euro plus 25 Cent. Dazu kommen Deckel. Seit Januar 2026 gilt landesweit eine Preisgarantie: Ist eezy teurer als das passende Einzelticket, zahlst du nur den Preis des Einzeltickets. Innerhalb von 24 Stunden werden NRW-weit höchstens 35,20 Euro fällig, im Monat maximal 63 Euro. Zum Vergleich: Das ist exakt der aktuelle Preis des Deutschlandtickets, das ab Januar 66,80 Euro kostet.

Einen Haken gibt es aber: Kostenlos werden die weiteren Fahrten nach Erreichen des Monatsdeckels nur in der App, mit der du fährst. Wer zwischen Apps wechselt, sammelt getrennt. Bundesweit, mit Dutzenden Verbund-Apps, wäre das ein echtes Problem.

Bayern sagt schon vorab Nein

Der Gegenwind kam prompt. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte laut dpa: „Uns fehlt an allen Ecken und Enden Geld.“ Das Deutschlandticket sei gesichert, damit gebe es bereits ein sehr gutes Angebot. Er sehe weder die Zustimmung des Bundes noch die notwendige Einstimmigkeit der Länder.

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) winkt ab. Ein solches Angebot verursache Kosten und rüttle an der Logik des Deutschlandtickets, die Branche habe dafür kein Geld. Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will das Thema konstruktiv diskutieren, warnt aber davor, Luftschlösser zu bauen. Bundesweit müsste man sich auf Tarife, Mitnahmeregeln und vor allem Finanzierung und Einnahmeaufteilung einigen. Rückenwind gibt es vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Die heikle Frage: Wo liegt der Deckel?

Der eigentliche Knackpunkt ist die Obergrenze. NRW deckelt exakt auf dem Niveau des Deutschlandtickets. Baden-Württemberg macht es bei seinem Check-in-System CiCoBW anders: Dort liegt die Grenze bei 72 Euro, also neun Euro über dem Deutschlandticket, zunächst als einjähriges Pilotprojekt. Der Gedanke dahinter: Wer fast jeden Tag fährt, soll weiter zum Abo greifen. Genau das ist die Sorge der Branche: Ist der Gelegenheitstarif nie teurer als das Abo, warum dann noch ein Abo abschließen?

Dazu kommt der Smartphone-Zwang. Ohne Handy kein eezy. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat deshalb im September ein anderes Modell vorgeschlagen: einen bundesweiten Tarif aus wenigen Zeitkarten zwischen 15 Minuten und 24 Stunden, digital und analog nutzbar.

Ob die Arbeitsgruppe überhaupt kommt, zeigt sich nach der Konferenz. Und selbst wenn: Bis du bundesweit einfach einchecken und losfahren kannst, dürfte viel Zeit vergehen.

Rückblick: Das ganze gabs schon mal

Neu ist die Idee übrigens nicht. Die Deutsche Bahn hat schon 2008 mit Touch&Travel ein ganz ähnliches System getestet und später bundesweit angeboten. Das Prinzip: Vor der Fahrt hast du dich per App eingecheckt, am Ziel wieder ausgecheckt. Dafür hingen an den Bahnhöfen blaue Touchpoints, die du per NFC mit dem Handy antippen oder deren Barcode du abscannen konntest. Alternativ hat die App deinen Standort per GPS ermittelt. Den Fahrpreis rechnete die Bahn im Hintergrund aus, bezahlt wurde gesammelt am Monatsende. Durchgesetzt hat sich das nie. Ende November 2016 war Schluss, die Bahn bot die Check-in/Check-out-Technik stattdessen den Verkehrsverbünden für deren eigene Apps an. Die blauen Schilder hängen an manchen Bahnhöfen trotzdem bis heute. Auch in der U-Bahn, wo das System ebenso nutzbar war. Nur einen Kostendeckel gab es – entgegen den ursprünglichen Plänen – nicht.

Ein Deutschlandticket für Gelegenheitsnutzer, das wäre die Lösung, um noch mehr Leute weg vom Auto und hin zum ÖPNV zu bekommen. Wer in seiner Heimatstadt immer mit dem Rad unterwegs ist, braucht kein Deutschlandticket, wenn er mal ne Woche Urlaub hat und durch Deutschland unterwegs ist. Wer nur bei schlechtem Wetter in die Bahn steigt auch nicht. Diese Kundschaft könnte man mit einem einfachen Tarifsystem, das deutschlandweit gilt, sicherlich abholen. Doch die Gretchenfrage ist der Deckel. Wenn ich als Gelegenheitsfahrer nicht mehr als das Deutschlandticket im Abo zahlen kann, warum sollte der Vielfahrer dann ein Abo abschließen. Er könnte schließlich sparen, wenn er mal außer der Reihe weniger fährt.

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