- Teilen
Inhaltsverzeichnis
Der 15. Oktober steht in keinem Kalender als Feiertag. Für dein Bankkonto ist er trotzdem wichtiger als Silvester. Bis zu diesem Stichtag müssen Deutschlands Netzbetreiber ihre Hosen herunterlassen und verkünden, was sie im nächsten Jahr für den Transport von Strom kassieren. Vor einem Jahr durfte sich die Bundesregierung noch als Retter aufspielen: Sie stopfte 6,5 Milliarden Euro Steuergeld ins Netz, die Gebühren sanken spürbar. Für 2027 hat der Energiedienstleister Ene’t für Finanztip die vorläufigen Zahlen ausgewertet. Sie passen auf eine Deutschlandkarte. Die ganze Wahrheit aber passt nicht drauf.
Strom-Karte 2027: Die Maut für die Kilowattstunde
Netzentgelte sind die Mautgebühr für Strom. Bezahlt wird der Weg vom Windrad bis zum Toaster. Nach Zahlen des BDEW fressen diese Gebühren rund ein Viertel deiner Stromrechnung: gut 9 Cent pro Kilowattstunde. Im bundesweiten Schnitt bewegt sich 2027 scheinbar kaum etwas. Wer jetzt aufatmet, hat die Karte noch nicht gedreht.
Gerechnet für einen typischen Drei-Personen-Haushalt mit 3.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch trennen das Saarland und Sachsen künftig Welten. Im Saarland steigen die Netzentgelte im Schnitt um 30 Euro, in Bremen um 23 Euro. Sachsen zahlt 18 Euro weniger, NRW spart immerhin 9 Euro.
Die Postleitzahlen-Lotterie
Ein Landesschnitt ist eine bequeme Illusion. Er glättet das Chaos der regionalen Monopolisten, und die langen teils hemmungslos zu. Bei der bayerischen Überlandzentrale Wörth/I. – Altheim Netz klettern die Gebühren um 32 Prozent – satte 94 Euro mehr im Jahr. Verkehrte Welt wenige hundert Kilometer weiter: Die Stadtwerke Parchim in Mecklenburg-Vorpommern senken ihre Entgelte um 20 Prozent, was rund 69 Euro spart. Die Deutschlandkarte zeigt bestenfalls das Großwetter. Ob dir der Hagel die Rechnung zerbeult, entscheidet allein deine Postleitzahl.
→ Treue-Strafe beim Strom: Nach einem Jahr wird abgezockt
Was auf keiner Strom-Karte steht
Neben der Netzmaut stehen auf jeder Rechnung Posten, die vom Staat diktiert werden und von Flensburg bis Passau auf den Cent identisch sind. Genau hier lauert der eigentliche Preisschock: Drei staatliche Umlagen ziehen 2027 kräftig an.
- Der Aufschlag für besondere Netznutzung (mit dem Bürger Großverbraucher querfinanzieren) springt um rund 30 Prozent von 1,6 auf 2,0 Cent pro Kilowattstunde.
- Die Offshore-Netzumlage klettert von 0,9 auf über 1,1 Cent.
- Die KWKG-Umlage stagniert bei gut 0,5 Cent.
Unterm Strich klettert der Umlagenteil von knapp 2,9 auf über 3,6 Cent pro Kilowattstunde. Für die 3.000-kWh-Familie bedeutet das rund 24 Euro Mehrkosten – inklusive Mehrwertsteuer.
Zur Erinnerung: Die berüchtigte EEG-Umlage wurde 2022 unter großem Schulterklopfen beerdigt, um die Bürger zu entlasten. Ihre drei kleinen Schwestern schicken sich nun an, das Erbe eins zu eins anzutreten. Im sächsischen Musterhaushalt frisst dieser staatliche Zuschlag die gesamte Netzersparnis auf. Im Saarland treibt er das Minus auf über 50 Euro.
Das 5,5-Milliarden-Pokerspiel
Selbst die aktuellen Zahlen stehen auf tönernen Füßen. Alle vorläufigen Tarife basieren auf einem frommen Wunsch: dass Berlin erneut Milliarden zuschießt. Geplant sind für 2027 noch 5,5 Milliarden Euro für das Übertragungsnetz. Das ist fast eine Milliarde weniger als im Vorjahr.
Selbst mit dieser Finanzspritze steigen die Kosten für die Stromautobahnen spürbar. Ohne sie würden sie explodieren: von 3,5 auf 6,5 Cent. Beschlossen ist im Bundestag bisher nichts. Die Netzbetreiber brauchen bis zum 7. Dezember Rechtssicherheit. Passiert bis dahin nichts, korrigieren sie ihre Preisschilder noch vor Silvester nach oben.
Der Berliner Stromsteuer-Joker
Dabei hätte die Politik den einfachsten Hebel selbst in der Hand: die Stromsteuer. Privathaushalte berappen 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Die EU erlaubt längst 0,1 Cent. Senkte der Bund die Steuer auf diesen Mindestsatz, sparte die Musterfamilie rund 70 Euro im Jahr. Das würde jeden Gebührenanstieg auf der Landkarte mit einem Schlag pulverisieren.
Das Versprechen existiert bereits. Erst stand es im Koalitionsvertrag, bekommen haben die Senkung aber nur Industrie und Landwirtschaft. Kanzler Merz wiederholte die Zusage für alle Bürger im Oktober medienwirksam. Lars Klingbeil winkte dann aber angesichts klammer Kassen prompt ab. Ein Gesetzesentwurf? Fehlanzeige. Privathaushalte werden seit Jahren mit derselben Ankündigung vertröstet. Recycling funktioniert im Regierungsviertel eben doch.
Selbst wenn der Beschluss fiele: Automatisch senkt kaum ein Anbieter die Preise. Nur Grundversorger müssen Steuersenkungen sofort weitergeben; Sondervertrags-Kunden warten meist bis zur nächsten regulären Preisanpassung.
→ Spritpreise 2027: So teuer werden Benzin und Diesel
Was du jetzt tun kannst
Gegen Steuern und Umlagen gibt es keine Abwehr. Gegen gierige Netzbetreiber hilft das richtige Timing. Da Energieversorger neue Netzentgelte erst mit Wochen Verzögerung an Neukunden durchreichen, gilt eine Faustregel:
- Deine Netzentgelte steigen? Jetzt wechseln. Sichere dir noch im Spätherbst einen Tarif mit Preisgarantie, der auf den alten Netzkosten kalkuliert ist. Das geht auch auf Vorrat, wenn dein Altvertrag erst in einigen Monaten ausläuft: Abschluss heute, Lieferbeginn später.
- Deine Netzentgelte sinken? Füße stillhalten. Warte bis Januar oder Februar, bis Versorger die sinkenden Transportkosten in ihre Tarife für Neukunden einpreisen. Wer jetzt voreilig unterschreibt, zementiert die alten, höheren Preise.
Welcher Netzbetreiber für deine Adresse zuständig ist, steht auf der letzten Jahresabrechnung. Auf dessen Website findest du das „vorläufige Preisblatt 2027 für Netzentgelte“.
Sollte dir der Versorger zum Jahreswechsel eine Preiserhöhung schicken, greift das Sonderkündigungsrecht: Du hast ab Erhalt des Briefs mindestens einen Monat Zeit zum Ausstieg. Auf Steuersenkungen aus Berlin zu spekulieren, lohnt sich beim Tarifvergleich nicht. Eine Landkarte, auf der Nichtstun belohnt wird, ist in Deutschland noch nicht erfunden.
enviaM
MEIN STROM relax
12 Monate Mindestlaufzeit
- 279,00 € Sofortbonus
- 63,00 € Verbrauchspreisnachlass
- 12 Monate Preisgarantie
- Vertragslaufzeit nur 12 Monate
im 1. Jahr 1101,30 €* 91,78 €*
E.ON
E.ON ÖkoStrom FixPreis30
24 Monate Mindestlaufzeit
- 365,01 € Neukundenbonus
- 30 Monate Preisgarantie
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1119,79 €* 93,32 €*
Vattenfall
ÖkoStrom24
24 Monate Mindestlaufzeit
- 35,00 € Sofortbonus
- 182,00 € Treuebonus
- 24 Monate eingeschränkte Preisgarantie
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1147,30 €* 95,61 €*
E.ON
E.ON Home Charge 24
24 Monate Mindestlaufzeit
- 356,00 € Neukundenbonus
- 24 Monate Preisgarantie
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1152,99 €* 96,08 €*
Vattenfall
ÖkoStrom12
12 Monate Mindestlaufzeit
- 10,00 € Sofortbonus
- 187,00 € Treuebonus
- 12 Monate eingeschränkte Preisgarantie
- Vertragslaufzeit nur 12 Monate
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1181,30 €* 98,44 €*
E.ON
E.ON Home Charge 12
12 Monate Mindestlaufzeit
- 330,00 € Neukundenbonus
- 12 Monate Preisgarantie
- Vertragslaufzeit nur 12 Monate
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1259,94 €* 104,99 €*
MONTANA
ÖkoStrom Direkt (24M)
24 Monate Mindestlaufzeit
- 84,03 € Sofortbonus
- 237,65 € Rabatt
- 24 Monate eingeschränkte Preisgarantie
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1262,64 €* 105,22 €*
SachsenEnergie
Ökostrom Planbar
18 Monate Mindestlaufzeit
- 90,00 € Neukundenbonus
- 24 Monate Preisgarantie
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1279,48 €* 106,62 €*
GASAG
GASAG Spreestrom 24
24 Monate Mindestlaufzeit
- 250,00 € Sofortbonus
- 24 Monate Preisgarantie
- 100 € Amazon Gutschein
(siehe Tarifdetails/Sonstiges)
im 1. Jahr 1291,07 €* 107,59 €*
100 € Amazon Gutschein
Jetzt 100 Euro Amazon.de Gutschein mit Code: GASAG100 sichern!
GASAG
GASAG STROM Direkt 12
12 Monate Mindestlaufzeit
- 10,00 € Neukundenbonus
- 250,00 € Sofortbonus
- 12 Monate Preisgarantie
- Vertragslaufzeit nur 12 Monate
- Strom zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
im 1. Jahr 1293,41 €* 107,78 €*
Wer keine Lust hat, Preisblätter zu wälzen und den richtigen Moment für den Wechsel abzupassen, kann das abgeben. Der Berliner Wechselservice remind.me sucht einen neuen Tarif, kündigt den alten Vertrag und übernimmt den kompletten Wechsel. Kündigt der Versorger eine Preiserhöhung an, reagiert der Dienst nach eigenen Angaben ebenfalls. Für Kunden ist das kostenlos, remind.me finanziert sich über Provisionen der Energieversorger. Anbieter, bei denen Ärger mit dem Bonus oder eine Pleite droht, vermittelt das Unternehmen nach eigener Aussage nicht.
Die endgültigen Netzentgelte kommen zum Jahreswechsel, über die Stromsteuer entscheidet die Koalition vielleicht schon mit dem Haushalt Ende November. Was davon bei dir ankommt, liest du in unserem WhatsApp-Kanal life & money: Geld, Strom, Rente und Verbraucherrecht, kurz und ohne Umweg aufs Handy. In den Umfragen redest du mit. Netzentgelt kostet der Kanal übrigens keins.
