Abzocke in Handyshops ist kein neues Phänomen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über fragwürdige Vertragsabschlüsse. Über Katzen, die als Anschlussinhaber gemeldet sind, oder Verstorbene, die einen Vertrag unterschreiben. Das Spiel wiederholt sich. Kunden gehen mit einem Anliegen in den Laden und kommen mit etwas ganz anderem wieder heraus: mehr Kosten, mehr Verträge, mehr Ärger. Damals wie heute lautete das Muster: komplizierte Tarife, schnelle Unterschriften, späteres Schulterzucken. Nun gibt es wieder so einen Fall. Diesmal trifft es einen 80-jährigen Rentner aus München. Erneut ist es O2.
O2: Renter hat plötzlich vier Handynummern
Florian Bielczak ist 80 Jahre alt und wollte eigentlich nur sparen. Sein alter Handyvertrag kostete 38 Euro im Monat, abgeschlossen vor Jahren von seinem Sohn. Ende November 2025 sollte er auslaufen. Bielczak telefoniert viel, nutzt aber kaum mobile Daten. Also ging er in einen O2-Shop in einem Einkaufszentrum und bat dort um einen günstigeren Tarif. Was genau dort besprochen wurde, lässt sich heute nur noch rekonstruieren. Klar ist: Statt eines preiswerteren Vertrags landete wenige Wochen später eine Rechnung über 98 Euro in seinem Briefkasten. Und nicht nur das. Auf der Abrechnung tauchten plötzlich vier Rufnummern auf. Bielczak brauchte genau eine.
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Er ging zurück in den Shop, gemeinsam mit seiner Freundin. Dort habe man ihm gesagt, es handele sich um ein Missverständnis, das werde gutgeschrieben. Bielczak glaubte das. Kurz darauf reiste er für drei Monate nach Polen. Was er nicht wusste: Verträge, die direkt im Laden abgeschlossen werden, lassen sich in der Regel nicht widerrufen wie Online-Verträge. In Polen bemerkte er, dass sein Handy kaum noch funktionierte. Telefonieren konnte er nicht mehr, nur angerufen werden. Als er nach München zurückkam, warteten mehrere Rechnungen und Mahnungen auf ihn – insgesamt 570 Euro. Davon schockiert schrieb der Rentner an den O2-Kundenservice. Die Antwort: Alles sei korrekt. Doch nicht einmal sein Name stimmte.
Handyverträge besser nicht im Shop abschließen
Erst nachdem die Redaktion des Merkur bei O2 nachfragte, kam Bewegung in die Sache. Zunächst verwies der Konzern darauf, dass der Vertrag formal auf den Sohn laufe und dessen Zustimmung nötig sei. Als klar wurde, dass dieser im Ausland lebt und der neue Vertrag ohnehin zweifelhaft zustande gekommen war, lenkte O2 ein. Abgebucht wurden schließlich nur noch 179 Euro – die Summe, die für die Restlaufzeit des alten Vertrags angefallen wäre.
Bielczak hat inzwischen einen neuen, günstigeren Tarif. Abgeschlossen hat er ihn nicht mehr im Shop. Was ohnehin eine gute Idee ist, wie wir in unserem Artikel „Deshalb solltest du einen Handyvertrag nie im Shop abschließen“ zeigen.
Abzocke ist nicht neu
Der Fall zeigt, was Verbraucherschützer seit Jahren kritisieren: Solche Maschen sind kein Einzelfall. Immer wieder geraten vor allem ältere Menschen in Vertragskonstruktionen, die sie weder wollten noch verstanden haben. Aufgeklärt wird oft erst, wenn Medien und Verbraucherzentralen nachfragen. Und bis dahin gilt im Zweifel: Unterschrieben ist unterschrieben.
Und es bleibt kein Einzelfall. Solche Maschen tauchen immer wieder auf, wie etwa zwei aktuelle Berichte (o2 Shop Betrug, Vertragsabschluss mit versteckten Kosten und Betrug: 2. Vertrag hinterlistig untergejubelt) im O2-Forum zeigen.
