Crosscall Trekker-X4 im Härtetest: Robuster Kamerad mit schwachem Fischauge

10 Minuten
Mit dem Trekker-X4 visiert der französische Smartphone-Hersteller Crosscall eine ganz bestimmte Zielgruppe an: Outdoor-Sportler. Damit will man sich vor allem gegenüber anderen Herstellern wie Cat-Phones und den Caterpillar-Geräten abgrenzen, die sich eher an Handwerker und den Einsatz auf Baustellen richten. Doch was macht das Crosscall Trekker-X4 für Extremsportler so interessant? Und welche Funktionen bietet das Outdoor-Smartphone gegenüber einem handelsüblichen Gerät von Samsung, Apple, Huawei und Co.? Ist es nur die Robustheit, aufgrund dieser Stürze dem Handy nichts anhaben können? Der Härtetest zeigt es.
Crosscall Trekker-X4 von vorne mit eingeschaltetem, Display im Schnee

Ob beim Mountainbiken, Surfen oder Skifahren: Das Trekker-X4 ist in erster Linie für Sportler gedacht. Denn: das Smartphone soll Stürze anstandslos aushalten, kommt auch unter Wasser zurecht ohne zu ertrinken und kann mit Zubehör ergänzt werden, mit dem man sich das Trekker-X4 um die Brust, den Arm oder den Fahrradlenker schnallen kann.

Ein Handy wie ein Backstein

Doch selbst wenn man das Smartphone noch gar nicht aus seinem voluminösen Karton befreit hat, beschleicht einen das Gefühl, dass man es mit einem ziegelsteingroßen und ebenso schweren Handy zu tun haben wird. Wie soll das am Fahrradlenker halten, ohne dass man ständig vorne überkippt? Öffnet man die Verpackung, wird schnell klar, warum sie die Ausmaße eines Dudens hat: Es liegt allerhand Zubehör bei. Neben einem stoffumhüllten Datenkabel und einem Quick-Charge-Ladeadapter, der einen Output von 3 A bei 5 V liefert, liegen ein Lanyard, der sogenannte X-Blocker – dazu später mehr – und wasserdichte In-Ear-Kopfhörer mit 3,5-mm-Klinke bei. Diese liefern einen wirklich guten Klang ab, wenn man zuvor aus einem der drei Paar Silikon-Ohrstöpsel jenes auswählt, das am besten abdichtet. Zudem packt Crosscall eine Schnellstartanleitung in 15 Sprachen in den Karton, die alleine schon so schwer ist wie manch anderes Smartphone.

Crosscall Trekker-X4: Das hält es aus

Nimmt man das 250 Gramm schwere Trekker-X4 in die Hand, bleibt das Backsteingefühl bestehen. Jaja, ein Backstein wiegt 3 bis 4 Kilogramm. Dennoch ist das Gewicht für ein Smartphone enorm. Hinzu kommt: Das Handy ist fett und groß. Wobei letzteres nur im Verhältnis zum Display stimmt. Legt man das Trekker-X4 etwa neben das Huawei Mate 20 Pro ist es lediglich ein Stück breiter. Schaltet man allerdings das Display beider Handys ein, fühlt man sich mit Blick auf das Outdoor-Smartphone etwa fünf Jahre in der Zeit zurückversetzt. Das Gehäuse und die Ränder um das 5,5 Zoll große und in Full-HD auflösende Display sind im Vergleich zu aktuellen Nicht-Outdoor-Smartphones riesig.

Crosscall Trekker-X4
Software Android 8.1 Oreo
Prozessor Qualcomm Snapdragon SD660
Display 5,5 Zoll, 1.080 x 1.920 Pixel
Arbeitsspeicher 4 GB
interner Speicher 64 GB
Hauptkamera 4272x2848 (12,2 Megapixel)
Akku 4.400 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung IP68 (Schutz gegen Untertauchen)
Gewicht 250 g
Farbe Schwarz
Einführungspreis 699 €
Marktstart 27. Oktober 2018

Allerdings hat es einen Grund, warum der Bildschirm des Trekker-X4 von so viel Rand umgeben ist. Schmeißt man das – um beim soeben gezogenen Vergleich zu bleiben – Mate 20 Pro aus zwei Metern Höhe auf Asphalt, kann man beruhigt eine Telefonzelle aufsuchen, um bei einer Handywerkstatt einen Termin zur Reparatur auszumachen. Oder man kauft sich direkt ein neues Smartphone. Anders sieht es beim Trekker-X4 aus. Der Rand um das Display und das gummibeschichtete Gehäuse wirken absorbierend. Im Härtetest fiel das Handy unzählige Male aus Höhen von bis zu zwei Meter auf Fliesen und Natursteinböden. Aufs Display, auf den Rücken, auf Kanten und Ecken. Außer ein paar kleinen Macken am Gummigehäuse, die wie Narben an glimpflich ausgegangene Unfälle erinnern und das Outdoor-Handy erst jetzt zu einem echten Outdoor-Handy machen, ist dem Trekker-X4 nichts zugestoßen.

Ob Magnesium oder Bachwasser: Das Trekker-X4 hält durch

Wer also in seiner Freizeit gerne bouldert und hin und wieder ein Selfie per WhatsApp an seine Frau oder seinen Mann verschicken möchte, kann das Trekker-X4 gerne in seinem Chalk Bag mit sich führen. Dabei muss man keine Angst haben, wenn es denn einmal rausfällt. Und auch das Magnesium kann dem Outdoor-Handy nichts anhaben, besitzt es doch die IP-Schutzklasse IP68. Das bedeutet: Das Trekker-X4 ist sowohl staubdicht als auch gegen dauerndes Untertauchen in bis zu 2 Meter tiefem Wasser geschützt. Im Test überlebte das Smartphone eine halbstündige Tauchphase in flachem Gewässer schadlos.

Über den Wolken ist es zu hell

Lediglich die Display-Helligkeit könnte bei dem einen oder anderen Nutzer zu Schimpftiraden führen. Crosscall gibt die Helligkeit mit 450 cd/m² an. Zum Vergleich: Die aktuelle iPhone-Generation liefert 625 cd/m². Auch das Nokia 8, das wie das Trekker-X4 ein IPS-Display besitzt, kommt auf über 600 cd/m². Bei extremer Sonneneinstrahlung, etwa auf einem Berg, über den Wolken, dort wo die Sonne auch bei bedecktem Himmel scheint, wird es also schwer, Inhalte auf dem Bildschirm des Outdoor-Handys zu erkennen.

Das Trekker-X4 sieht fast alles

Mit dem Trekker-X4 wagt Crosscall einen Angriff auf Hersteller von Action-Cams. Eine der Besonderheiten des Outdoor-Smartphones ist nämlich sein Fisheye-Objektiv, das einen Bildwinkel von 170 Grad abdeckt. Die Idee dahinter: Filme im GoPro-Stil drehen und im Anschluss sofort auf dem Handy schneiden. Doch kann das Outdoor-Smartphone es wirklich so gut, wie der Hersteller wirbt?

Zum Fotografieren und Filmen gibt es herstellerseitig gleich zwei Apps: Kamera und X-Cam. Die erste ist simpel gestaltet und kommt so in der Form auch auf jedem anderen Handy zum Einsatz. Hier lässt sich – ob bei der Aufnahme von Fotos oder Videos – zwischen der Frontkamera und den beiden Objektiven auf der Rückseite wechseln. Das Standard-Objektiv besitzt einen Sensor von Sony (IMX386) den das japanische Unternehmen 2016 vorgestellt hat. Er löst Bilder mit 12 Megapixeln auf, besitzt keine optische Bildstabilisierung und die Optik davor liefert einen Bildwinkel von 88 Grad. Beim zweiten Objektiv ist der gleiche Sensor im Einsatz. Das Besondere an der Kamera ist aber das Weitwinkelobjektiv, das sich vor dem Sensor befindet. Da der Bildwinkel bei 170 Grad liegt, wird es in der Ansicht der Standard-Kamera-App sogar sichtbar.

Crosscall Trekker-X4 mit Kamera-App und Fisheye-Objektiv

Runde Fotos auf eckigen Bildschirmen dürften aber nicht jedermanns Sache sein. Auch, wenn man in diesem Fall sehr viel aufs Bild bekommt. Anders sieht es in der X-Cam aus. Diese wirkt zunächst sehr gewöhnungsbedürftig und unübersichtlich. Und auch das aufzunehmende Motiv wird nicht, wie man es vielleicht erwarten würde, über das ganze Display angezeigt.

Crosscall Trekker-X4 Screenshot der Kamera-App mit Fisheye-Objektiv

Allerdings lassen sich hier Fotos und Videos im normalen 4:3-Format aufnehmen – zumindest bei den Zoom-Stufen “Wide”, “Super Wide” und “Ultra Wide”. Wer eine 170-Grad-Aufnahme machen möchte und in den Fisheye-Modus schaltet, bekommt wieder ein rundes Bild. Zudem geht gegenüber den drei anderen Zoom-Einstellungen die Stabilisierung verloren, weshalb Videos deutlich verwackelter aufgenommen werden.

Über die X-Cam-App lassen sich sogenannte X-Storys erstellen. Also Filme aus Fotos und Videos, die mit Musik unterlegt werden können. Zunächst fällt hier die relativ lange Renderzeit auf. Um ein 20 Sekunden kurzes Videos zu exportieren, benötigt das Trekker-X4 … Tja, das hätte inside handy auch gern gewusst. Nach zwei Stunden des Renderns wurde der Versuch abgebrochen. Ein weiterer Versuch brachte eine Fehlermeldung. Gut möglich, dass die Software noch nicht so funktioniert, wie sie sollte. Das zeigen auch die Rezensionen der X-Cam-App im Play Store: Von 41 Bewertungen haben zehn nur einen Stern.

Video- und Fotoqualität: GoPro oder No Pro?

Das Trekker-X4 kann hinsichtlich der Fotoqualität nicht mit Top-Smartphones wie dem iPhone XS oder dem OnePlus 6T mithalten. Dennoch sind die Fotos, auch bei schlechten Lichtbedingungen, akzeptabel. Die Videoqualität ist gut. Der Ton vermasselt es dann aber. Manchmal ist er sauber; in der nächsten Sekunde könnte man meinen, man befindet sich unter Wasser oder in der Kanalisation. Zudem ist die Bildstabilisierung mangelhaft. Man muss beim Videodreh das Gerät ziemlich ruhig halten, damit man ein halbwegs ruhiges Bild erhält. So macht das keinen Spaß. Dann lieber direkt eine GoPro.

Akkupower für einige Tage auf dem Jakobsweg

Von einem Outdoor-Smartphone erwartet der Nutzer eine Akkulaufzeit, die zumindest für einen Tag ausreicht. Im Idealfall sollten aber auch mehrere Tage ohne Steckdose drin sein. Die Kapazität des Trekker-X4-Akkus deutet mit 4.400 mAh auf eine solche Eigenschaft hin. In der Praxis spielte der Akku des Crosscall-Handys tatsächlich seine volle Power aus. Selbst nach anderthalb Tagen mit normaler Nutzung blieb noch etwa ein Drittel der Kapazität.

Wenn es ums Aufladen geht, hat man mehrere Möglichkeiten. Die einfachste und kostengünstigste ist, das mitgelieferte Kabel samt Steckdosenadapter zu nutzen. Dank Quick Charge 3 und USB Typ C ist der Energieträger recht schnell wieder aufgefüllt. Eine andere Methode ist, den X-Link-Anschluss auf der Rückseite zu benutzen. Man könnte zunächst meinen, es ist ein Fingerabdrucksensor, dieser befindet sich beim Trekker-X4 jedoch im Ein- und Austaster an der rechten Gehäusekante. Beim X-Link-Anschluss hat Crosscall die Kontakte nach Außen verlegt, sodass bestimmte Kabel oder Ladestationen per Magnet angedockt werden können.

X-Link: Aufladen und Daten übertragen per Magnetanschluss

inside handy hat den Anschluss mit einem separat erhältlichen X-Cable getestet. Das Kabel kostet rund 20 Euro und dient nicht nur zum Aufladen, sondern auch zum Inhalte übertragen – also genauso, wie das Datenkabel, das sich im Lieferumfang befindet. Einziger Unterschied: Statt die Klappe am unteren Rand des Handys zu öffnen und den USB-C-Stecker einzustecken, wird das X-Cabel per Magnet am Rücken des Outdoor-Handys befestigt. Der Magnet ist kräftig genug, sodass man ruhig ruppig mit dem Gerät umgehen kann, während es mit Energie gefüllt wird.

Crosscall Trekker-X4 mit X-Cable auf der Rückseite

Darüber hinaus hat Crosscall noch weitere magnetgebundene Auflademöglichkeiten im Portfolio. Dazu gehören eine Autohalterung, ein Dock für den Schreibtisch und ein externer Akku mit 5.000 mAh.

X-Blocker: Das Fundament für den Hausbau ist schon mal da

Dem Lieferumfang legt Crosscall den X-Blocker bei. Es ist eine Halterung, die auf das Handy geklippst wird. Mit ihr allein kann der Nutzer allerdings nichts anfangen. Crosscall will damit aber zeigen, dass es allerhand Zubehör gibt, was dazu passt. Mit einem Brustgurt, einem Befestigungssystem für Fahrräder oder einer Teleskopstange – eine Art verbesserter Selfie-Stick – wird der X-Blocker aber zum essenziellen Element. Denn er dient als Verbindung zwischen Smartphone und Zubehör. Man sollte also gut auf ihn aufpassen, wenn man vorhat, den Funktionsumfang zu erweitern. Beim genannten Zubehör ist er nämlich nicht dabei.

Crosscall Trekker-X4 mit dem Aufsatz X-Blocker

Fazit zum Crosscall Trekker-X4

Das Trekker-X4 kann hinsichtlich seiner Panzerung zweifelsfrei als Outdoor-Smartphone bezeichnet werden. Stürze können dem Extrem-Handy ebenso wenig anhaben, wie Staub und Wasser. Die technische Ausstattung des Dual-SIM-Smartphones bewegt sich auf Mittelklasse-Niveau. Mit einem Preis von rund 670 Euro ist es zwar etwas teurer als so manch anderes Smartphone der Mittelklasse. Allerdings ist es auch deutlich robuster.

Ein Highlight soll das Fisheye-Objektiv sein, das in so mancher Situation Spaß machen sollte, es aber nur sehr selten tut. Die Bildstabilisierung ist mangelhaft, der Ton oft mies. Eine Alternative zu einer Action-Cam ist das Trekker-X4 beileibe nicht.

Ebenfalls enttäuschend ist der für sonnige Regionen zu dunkle Bildschirm. Hinzu kommt, dass der Sound bei Videoaufnahmen zwischen gut und miserabel schwankt. Die Lautsprecher auf der Rückseite sind zwar laut. Möchte man beim Bouldern aber Musik hören, sollte man auf einen Bluetooth-Lautsprecher setzen. Bei der Akkulaufzeit hingegen kann man sich auf das Outdoor-Handy verlassen.

Spaß macht die App “X4-Sensors”. Hier wird angezeigt, was die verbauten Sensoren messen. Neben der Temperatur werden die Luftfeuchtigkeit, der Luftdruck oder auch die Helligkeit, gemessen in Lux, angezeigt. Sollte die Sonne scheinen, ist der UV-Sensor sehr nützlich.

Eine schöne Idee ist das viele Zubehör. Allerdings muss man dann noch tiefer in die Tasche greifen. Wer aber 20 Euro zusätzlich für das Magnet-Ladekabel ausgibt, bekommt den Komfort, nicht ständig die Klappe zum Ladeanschluss öffnen zu müssen.

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1 KOMMENTAR

  1. Habe das Trekker X4 seit Dezember/Januar. Noch nie ein Handy mit soviel Bugs und Problemen gehabt, nach dem letzten Systemupdate geht schon wieder nix mehr, Google Play Store öffnet nicht, Fotos werden nicht auf SD Karte gespeichert u.a. – Hardware mag ok und robust sein, das OS is enttäuschend und ein großes Ärgernis!

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