Rund drei Jahre ist es her, dass die VW-Tochter Lamborghini mit ehrgeizigen E-Auto-Plänen überraschte. Ein Sportcoupé mit Crossover-Genen, das auf den Namen Lanzador getauft wurde, sorgte schnell für Gesprächsstoff – auch über den Volkswagen-Konzern hinaus. Doch in Italien hat ein Umdenken stattgefunden. Ein reines E-Auto, eigentlich für das Ende des laufenden Jahrzehnts fest eingeplant, soll es von Lamborghini nun doch nicht geben. Stattdessen liegt der Fokus fortan auf Plug-in-Hybriden (PHEVs).
Lamborghini-Chef erteilt dem E-Auto eine Absage
In einem Gespräch mit der Sunday Times äußerte Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann die Befürchtung, dass die Entwicklung eines E-Autos für den Hersteller „zu einem teuren Hobby“ werden könnte. Mit anderen Worten: Bei Lamborghini rechnet man nicht mehr damit, die Entwicklungskosten für ein neues E-Auto wieder einspielen zu können. Auf den ersten Blick eine überraschende Aussage, denn E-Autos kommen unter anderem in Deutschland immer mehr in Schwung.
Doch Winkelmann stellt im Gespräch mit der britischen Zeitung klar, dass die Akzeptanzkurve für batterieelektrische Pkw bei Lamborghini-Kunden „nahezu bei Null“ liege. Deswegen habe man sich entschieden, den Lanzador nicht als E-Auto, sondern als Plug-in-Hybrid auf den Markt zu bringen. Also mit E-Motor einerseits, aber auch mit einem Verbrenner für echten Sportwagen-Sound und eine höhere Reichweite.
Neu ist der Ausflug in die PHEV-Welt für Lamborghini nicht. Unter anderem der Urus ist bereits als Plug-in-Hybrid zu haben. Und laut Winkelmann steht bereits fest, dass es neue „Lambos“ heute und in Zukunft noch so lange wie möglich mit Verbrennungsmotor zu kaufen geben wird. Ein Grund: Wer sich einen Sportwagen kaufen möchte, habe gegenwärtig in aller Regel noch keine sonderlich große emotionale Bindung zur E-Mobilität, ist Markenchef Winkelmann überzeugt. Es fehle das Geräusch eines Verbrennungsmotors, das bei einem Sportwagen einfach Teil der DNA sei.

Fokus auf Plug-in-Hybride
Umso wichtiger sei es nun, mit weiteren Teilzeitstromern zu punkten. Sie böten, so Winkelmann weiter, „das Beste aus beiden Welten: Sie kombinieren die Agilität und den Ansprechdruck bei niedrigen Drehzahlen der Elektrobatterie mit dem Fahrgefühl und der Leistung eines Verbrennungsmotors.“ So nachvollziehbar der Schritt aus Sicht von Lamborghini klingt, so überraschend ist er doch. Denn Konkurrent Ferrari geht einen ganz anderen Weg und möchte in Zukunft auch mit E-Autos bei Fans punkten. Die Präsentation des Ferrari Luce wird bereits eifrig vorbereitet und noch für das bevorstehende Frühjahr erwartet.
