Auf eBay häufen sich aktuell extrem verlockende Angebote für eines der gefragtesten digitalen Tools der Welt. Zum Verkauf steht ein ganzes Jahr Premium-Zugang zum absoluten Spottpreis: Doch wer hier zuschlägt, verliert nicht nur schnell sein Geld, sondern gibt den Verkäufern vollen Zugriff auf die eigenen, privatesten Eingaben.
Das verlockende Angebot: 229 Euro vs. 16 Euro
Als ich vor einigen Tagen durch eBay scrollte, um nach Videospiel-Auktionen zu suchen, geriet ich ins Stocken. Auf einer erschreckend großen Anzahl an Auktionsangeboten wurden mir diverse Schnäppchen angeboten, die Zugang zu ChatGPT Plus und Pro versprechen. Nicht nur ein Rabatt auf eines der Abonnements, nein, es soll ein Einmalbetrag für ein komplettes Jahr des Chatbots sein.
Einen potenziellen Betrug witternd, habe ich mir die Deals im Detail angesehen und auch auf die Bewertungen der Verkäufer geachtet. Wie kann ein Abonnement, das im günstigsten Fall bei Plus schon bei rund 23 Euro und für Pro bei stolzen 229 Euro pro Monat liegt, für unter 20 Euro Einmalzahlung möglich sein? Noch auffälliger: Wie konnten Nutzer darüber berichten, dass es funktioniert hat und sie den Zugang erhalten haben?

Das Angebot wirkte wie ein Betrug, die Bewertungen hingegen behaupteten das Gegenteil. Mein Interesse war geweckt, also habe ich für dich tiefer gegraben und bin auf ein Problem gestoßen, das tiefer reicht, als ich zunächst vermutet hatte. Mein erster Impuls war, dahinter einen großangelegten Betrug zu vermuten, der womöglich mit gekauften positiven Bewertungen arbeitet, um ausreichend Käufer anzuziehen, bevor er auffällt. Das hätte jedoch wesentlich früher von eBay bemerkt werden müssen. Auch waren einige der Bewerter schon länger Mitglieder bei eBay, sodass nicht alle nur von solchen gekauften Bewertungen stammen konnten.
Mein Undercover-Test startet
Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe ich selbst 16 Euro investiert – den angeblichen Preis für ein ganzes Jahr ChatGPT Pro. Die genauen Verkäufernamen und E-Mail-Adressen habe ich aus den Screenshots geschwärzt, um mir den Account für die Recherche in Zukunft nicht zu „verbrennen“. Du wirst zum aktuellen Zeitpunkt vermutlich ohnehin schon andere Angebote unter neuen Benutzernamen nach ähnlichem Prinzip sehen.
Kurz nach dem Kauf forderte mich der Verkäufer auf, ihm eine E-Mail-Adresse zu nennen. Wenig später landete tatsächlich ein funktionierender Einladungslink in meinem Postfach. Doch dieser Link offenbarte das wahre, erschreckende Geschäftsmodell hinter dem „Schnäppchen“.
So funktioniert die perfide Masche
Hinter dem Angebot steckt kein geheimer Rabattcode, sondern der Missbrauch der sogenannten Business Workspaces. Diese Funktion ermöglicht es Firmen, Mitarbeiter in einen gemeinsamen Arbeitsbereich (Workspace) einzuladen, was pro Kopf deutlich günstiger ist – besonders, wenn der Account in Regionen mit niedrigeren Preisen registriert wurde. Solches Account-Sharing verstößt natürlich massiv gegen die Richtlinien von OpenAI.

Das ist jedoch noch dein kleinstes Problem. Wer dieses Angebot nutzt, setzt sich zwei gewaltigen Risiken aus:
- Gefahr 1: Der totale Daten-Striptease
Neben mir wurden etliche andere eBay-Käufer in denselben Workspace eingeladen. Was viele nicht wissen: Als Administrator eines solchen Workspaces (in diesem Fall der eBay-Verkäufer) hat man weitreichende Befugnisse. Der Admin kann die Einstellungen so anpassen, dass er auf sämtliche Daten und Chatverläufe der Mitglieder zugreifen kann. Als Käufer hast du keine Chance zu überprüfen, ob diese Überwachungsfunktion aktiv ist. Du lieferst dem Verkäufer potenziell sensible Firmen- oder Privatdaten auf dem Silbertablett. - Gefahr 2: Plötzliche Sperrung und Datenverlust
Selbst wenn dir der Datenschutz völlig egal ist, lohnt sich der Kauf nicht. In meinem Test hat OpenAI nur wenige Tage gebraucht, um den illegalen Workspace aufzuspüren und komplett zu sperren. Die Folge: Das Geld ist weg, und alle Prompts, Texte oder Projekte, die du bis dahin erarbeitet hast, sind unwiederbringlich verloren.
Eine Falle mit rechtlichen Grauzonen
Selbst wenn man all diese Risiken in Kauf nimmt, sollte dir bewusst sein, dass sich dieses Angebot nicht lohnt. OpenAI hat nur wenige Tage gebraucht, um den Workspace zu sperren. Alle Arbeit, die du bis dahin in irgendwelche Projekte investiert hast, wäre damit für dich nicht mehr zugänglich.
Auswirkungen auf private Konten hat es nach meiner Kenntnis bisher nicht. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass Nutzer, die das Angebot solcher Seiten annehmen und immer wieder neu in Workspaces eingeladen werden, irgendwann auch als IP-Adresse von OpenAI gesperrt werden. Nach meinem Kenntnisstand geht OpenAI bisher nicht rechtlich gegen Nutzer vor, sondern bannt nur die Workspace-Konten. Das könnte sich bei einer Flut an solchen Accounts jedoch zukünftig ändern. Ähnlich wie mittlerweile die deutsche Justiz auch gegen solchen Schnäppchen-Angebote für Streaming-Anbieter vorgeht.
Schutz vor IP-Sperren: Wenn du viel auf Plattformen wie eBay oder Kleinanzeigen unterwegs bist oder befürchtest, durch solche Grauzonen-Angebote ins Visier von Netzwerksperren zu geraten, lohnt sich die Verschleierung deiner IP-Adresse. Mit einem verlässlichen VPN-Dienst wie NordVPN bestimmst du selbst, wer deine IP-Adresse erhält.
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