Stiftung Warentest: Erschreckend schlechtes Ergebnis für Online-Fitnessstudios

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Online-Fitnessstudios boomen - und das nicht erst seit Corona und dem Lockdown. Viele halten sich lieber bequem zuhause fit. Doch funktionierten die Studios wie lokale vor Ort? Die Stiftung Warentest hat Fitnessstudios unter die Lupe genommen und fällt ein kritisches Urteil.
Frau beim Sport
Bildquelle: Unsplash

Im Wohnzimmer oder Schlafzimmer die Matte ausgerollt, Laptop an, Kurs starten – fertig. Zuhause Sport zu machen ist nicht erst seit der Corona-Pandemie eine beliebte Alternative. Der Weg zum Studio fällt weg, was für viele ein Pluspunkt ist. Doch sind Online-Fitnessstudios genauso gut wie ihre Pendants lokal vor Ort? Die Stiftung Warentest hat verschiedene Angebote getestet.

Zu den Rahmenbedingungen: Getestet wurde das Angebot von vier Sportwissenschaftlern. Im Zentrum des Tests standen neben Sportkursen auch Fitness-Apps auch YouTube-Kanäle. Warum vor allem die YouTube-Kanäle nicht das halten, was sie versprechen, erfährst im nachfolgenden Text.

Fit mit YouTube: Kanäle können Versprechen nicht halten

Die Stiftung Warentest nahm drei Kanäle der großen Video-Plattform in den Test: Paulina Wallner, Gabi Fastner und Happy und Fit. Alle drei YouTube-Kanäle mit Kursen bewegen sich alle im Bereich der Note „Befriedigend“.

Am schlechtesten bewertet ist schnitt dabei der Kurs von Paulina Wallner mit einer Note von 3,7 ab, die mehr kommerziellen Content als sportwissenschaftlich fundierte Trainingsanleitungen gibt. Nicht kommerziell, dafür aber ein wenig mehr sportwissenschaftliches Angebot bietet Gabi Fastner. Ihr Kanal besteht bereits seit 2006 und richtet sich – im Gegensatz zu vielen anderen Kanälen – an ein älteres Publikum. Da allerdings keine Risikohinweise bei tendenziell gefährlichen Übungen eingeblendet wurden und das Angebot unübersichtlich ist, gibt es auch für Fastner lediglich die Note 3,0.

Etwas besser (2,9) kommt der Kanal von Happy and Fit Fitness im Test der Stiftung Warentest davon. Unter dem Namen laufen verschiedene Sportarten, die auf unterschiedlichen Kanälen explizit vertrieben werden.

Anders als bei Online-Fitnessstudios fällt die individuelle Betreuung und ein Angebot von Trainingsplänen oder Ernährungsberatung bei YouTube jedoch weg. Die Stiftung Warentest bewertet die entsprechenden Kurse vielmehr als kurzfristige Alternative. Bei langfristigen Zielen solltest du dich aber zu einem kostenpflichtigen Studio oder den professionelleren Kursen online orientieren.

Fitness-Apps im Test: Gymondo an der Spitze

Anders sieht es bei Fitness-Apps aus. Ein kostenpflichtiger Anbieter sollte mehr bieten als ein YouTube-Kanal, was alle getesteten Apps vorweisen können. Registrierst du dich bei einem der App-Anbieter, gibt man zu Beginn unter anderem Gewicht, Größe und Alter an, um das Sportziel besser definieren zu können. Aber: Die Angaben ändern bei den meisten Anbietern die Kursauswahl nicht, sondern die Vorschläge bleiben gleich. Nur bei Gymondo wird dieses individuell an deine Statur angepasst.

Fitness-Website Gymondo überzeugt am meisten mit Kursqualität, Trainingsbegleitung und Bedienung der Website und App. Das erklärt die Note 2,0. Auch Fitnessraum erhält die Note gut (2,3) für sportwissenschaftlich solide Kurse. Schlechter abgeschnitten hat Fitnessraum, weil der Gesundheitszustand kaum erfasst wurde. Auch gibt es keine Ernährungsberatung. Negativ viel den Sportwissenschaftlern auch der Umgang mit dem Datenschutz auf. Sowohl Gymondo als auch Fitnessraum senden ungerechtfertigt viele Daten.

Pure-life und My Fitness Video enttäuschen

Unter den schlechteren Testergebnissen findet sich auch die teuerste Fitness-App, Bodyshape. Sie bekommt die Endnote 2,7 im Test. Trotz des hohen Preises bietet Bodyshape mit 78 Kursen das kleinste Kursangebot. Denn hier geht es nur um das eine: die Bikinifigur. Als kleinen Ausgleich gibt es aber einen Kalorienrechner im Ernährungsteil.

Pur-life hat sich etwas ausgedacht, um Kurse individueller zu machen: Hier ist es möglich, im Live-Stream mit dem Trainer zu chatten. Trotzdem schneidet Pur-life schlecht (3,7) ab. Denn es gibt in der Datenschutzerklärung der Website klare Gesetzesverstöße. Darüber hinaus fehlte den Sportwissenschaftlern wichtige Informationen zur Ernährung.

Das Schlusslicht bildet My Fitness Video. Der Anbieter glänzt zwar mit den besten Yoga-Videos im Test. Die Note ausreichend (3,8) gibt es, weil man Nutzer kaum betreut. Man erfasst den Gesundheitszustand nicht, statt Ernährungsangeboten gibt es Rezepte und Fragen der Test-Kunden wurden nicht beantwortet. Als einziger Online-Anbieter gibt es hier außerdem keine App.

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