Viele Mähroboter benötigen eine gewisse Vorarbeit: eine RTK-Antenne, die irgendwo mit freier Himmelssicht stehen muss. Der Sunseeker S4 verspricht, das überflüssig zu machen.
Einrichtung und Inbetriebnahme des Sunseeker S4
Wenn du den Sunseeker S4 ausgepackt hast, wird dir eines direkt ins Auge fallen: der Lidar-Turm, der aus dem Gehäuse ragt und einen Großteil der Navigationsarbeit erledigt. Optisch erinnert das Sunseeker-Modell damit an den Ecovacs Goat O1200 Lidar Pro mit Kantentrimmer (Test). An der Front unterstützt eine KI-Kamera den Laserscanner. Und falls beide Systeme etwas übersehen, fängt ein klassischer Kollisionsbumper den Rest ab.
Mit rund elf Kilogramm ist der S4 kein Leichtgewicht, wirkt dafür aber solide verarbeitet. Die IPX6-Zertifizierung erlaubt das Abspritzen mit dem Gartenschlauch. Somit eine Stufe besser übrigens als beim doppelt so teuren Elite X5 Gen 2, der sich mit IPX5 begnügt. Im Karton findest du ansonsten die Ladestation, den Transformator, Befestigungsanker sowie einen Satz Ersatzklingen.

Der S4 kann die Fläche eigenständig abfahren und eine Karte anlegen. Das Ergebnis ist allerdings auch hier nicht optimal – bislang scheitert daran jeder Mähroboter, den ich getestet habe. Bei Sunseeker wiegt das trotzdem schwerer als bei der Konkurrenz, denn „Drop to Go“ ist das Verkaufsargument dieses Geräts. Wer den S4 kauft, um sich das Kartieren zu sparen, kauft ein Versprechen, das im Garten aus qualitativer Sicht nicht gehalten wird.
Mähleistung: schmaler Mähteller, große Flächenangabe
Der S4 ist laut Sunseeker für 1.000 Quadratmeter ausgelegt. Die Schnittbreite beträgt aber nur 18 Zentimeter. Der Mova LiDAX Ultra 1000 (Test) bietet 20 cm, der Roborock RockNeo Q105 (Test) 22 Zentimeter und der Roborock-Roboter ist offiziell nur für 500 Quadratmeter gedacht. Selbst der 500 Euro teure RoboUp Raccoon 2 SE (Test) kommt auf 20 Zentimeter. Der Sunseeker soll also die doppelte Fläche mit der schmalsten Bahn im Feld abarbeiten.
Rechnerisch heißt das: mehr Bahnen, mehr Fahrzeit und somit mehr Lade- und Mähzyklen. Verbaut ist ein 20-V-Akku mit 4 Ah, die Ladedauer gibt Sunseeker mit 84 Minuten an. Zum Vergleich: Der Roborock mäht rund 100 Minuten und lädt 95, der Mova lud im Test in etwa 60 Minuten voll.
Für den Schnitt setzt Sunseeker auf ein schwimmendes Mähdeck. Dieselbe Idee hat Roborocks RockNeo Q105 im Test geländetauglicher gemacht, als seine Preisklasse erwarten ließ. Beim Schnitt hinterlässt der Sunseeker S4 ein gutes Bild. Grashalme werden sauber getrennt. Positiv ist außerdem, dass der Rasenroboter auf weichem Boden nicht rumwühlt, wie das beim erwähnten Mova-Modell der Fall war.

Ein Schwachpunkt ist die Schnitthöhe. Möglich sind 2 bis 6 cm, verstellt wird am Gerät. App-Steuerung? Fehlanzeige, genauso wie schon beim Sunseeker Elite X5 Gen 2 und dessen Drehregler. Bei einem Roboter, der ansonsten maximale Automatisierung verspricht, wirkt der Gang dafür in den Garten fast schon wie ein Widerspruch.

Beim Kantenschnitt setzt Sunseeker nicht auf den zusätzlichen Mähteller des Elite X5 Gen 2, sondern auf einen Edge-Following-Modus in der App.
Trotzdem bleiben rund 10 cm zur Kante stehen. Zum Einordnen: Der Mova ließ auch 10 cm stehen, obwohl er mit dem Gegenteil wirbt. Für den RockNeo Q105, der im gleichen Preisfeld liegt, bietet Roborock optional eine Zusatz-Mähscheibe für 150 Euro an. Dadurch war der Roboter in der Lage, bis zu 3 cm an der Kante zu schneiden. Solltest du besonderen Wert auf den Kantenschnitt legen, lohnt der Blick in die Liste der Mähroboter mit dem besten Kantenschnitt.
Navigation und Hinderniserkennung ganz ohne Satellit
Hier liegt der Vorteil gegenüber dem teureren Flaggschiff. Weil der S4 per Laserscanner misst, ist er unabhängig von Satellitenempfang und Lichtverhältnissen. Also genau von dem, woran der 2.099 Euro teure Elite X5 Gen 2 im Stadtgarten mit Baumbestand gescheitert ist. Hinsichtlich der Hinderniserkennung leistet sich der Roboter nur beim Gartenschlauch einen Patzer. Abgesehen davon erkennt der Roboter sämtliche flache und hohe Gegenstände zuverlässig.

Antrieb und Diebstahlschutz
Beim Antrieb spart Sunseeker wie die gesamte Klasse: Hinterradantrieb statt Allrad. Die Steigfähigkeit liegt bei 42 Prozent beziehungsweise 22 Grad und damit knapp hinter den 45 Prozent des Roborock RockNeo Q105.
Der Sunseeker S4 bringt serienmäßig einen soliden Basis-Diebstahlschutz mit: eine PIN-Sperre, einen Hebe- und Neigungssensor. Damit liegt der S4 beim Diebstahlschutz hinter dem Mova (Sirene, Kameraüberwachung, AirTag-Fach), aber auf einem Niveau mit dem Roborock RockNeo Q105, der ebenfalls nur PIN und Anhebealarm bietet.
Fazit: Lohnt sich der Sunseeker S4?
Die Einordnung im direkten Vergleich ist eng. Der RockNeo Q105 bietet den breitesten Mähteller und das beste Geländeverhalten, verlangt aber eine RTK-Antenne und 150 Euro extra für geschnittene Kanten. Bei der Hinderniserkennung zieht der Sunseeker sogar vorbei: Der Roborock erkennt Büsche und Sträucher erst spät, der S4 leistet sich nur den Patzer beim Gartenschlauch.
Der S4 von Sunseeker punktet zudem mit dem Lidar-Sensor, der besten Navigation und einem soliden Rasenschnitt. Wer einen Roboter für einen verwinkelten Garten sucht, in dem RTK-Systeme Probleme bekommen, und mit einer nachgearbeiteten Kante leben kann, bekommt hier das stimmigste Paket der Preisklasse. Wenn dir saubere Kanten wichtiger sind als die Navigation, solltest du zum Ecovacs Goat O1200 Lidar Pro (Test) greifen. Preislich liegt der Sunseeker S4 bei 999 Euro (UVP). Oft ist er aber auch deutlich günstiger zu haben.

Vorteile:
- Lidar arbeitet unabhängig vom Satellitensignal
- Kein Abo für Navigationsdienste
- Solider Rasenschnitt
- Benutzerfreundliche App
Nachteile:
- Schnitthöhe nur manuell am Gerät verstellbar
- Lässt großen Abstand zu Rasenkanten
- Teurer als direkte Konkurrenten (Roborock 200 Euro günstiger)







