Huaweis smarte Brille: Das kann die Gentle Monster Eyewear II

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Wer bei smarten Brillen zuerst an klobige VR-Bretter à la Vive Cosmos vor dem Gesicht denkt und wer die sündhaft teure Microsoft Hololense 2 vor Augen hat, der sollte sich einmal die Huawei Gentle Monster Eyewear II genauer anschauen. Denn die smarte Brille kann auch im Alltag überzeugen.
Front einer Gentle Monster Brillen von Huawei
Front einer Gentle Monster Brillen von HuaweiBildquelle:

Wichtig dabei schon zu Beginn: Die Huawei Gentle Monster Eyewear II kann problemlos mit optischen Gläsern ausgestattet werden. Huaweis Brille ist dabei schon in der zweiten Generation auf dem deutschen Markt verfügbar. Bisher flog sie komplett unter dem Radar und nur wenige Menschen kennen den smarten Begleiter überhaupt. Doch was kann sie?

Das kann die Gentle Monster Eyewear II

Vor allem sieht sie kaum aus, wie eine smarte Brille. Sie kann in vier Designs bestellt werden. Diese kommen von Gentle Monster, einer In-Marke unter Brillenkennern. Die Brillendesigner haben die Front entwickelt, also den Rahmen der Gläser. Die gesamte Technik steckt dagegen in den Bügeln. Sie sind zwar insgesamt massiger als bei normalen Brillen, aber im aktuellen Hornbrillen-Trend kaum als Hightech-Gadgets zu erkennen.

Die Bügel der Gentle Monster Eyewear II sind mit Touchsensoren ausgestattet, über die du die Brille steuern kannst. Die Wischgesten für die Lautstärke und den Song-Wechsel gelingt problemlos. Beim Tippen für das Annehmen von Telefonaten braucht etwas Übung. Ebenfalls per Tipp-Geste wird der Google Sprachassistent im Handy aktiviert. Damit können Anrufe sehr leicht per „Call [Name]“ gestartet werden. Damit sind auch die Funktionen erschöpfend auserzählt: Telefonieren, Musikhören, Sprachsteuern. Und damit hat es sich. Doch mehr braucht es im Alltag auch nicht.

Design der Huawei Gentle Monster Eyewear II
Design der Huawei Gentle Monster Eyewear II

Technisch ist das Ganze so gelöst: Huawei hat die Brillenbügel mit Mikrofonen und zwei Richtlautsprechern ausgestattet. Sie befördern den Schall direkt in den Gehörgang. Damit bekommst fast nur du etwas mit. Dreht man komplett auf, hören die Mitmenschen ungefähr soviel, wie es noch bei eher mittelmäßigen In-Ear-Kopfhörern der Fall ist.

Ob Windows-PC oder Smartphones: Bei der Verbindung zu anderen Geräten gab es kaum Probleme. Die Verbindung stand immer sehr schnell. Einzig mit Google Meet hatte die Huawei-Brille ihre Not. Hier konnten sich die drei Systeme von Huawei, Google und Microsoft nicht einigen, welches Mikrofon und welche Lautsprecher der Brille für das Gespräch benutzt werden sollen. Mit ein wenig Mühe und Einstellungsarbeit gelang die Verbindung, perfekt sieht aber anders aus.

Scharnier der Huawei Gentle Monster Eyewear II
Scharnier der Huawei Gentle Monster Eyewear II

Diese Probleme löst die Huawei-Brille

In-Ear-Kopfhörer drücken? Over-Ear-Kopfhörer sind viel zu warm im Sommer? Du hörst nichts mehr von der Außenwelt mit den Gummistöpseln im Ohr? Das alles sind typische Probleme, wenn es um die Beschallung unterwegs geht. Und alle diese Probleme sind mit der Gentle Monster Eyewear II Geschichte. Denn mit ihr ersparst du dir die Kopfhörer im Alltag.

Das ist vor allem beim Telefonieren nützlich. Die Gesprächsqualität wird beim Angerufenen wie auch beim Anrufer als sehr angenehm empfunden. Einzig die Lautstärke der Brillen-Lautsprecher könnte etwas höher sein. Bei lauter Umgebung wie Baustellen, Bahnhöfen oder hohem Verkehrsaufkommen auf nasser Straße bekommt man selbst kaum mehr etwas vom Gespräch mit.

Lautsprecher der Huawei Gentle Monster Eyewear II
Lautsprecher der Huawei Gentle Monster Eyewear II

Beim Musikhören über die Gentle Monster Eyewear II müssen ein paar Abstriche gemacht werden. Zuerst ist hier auch die Lautstärke zu nennen. Sie genügt in ruhiger Umgebung locker, den genannten Lärm kann man aber nicht übertönen. Doch genau das soll die Brille auch verhindern. Sie schottet dich nicht ab und bringt so mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Beim Akku kann die Huawei-Brille überzeugen. Gestartet bei vollem Akku hält sie 6 Stunden und 20 Minuten durch. Dabei wurde im Testzeitraum durchgehend Musik bei mittlerer Lautstärke gehört und in zwei Sessions insgesamt 45 Minuten telefoniert. Geladen ist sie ebenfalls flott: Sie braucht keine zwei Stunden, um von 0 auf 100 Prozent zu kommen. In Ermangelung von Referenzwerten ist das zumindest eine im Alltag einfach zu integrierende Ladezeit. Legt man die Brille zwischendurch immer mal wieder in ihr Lade-Etui, wird sie auch einen ganzen Tag dein Musik- und Telefonbegleiter sein.

Das kann die Gentle Monster Eyewear II nicht

Die Gentle Monster Eyewear II von Huawei kann einige Dinge nicht oder manche Geräte nicht ersetzen. HiFi-Klang oder Noice-Cancelling hat sie nicht drauf und auch eine Sportbrille kann sie nur schwerlich ersetzen. Man kann mit ihr beispielsweise Laufen, jedoch ist sie eben eher im „urban Lifestyle“ zu Hause und nicht auf der Tartanbahn. Das wäre durch ein „offeneres“ Design aber einfach zu lösen. Das Scharnier, das die Technik-Bügel mit der modischen Brillenfront verbindet, ist Standard. Das Design Huaweis macht es jedoch unnötig kompliziert, als Front eine andere Brille an die Bügel zu schrauben. Eine Partnerschaft mit beispielsweise Fielmann könnte hier Huaweis Technik einen ganz neuen Markt bescheren. Und dem Kunden viel mehr Auswahl. Ein modulares Wechselsystem wäre eine weitere denkbare Ausbaustufe. Doch das ist Aufgabe der Produktentwickler.

Was sie ebenfalls nicht besonders gut kann, ist die Anpassung an die Kopf- und Ohrenform. Brillenträger kennen es, eine Brille muss an den Ohren bei Länge und Radius eingestellt werden. Durch die Technik in den Bügeln ist das aber nicht möglich. Also entweder die Huawei-Brille sitzt, oder eben nicht.

Detail der Huawei Gentle Monster Eyewear II
Detail der Huawei Gentle Monster Eyewear II

Der dritte Kritikpunkt ist ein zweischneidiges Schwert. Denn es geht um den Preis. Die Brillen von Huawei kosten um 300 Euro – ohne optisches Glas. Das heißt, du musst noch einmal deine Brillengläser inklusive Einpassung mit dazu rechnen. Zusammengenommen kommen dann locker 400 Euro auf dich zu. Verglichen mit guten In-Ear-Kopfhörern ist die Lösung also teurer, doch hat man eben auch eine stylische Markenbrille und ein hervorragendes Headset zum Telefonieren. Dazu spart man sich ein Gadget, das man verlieren, verlegen und vergessen kann.

Fazit: Für wen ist die Huawei-Brille geeignet und für wen nicht?

Die Gentle Monster Eyewear II ist nicht für jeden geeignet. Ausgeschlossen sind die, die ihre Brillen stark an die Ohren anpassen müssen, HiFi-Fans, ANC-Anhänger und in geringerem Maße Sportler. Doch wer soll sie dann tragen? Am stärksten ist die smarte Huawei-Brille, wenn es darum geht, unterwegs zu telefonieren und wenn man beide Hände braucht. Im Straßenverkehr ist sie ebenfalls sehr gut geeignet. In einer Büroumgebung oder anderen Tätigkeiten, in denen man angesprochen werden, aber dennoch seine eigene Musik hören will, ist sie ebenfalls das Mittel der Wahl. Somit ergeben sich einige Anwendungsmöglichkeiten.

Vorteile der Gentle Monster Eyewear II

  • Modisch, trotz Tech-Anspruch
  • einfache Bedienung
  • tolle Telefonqualität
  • Keine Kopfhörernachteile

Die Nachteile der smarten Huawei-Brille

  • Nur vier Designs
  • Kein HiFi-Klang
  • Manchmal zu leise
  • Probleme mit Google Meet

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