KOMMENTAR

Deutschland knickt ein! Kanzler bestraft lieber Kinder als Big Tech

4 Minuten
Der CDU-Parteitag bestätigte die Befürchtung, dass derzeit nicht viel nach vorne geht in Deutschland. Sinnbildlich dafür steht das angepeilte Social-Media-Verbot unter 14 des Kanzlers. Die SPD denkt übrigens ganz ähnlich. Meine Meinung? Das ist eine nationale Bankrotterklärung!
Ein Jugendlicher sieht auf seinem Smartphone, dass er sich nicht bei Social Media einloggen kann. Im Hintergrund leuchten aber die Logos von Instagram, X und TikTok
Wir sollten lieber den Konzernen in den Hintern treten statt den Kids.Bildquelle: inside digital / KI-generiert mit Nano Banana Pro

Ja, es ist ein Bild von fast rührender Rückwärtsgewandtheit: Auf dem CDU-Parteitag 2026 in Stuttgart sonnt sich Friedrich Merz in seinen 91,2 Prozent Zustimmung, während Markus Söder ihm ewige Treue als Kanzler schwört. In dieser wohligen GroKo-Harmonie wird ein Beschluss gefasst, der wie ein politisches Beruhigungspflaster auf eine klaffende gesellschaftliche Wunde wirken soll: Ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren.

Ist das noch Regieren oder schon Resignation?

Dass die SPD in ihrem neuesten Positionspapier fast wortgleich in dasselbe Horn stößt und eine „technisch wirksame Unterbindung“ fordert, markiert den Offenbarungseid einer deutschen, digitalen Steinzeit. Offensichtlich verständigt sich Deutschland auf den faulsten aller Wege: Statt die räuberische Architektur der Plattformen zu bändigen, exkommuniziert man die Schwächsten digital. Es ist pure politische Heuchelei, die den Schutz der Jugend vorgaukelt, während man vor der eigentlichen Bedrohung bedingungslos kapituliert.

Das Problem sind nicht unsere Kinder, sondern Plattformen, die wie digitale Dealer funktionieren. TikTok und Instagram verkaufen keine Unterhaltung, sie verkaufen die Aufmerksamkeit unserer Kinder – und zwar mit Methoden, die auf maximale Abhängigkeit programmiert sind. Die Wissenschaft bestätigt: Diese Apps simulieren echte Nähe und Freundschaft nur, um uns so lange wie möglich vor dem Bildschirm zu fesseln. Es ist eine Suchtmaschine, die mit unseren tiefsten Instinkten spielt, nur um Klicks in Kohle zu verwandeln.

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Attacke aufs Gehirn!

Wir reden hier von einem neurochemischen Präzisionsangriff: Das jugendliche Gehirn ist bis zum Alter von Mitte 20 eine hormonelle Baustelle, auf der der präfrontale Kortex – da sitzt unsere Impulskontrolle – noch im Rohbau steht. Während Erwachsene die App verlassen können, bleiben Kinder im Feuerwerk der Bilder, Videos und Impulse hängen, das auf maximale Dopamin-Ausschüttung programmiert ist. Die Politik kennt diese süchtig machenden Designs genau, doch anstatt die Algorithmen-Architektur der Tech-Milliardäre gesetzlich zu zertrümmern, sperrt man die Opfer aus.

Besonders grotesk wird die Debatte, wenn man den rechtlichen Rahmen betrachtet. Mit dem Digital Services Act (DSA) existieren die Werkzeuge zur Bändigung systemischer Risiken längst. Doch die Bundesregierung zittert vor den Rechtsabteilungen in Dublin. Statt Big Tech mit seinen algorithmisch verhunzten Plattformen ans Bein zu pinkeln, will man also lieber die Kinder ausschließen.

Nicht falsch verstehen: Es ist richtig, dass was dagegen unternommen wird, dass der Plattform-Müll halb-fertige Kindergehirne penetriert. Aber wieso um Gottes Willen soll man die Teilhabe junger Menschen beschneiden, wenn man viel effektiver Tech-Milliardären erklären könnte, was sie dürfen – und was vor allen Dingen nicht! Während Brüssel am Digital Fairness Act arbeitet, flüchtet sich die heimische Politik aber lieber in Symboldebatten, um ihre eigene Feigheit vor dem Silicon Valley zu kaschieren.

Happy Birthday und viel Spaß mit diesem pervertierten Internet

Die Absurdität gipfelt dann in den 14. oder 15. Geburtstagen dieser jungen Leute. Sollen Jugendliche, die man zuvor in ein pädagogisches Exil geschickt hat, plötzlich immun gegen jenen Hass und jene Hetze sein, die weiterhin massiv zunehmen? Wie sollen sie Suchtmechaniken erkennen und ihnen entkommen, wenn es selbst uns Erwachsenen nicht gelingt, das Handy liegen zu lassen, wenn wir bei Netflix einen Film glotzen?

Plattformen wirken hier als toxischer Resonanzraum, den man reinigen muss, statt nur den Zugang zu verzögern. Ein Verbot produziert zudem ein fatales Befähigungs-Paradoxon: Wer nicht lernt, sich in diesen Räumen unter Begleitung zu bewegen, wird am Tag seiner digitalen Volljährigkeit schutzlos von der algorithmischen Brandung erschlagen. Es ist unterlassene Hilfeleistung im scheinheiligen Gewand des Kinderschutzes.

Wir müssen aufhören, die digitale Teilhabe zu beschneiden, und endlich anfangen, die Algorithmen zu zerschlagen. Echte digitale Souveränität bedeutet, das Vorsorgeprinzip auf das Design anzuwenden: Ein Ende des Endlos-Scrollens, ein Verbot personalisierter Feeds für Minderjährige und die Zerschlagung der Suchtmechanismen. Alles andere ist eine weiße Fahne vor Big Tech, geschwenkt von einer Politikerkaste, die zu feige ist, sich mit einem 20-jährigen Algorithmus aus Menlo Park zu messen. Wir opfern die digitale Mündigkeit einer Generation, nur weil unsere Anführer unfähig sind, die Bestie zu bändigen, und stattdessen lieber den Spielplatz einzäunen.

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