Im Nachtzug durch Europa: Nightjet statt Flugzeug - so geht's

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Der Bahnverkehr in Europa erlebt eine Zeitenwende. Denn in Zukunft sollen deutlich mehr Nachtzüge verkehren. Und das nicht nur innerhalb einzelner Länder, sondern auch grenzüberschreitend. Fünf neue Linien stehen schon fest. Sie sollen insgesamt 13 europäische Metropolen miteinander verbinden.
Nachtzug
Mit dem Nightjet reisen? Ab Ende 2021 auf weiteren Verbindungen möglich.Bildquelle: ÖBB

Auch wenn es in Zeiten der großen Corona-Pandemie noch ein wenig befremdlich klingt: Das Fahren mit dem Zug soll in Zukunft auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus attraktiver werden. Deutschland, Österreich, Frankreich und die Schweiz bauen deswegen ihre nach eigenen Angaben erfolgreiche Partnerschaft im Nachtzugverkehr aus. Bis 2024 sollen Schritt für Schritt neue internationale Nightjet-Verbindungen an den Start gehen. Das Ziel: Europa soll enger zusammenwachsen und klimafreundlichen Verkehr auf der Schiene ermöglichen.

Trans-Europ-Express TEE 2.0 startet

Die Deutsche Bahn (DB), die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die französischen SNCF haben sich bereits Ende 2021 darauf verständigt, ihre Zusammenarbeit auszubauen. Fünf neue Nightjet-Linien sollen in den kommenden Jahren insgesamt 13 europäische Millionenmetropolen miteinander über Nacht verbinden. Konkret geht es um die folgenden Verbindungen:

  • Wien – München – Paris (ab Dezember 2021)
  • Zürich – Köln – Amsterdam (ab Dezember 2021)
  • Zürich – Rom (ab Dezember 2022)
  • Wien / Berlin – Brüssel / Paris (ab Dezember 2023)
  • Zürich – Barcelona (ab Dezember 2024)

Schon heute sind europaweit viele Ziele mit dem Nachtzug der ÖBB zu erreichen. Die folgenden Nightjet-Verbindungen stehen Stand heute bereits zur Verfügung:

  • Berlin – Breslau – Wien
  • Berlin – Magdeburg – Freiburg – Basel – Zürich
  • Hamburg – Hannover – Freiburg – Basel – Zürich
  • Hamburg – Hannover – München – Innsbruck
  • Hamburg – Hannover – Passau – Linz – Wien
  • München – Rosenheim – Verona – Gardasee – Mailand
  • München – Rosenheim – Bologna – Florenz – Rom
  • München – Rosenheim – Udine – Treviso – Venedig
  • Amsterdam – Düsseldorf – Köln – Frankfurt – München – Innsbruck
  • Amsterdam – Düsseldorf – Köln – Frankfurt – Linz – Wien
  • Brüssel* – Frankfurt – Linz – Wien (* nicht täglich)

Nachtzüge auch nach Osteuropa verfügbar

Dazu kommen EuroNight Züge, die vor allem zu Zielen in Osteuropa verkehren. Auf diesen Verbindungen kommen Züge von Partnerbahnen wie der MAV (Ungarn), CD (Tschechien) oder PKP (Polen) zum Einsatz. Fahrkarten für Nightjet-Nachtzüge kannst du dir am besten im Vorverkauf buchen. Das erspart dir teure Zuschläge, die für den Ticketkauf im Zug erhoben werden.

Sparschein-Tickets kosten im Sitzplatzwagen eines Nightjet in der Regel mindestens 29,90 Euro, Liegewagen stehen ab 39,90 Euro zur Verfügung. Besonders komfortable Schlafwagenplätze kosten je nach Abteilart im günstigsten Fall zwischen 66,90 und 159,90 Euro. Ein komplettes Sitzwagen-Abteil für 1 bis 3 Personen (maximal 2 Kinder bis 14 Jahre) steht ab 99 Euro zur Verfügung. Fährst du mit einem ICE oder IC der Deutschen Bahn nur in Deutschland durch die Nacht, kannst du schon ab 17,90 Euro im Nachtzug unterwegs sein.

Wenn du dich für einen Platz im Sitzwagen entscheidest, ist eine Sitzplatzreservierung im Preis inklusive. Im Liegewagen erhältst du nicht nur eine Liege in einem von dir gebuchten Abteil, sondern auch ein Mineralwasser am Abend und ein kleines Frühstück am Morgen. Im Schlafwagen gibt es on top abends einen Aperitif und eine Zeitung am Abend sowie ein à la carte Frühstück am Morgen und Toilettenartikel. Grundsätzlich stehen gegen Bezahlung warme und kalte Snacks und Getränke zur Verfügung. Für allein reisende Frauen stehen auch sogenannte Damenabteile in Liegewagen zur Verfügung.

Nachtzug-Angebot in Zusammenarbeit mit anderen Bahn-Gesellschaften

Um die Klimaziele der EU zu erreichen sei ein starkes Schienennetz unverzichtbar, heißt es bei der Deutschen Bahn. Dazu gehöre auch ein starkes Nachtzugnetz. Richard Lutz, Chef der Deutschen Bahn, sagte anlässlich der Verkündung der Nachtzug-Offensive: „Europas führende Bahnen vereinen ihre Kräfte für den Nachtzug. Das ist ein guter Tag für das Klima, unsere Kunden und das Zusammenwachsen Europas auf der Schiene.“ Der Bahn-Chef betonte damals auch, dass das Nachtzug-Angebot nur gemeinsam erfolgreich sein könne. „Wenn jede Bahn ‚ein bisschen Nachtzug‘ machen würde, wäre niemandem geholfen.“ Genau aus diesem Grund hatte die DB ihr Nachtzug-Angebot vor einigen Jahren auch eingestellt; und in Zusammenarbeit mit der ÖBB kurze Zeit später wieder reaktiviert.

Neue Nachtzüge ab 2021 in Europa
Die neuen, geplanten Nachtzug-Verbindungen in Europa.

Deutschland spiele schon allein aufgrund seiner Größe und Lage eine wichtige Rolle im europäischen Nachtzugnetz, ist Lutz überzeugt. Deswegen sei es notwendig, heutige Angebote für Kunden attraktiver zu machen. Das betreffe nicht nur die Bereitstellung von Verbindungen an sich, sondern auch das Wagenmaterial, mit dem man in Zukunft zum Beispiel über Nacht von Berlin nach Brüssel oder Paris reisen können soll.

Die ÖBB gaben zuletzt Investitionen von 500 Millionen Euro und die Bestellung von 20 weiteren Nachtzügen bekannt. Die neuen Nightjets mit Gratis-WLAN an Bord sollen ab 2022 das Reisen über Nacht mit mehr Privatsphäre und höherem Komfort noch angenehmer machen. Sie bestehen aus zwei Sitzwagen, drei Liegewagen und zwei Schlafwagen. Besonders viel Luxus bieten die neuen Schlafwagen. Denn zukünftig verfügen die Standard- und Deluxe-Abteile über eine eigene Toilette und Duschmöglichkeit. Die bisher gewohnten Abteile soll es in einem neuen Design weiterhin geben. Das nachfolgende Video zeigt die neuen Nightjet-Abteile im Detail.

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EU hat noch weitreichendere Ideen

Die EU-Kommission will unterdessen im Kampf gegen den Klimawandel die Mobilität in Europa grundsätzlich auf neue Füße stellen. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf ein ihr vorliegendes Strategiepapier. Ziel sei es unter anderem bis 2030 doppelt so viele Hochgeschwindigkeitszüge wie bisher auf europäischen Schienen fahren zu lassen. Parallel dazu soll sich die Zahl der Elektroautos auf europäischen Straßen auf mindestens 30 Millionen erhöhen. Erst kürzlich hatte die EU-Kommission beschlossen, ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr neu zulassen zu wollen.

Bis 2050 will die EU den Frachtverkehr auf der Schiene verdoppeln und den Hochgeschwindigkeitsverkehr sogar verdreifachen. Völlig offen ist aber, ob das nur durch zusätzliche Kapazitäten oder auch durch den Ausbau der Bahn-Infrastruktur gelingen soll.

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1 KOMMENTAR

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