Philips Hue hat zwei neue Leuchten der Play-Serie nachgeschoben: eine Stehleuchte in zwei unterschiedlichen Längen und eine Tischleuchte. Beide sind deutlich günstiger als die etablierten Gradient-Signe-Modelle.
Deutlich günstiger – aber auch deutlich schlechter?
Die neue Hue Play Stehleuchte gibt es in zwei Größen, und der Unterschied ist überschaubar: 12,5 Zentimeter Höhe und ein paar Lumen. Die kompakte Variante misst 122,5 Zentimeter und kostet 139,99 Euro, erhältlich ist sie nur im Philips-Hue-Shop und bei Amazon. Das größere Modell mit 135 Zentimetern liegt bei 149,99 Euro und läuft über den übrigen Handel, etwa Cyberport oder tink. Zum Prime Day war die kompakte Version bereits für 109,99 Euro zu haben.
Zum Vergleich: Die Gradient Signe Stehleuchte kostet in Schwarz wie in Weiß derzeit 237 Euro, die Oak-Variante mit Holzfuß sogar 299,99 Euro. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt sogar bei 339,99 Euro. Selbst gegenüber dem bereits reduzierten Straßenpreis bleiben also rund 100 Euro Unterschied. Dafür ist die Signe mit 146 Zentimetern auch spürbar größer als beide Play-Modelle, obwohl ihr LED-Band kaum länger ist.
Bei den Tischleuchten sieht die Rechnung anders aus. Die neue Play Tischleuchte startet bei 79,99 Euro, die Gradient Signe Tischleuchte steht mit 224,99 Euro in der Liste. Diese ist aber schon länger am Markt und im Handel entsprechend günstiger zu bekommen. Hier ist der Preisvorteil der Play also spürbar kleiner. Dass Philips Hue überhaupt in diese Preisregionen vorstößt, passt zum Kurs der vergangenen Monate: Der Hersteller greift den Einsteigermarkt inzwischen aktiv an, statt ihn Konkurrenten wie Govee zu überlassen.
Die Play-Leuchten gibt es ausschließlich in Schwarz. Es gibt keine weiße Variante und auch keinen Holzsockel. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff statt aus Aluminium, wobei die Verarbeitung angesichts dessen in Ordnung ist. Wer die Leuchte als Möbelstück und nicht als Lichtquelle betrachtet, sollte also zur Signe greifen.
Helligkeit: Der Vorsprung schmilzt im Alltag
Vorweg: Alle Lumen- und Wattangaben in diesem Test stammen aus den Datenblättern von Signify, eigene Messungen habe ich nicht vorgenommen. Bei kaltweißem Licht mit 4.000 Kelvin schafft die Gradient Signe Stehleuchte demnach bis zu 2.550 Lumen. Die Play kommt auf 925 Lumen (kompakt) beziehungsweise 1.040 Lumen (groß). Das klingt nach einer Klatsche.
Entscheidend ist aber der zweite Wert, den Philips Hue für jede Leuchte ausweist: die Helligkeit bei warmweißen 2.700 Kelvin. Und hier passiert Interessantes: Die Gradient Signe verliert rund 30 Prozent ihrer Maximalhelligkeit und landet bei etwa 1.800 Lumen. Die Play büßt dagegen nur rund fünf Prozent ein. Also bleiben 880 beziehungsweise 990 Lumen. Aus einem Helligkeitsverhältnis von knapp 1:3 wird damit eines von etwa 1:2. Kommen dann noch farbige Szenen ins Spiel, wofür man eine Gradient-Leuchte ja in erster Linie kauft, ist der Unterschied mit bloßem Auge kaum auszumachen.
Bei den Tischleuchten fällt das Urteil härter aus: Bei 4.000 Kelvin stehen 400 Lumen der Play gegen 1.040 Lumen der Signe, bei 2.700 Kelvin bleiben der Play noch 380 Lumen. Wer die kleine Leuchte auch als Leselicht nutzen will, merkt das deutlich.
Farbverläufe: Hier gewinnt die günstige Leuchte
Und jetzt der Punkt, an dem die Play der teuren Konkurrenz tatsächlich überlegen ist. Die Gradient Signe Stehleuchte kann auf ihrem rund 125 Zentimeter langen LED-Band zehn Segmente separat ansteuern – macht etwa 12,5 Zentimeter pro Abschnitt. Die Play Stehleuchte schafft auf praktisch identischer Länge 20 Segmente beim großen und 18 beim kompakten Modell. Die Abschnitte sind damit nur etwa halb so groß, die Übergänge bei Szenen beispielsweise entsprechend feiner und weicher.
Bei den Tischleuchten ist der Effekt noch auffälliger, weil dort weniger Fläche zur Verfügung steht: Die Signe stellt auf ihrem 51 Zentimeter langen Stab nur vier Farben gleichzeitig dar, die Play auf 50 Zentimetern doppelt so viele.
Erzeugt werden die Verläufe wie gewohnt in der Hue-App automatisch. Man wählt eine Szene oder setzt Punkte im Farbkreis, den Rest mischt die Software. Die Ausrichtung der Verläufe lässt sich seit dem App-Update auf Version 5.62 endlich auch drehen.
Entertainment: Dafür ist die Play eigentlich gebaut
Der Name Play kommt nicht von ungefähr. Beide Leuchten setzen auf RGBWWIC-LEDs und sind auf präzise Farbabstimmung im Verbund mit anderen Hue-Produkten ausgelegt. Synchronisieren lassen sie sich über die HDMI Sync Box 8K, die derzeit rund 280 Euro kostet, oder über die Hue-Sync-App auf kompatiblen Fernsehern. Letztere schlägt einmalig mit rund 130 Euro zu Buche, alternativ gibt es sie für 2,99 Euro monatlich im Abo. Als Wallwasher neben dem TV erfüllen die Play-Leuchten damit genau den Zweck, für den man sonst zur teureren Signe greifen musste. Meiner Meinung nach bleibt aber ein herkömmlicher Lightstrip die beste Wahl für das Fernseh- oder Gaming-Setup. Aber das ist Geschmackssache.
Ausstattung und Steuerung
Gekoppelt wird per Bluetooth oder per Zigbee über die Hue Bridge. Direkt per Bluetooth reicht es für Grundfunktionen im selben Raum; erst mit Bridge gibt es Automationen, Zeitpläne, Fernzugriff, Matter-Anbindung und Hue Entertainment. Bis zu zwölf Zubehörteile lassen sich einbinden, seit Kurzem auch die Hue-Wandschalter-Module.
Ein Detail, das im Datenblatt gern untergeht: Die Play arbeitet nicht als Zigbee-Repeater, gibt das Funksignal also nicht an andere Lampen weiter. In weitläufigen Installationen kann das durchaus relevant werden.
Wenn du die Play in ein größeres Setup einbindest, lohnt sich die Hue Bridge Pro. Nur sie beherrscht Funktionen wie SpatialAware, das die Position jeder Lampe erfasst und Lichtszenen entsprechend über den Raum verteilt. Bei einer Leuchte, die eine ganze Wand flutet, ein sichtbarer Unterschied. Ebenfalls exklusiv auf der Pro läuft MotionAware, das drei bis vier Lampen eines Raums per Zigbee-Signal zu einem Bewegungsmelder zusammenschaltet. In meinem Test haben beide Funktionen mit den eingebundenen Play-Leuchten einwandfrei funktioniert.
Das 1,5 Meter lange Kabel der Play lässt sich am Standfuß abziehen, endet aber in einem klobigen Netzteil. Die Gradient Signe hat den Trafo dafür im Standfuß versteckt und kommt am Ende ihres zwei Meter langen Kabels mit einem schlanken Eurostecker aus. Beim Verbrauch stehen 13 Watt (kompakte Play) und 14,6 Watt (große Play) gegen 29 Watt bei der Signe – die dafür allerdings gut das Zweieinhalbfache an Licht liefert.
Fazit: Fürs Stimmungslicht die klar bessere Wahl
Für reines Stimmungs- und Entertainment-Licht ist die Hue Play Stehleuchte die Preis-Leistungs-Empfehlung. Sie kostet rund 100 Euro weniger als die Signe, ist bei warmweißem Licht im Alltag kaum dunkler und liefert dank doppelt so vieler Segmente sogar die schöneren Farbverläufe. In der Praxis habe ich bei ihr wenig vermisst.
Drei Gründe sprechen trotzdem weiterhin für die Signe: Wer maximale Helligkeit bei kaltweißem Licht braucht, wer die Leuchte in Weiß oder mit Holzfuß haben möchte, oder wer Wert auf das Aluminiumgehäuse legt. Für alle anderen ist die Play die vernünftigere und natürlich preiswertere Wahl.
Bei der Tischleuchte fällt die Empfehlung weniger deutlich aus: Die Play gewinnt bei Preis und Farbverläufen, verliert bei der Helligkeit aber klar. Als Akzent neben Monitor oder Fernseher macht man mit den 79,99 Euro dennoch nichts falsch.
Vorteile:
- Starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Tolle, weiche Farbverläufe bei Szenen
- Bei warmweißem Licht kaum dunkler als die Gradient Signe
- Stehleuchte in zwei Längen verfügbar (135 und 122,5 cm)
- Kabel am Standfuß abnehmbar
Nachteile:
- Nur mit schwarzem Gehäuse erhältlich
- Gehäuse besteht aus Kunststoff
- Klobiges Netzteil statt schlankem Eurostecker
