KOMMENTAR

Überwachungskameras: Das sollte sich jeder Hersteller von dieser Marke abschauen

6 Minuten
Wer an Überwachungskameras denkt, denkt oft zuerst an Ring. Die Amazon-Tochter hat Überwachungskameras massentauglich gemacht und den Markt jahrelang geprägt. Doch Ring zehrt immer noch vom eigenen Namen und packt wichtige Funktionen hinter eine Abo-Schranke.
Drei Tapo-Überwachungskameras im Vergleich
Überwachungskameras: Das sollte sich jeder Hersteller von dieser Marke abschauenBildquelle: Thomas Kern / inside digital

Tapo, die Smart-Home-Marke von TP-Link, deckt inzwischen jede relevante Preisklasse ab: 60 Euro für innen, 130 Euro für außen mit Kabel, 200 Euro für außen als Solar-Lösung ohne Kabel. Nach meinen Tests der Tapo C245D, der Tapo C575D und des Tapo C675D KIT behaupte ich: In allen drei Segmenten zeigt Tapo eindrucksvoll, was Kameras für den jeweiligen Preis draufhaben sollten.

Ein Objektiv reicht nicht mehr

Die Kernaufgabe einer Überwachungskamera ist simpel: Sie soll sehen, was passiert. Und genau hier scheitern erstaunlich viele Geräte am immer gleichen Problem, dem toten Winkel. Entweder die Kamera behält die Fläche im Blick und liefert bei Details nur Pixelbrei. Oder sie zoomt heran und ist für den Rest des Grundstücks blind.

Tapo löst das in allen drei Preisklassen identisch: mit zwei Objektiven in einem Gehäuse. Oben sitzt ein feststehendes Weitwinkelobjektiv, darunter ein motorisiertes Teleobjektiv-Modul. Erkennt der Weitwinkel eine Bewegung, schwenkt die Telelinse automatisch mit und verfolgt das Objekt, während die Übersicht erhalten bleibt. Tapo nennt das „synchronisiertes Smart-Tracking“, und im Test funktionierte es bei allen drei Modellen ohne Aussetzer. Im geteilten Bildschirm siehst du Überblick und Detailaufnahme gleichzeitig.

Wie viel das wert ist, zeigt der Blick ins eigene Haus: Die Tapo C660 (Test) hat zwar eine 360-Grad-Schwenkmechanik, aber eben nur ein Auge. Verfolgt sie eine Person, ist der Rest des Grundstücks in diesem Moment schlicht nicht überwacht. Das ist der entscheidende Unterschied, und dass dafür Tapo selbst in der Einstiegsklasse keinen Aufpreis verlangt, ist alles andere als selbstverständlich.

Von 2K bis zweimal 4K: Jede Klasse bekommt, was sie braucht

Bemerkenswert finde ich, wie sauber Tapo die drei Modelle voneinander abgrenzt, ohne dass eines davon lieblos wirkt.

Die C245D (Test) ist eine reine Innenraumkamera. Beide Objektive lösen mit 2K auf, der Weitwinkel deckt 122 Grad ab, das Teleobjektiv mit 6 mm Brennweite bietet 10,8-fachen Digitalzoom. Ich konnte damit im Test die Schrift auf einer Verpackung am anderen Ende des Raumes noch entziffern. Für 60 Euro wohlgemerkt. Erst kürzlich hatte ich die Reolink Argus MagiCam im Test. Ebenfalls eine Überwachungskamera für einen ähnlichen Preis (55 Euro UVP). Auch keine schlechte Kamera, aber eben nur mit einem Objektiv. Genial gelöst bei der Tapo C245D ist zudem der microSD-Slot, der unter dem Weitwinkelobjektiv sitzt und damit an einer Stelle, die ein Einbrecher nicht als Erstes absucht.

Tapo C245D
Tapo C245D Image source: Thomas Kern / inside digital

Die C575D (Test) bringt das Prinzip nach draußen und legt genau dort zu, wo es zählt: zwei 4K-Objektive, 170 Grad Sichtfeld, 18-facher Digitalzoom, echte Farbnachtsicht per Spotlight und ein IP66-Gehäuse, das für Temperaturen von –30 bis +60 Grad ausgelegt ist. Dazu funkt sie im 2,4- und 5-GHz-Band und unterstützt sogar Wi-Fi 6. Betrieben wird sie per Netzteil oder, für mich der simplere Weg, per Power over Ethernet.

Tapo C575D im Test
Tapo C575D im Test Image source: Thomas Kern / inside digital

Das C675D KIT schließlich streicht das Stromkabel komplett. Ein Solarpanel liegt bei und der verbaute 10.000-mAh-Akku soll laut Hersteller bis zu drei Monate durchhalten. Darüber hinaus verspricht Tapo, dass 90 Minuten direkte Sonne pro Tag genügen. Das Teleobjektiv dreht sich hier um volle 360 Grad bei einem Neigebereich von 128 Grad. Und weil der Akku halten muss, schaltet die Kamera erst bei erkannter Bewegung auf die flüssige Aufnahme um.

Tapo C675D KIT vor einem braunen Hintergrund
Tapo C675D KIT im Test Image source: Thomas Kern / inside digital

Wenn du lückenlos absichern willst, aktivierst du die 24/7-Daueraufnahme in Intervallen von 1 bis 60 Sekunden. Eine echte Überraschung war bei diesem Modell schließlich die Audioqualität: Der Ton ist klar statt blechern und damit der beste, den ich bisher in einem Überwachungskamera-Test gehört habe.

Der eigentliche Unterschied zu Ring: kein Abo-Zwang

Entscheidend ist aber, was Tapo im Gegensatz zur Konkurrenz nicht verlangt: Geld für die Basisfunktionen. Die KI-Erkennung läuft bei allen drei Kameras lokal auf dem Gerät und unterscheidet in der Praxis zwischen Personen, Fahrzeugen und auch Haustieren.

Screenshot aus der Tapo-App
Screenshot aus der Tapo-App Image source: Thomas Kern / inside digital / Tapo App

Die kleine C245D erkennt zusätzlich Babygeschrei. Aktivitätszonen und nach Objekttyp gefilterte Push-Benachrichtigungen halten Fehlalarme klein. Bei der 60-Euro-Kamera kam es im Testzeitraum zu ein paar Fehlauslösern, aber deutlich weniger, als ich in dieser Preisklasse erwartet hätte. Bei der C575D und dem C675D KIT gab es jeweils nur einen Fehlalarm im gesamten Testzeitraum.

Kostenpflichtig ist davon aber nichts. Zum Vergleich: Die Ring Outdoor Cam Pro (Test) sperrt dagegen wichtige Funktionen hinter einer Abo-Schranke. Bei Tapo speicherst du stattdessen lokal auf microSD-Karten bis 512 GB und kannst optional mehrere Kameras über einen Hub wie den 124 Euro teuren H500 oder den 30 Euro teuren H200 bündeln. Eine weitere Alternative, aber eben kein Muss, ist der kostenpflichtige Tapo-Care-Service, der deine Aufnahmen für 30 Tage in der Cloud speichert. Nochmal: Die Cloud ist Komforterweiterung, kein Zwang, und das ist keineswegs selbstverständlich auf dem Überwachungskamera-Markt.

Nicht alles ist perfekt: Hier müssen Tapo-Überwachungskameras nachbessern

Das, was mich in allen Tests am meisten geärgert hat, war die Werbung in der Tapo-App. Während der Tests poppten Angebote zu anderen Tapo-Produkten auf. Einmalig ist das zu verschmerzen, auf Dauer nervt es, gerade in einer Sicherheits-App.

Ausgerechnet das teuerste Modell hat die schwächsten Eckdaten beim Gehäuse: Die C675D ist nur nach IP65 geschützt und für –20 bis +45 Grad ausgelegt, während die 70 Euro günstigere C575D IP66 und –30 bis +60 Grad bietet. Wi-Fi 6 fehlt der Solarvariante ebenfalls. Bei der C245D wiederum sind die Beschränkung auf 2,4-GHz-WLAN und die fehlende Farbnachtsicht zu nennen, bei der C575D das offen aus dem Gehäuse hängende Ethernet-Kabel.

Tapo-Überwachungskameras: Günstiger und trotzdem vollständig

Der vielleicht überraschendste Punkt ist der Preis. 59,90 Euro (UVP) für die C245D, 129,90 Euro (UVP) für die C575D und schließlich 199,90 Euro (UVP) für das C675D KIT. In jeder dieser Klassen bekommst du das Dual-Objektiv-System, die lokale KI-Erkennung ohne Abo und eine lokale Speicherung. Selbst intern zeigt sich das: Die C575D kostet zehn Euro weniger als das bisherige C660 KIT für 139,90 Euro (UVP) und deckt spürbar mehr Fläche ab.

Am Ende entscheidet also nicht nur dein Budget, sondern auch der Montageort. Innen die C245D, außen mit Steckdose die C575D, außen ohne Kabel das C675D KIT. Im Endeffekt bietet dir Tapo für alle Situationen jeweils Kameras mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Fehlentscheidung ist in keiner der drei Klassen möglich, und das ist etwas, das meiner Meinung nach derzeit sonst kein anderer Hersteller so konsequent schafft.

So arbeiten wir
Unsere Redaktion recherchiert und bewertet unabhängig — nach festen journalistischen und fachlichen Kriterien. Über Affiliate-Links im Beitrag bekommen wir beim Kauf eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein