Trotz Kritik: WHO erkennt Online-Spielsucht als Krankheit an

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Das Spiel mit der Sucht: Sie ist schleichend und für Betroffene wie auch für das Umfeld nicht immer leicht erkennbar. Vor allem dann, wenn die Sucht abstrakt ist, wie beispielsweise eine PC- oder Spielsucht. Obgleich von vielen kritischen Stimmen begleitet, macht die WHO die Sucht greifbarer und erkennt sie als Krankheit an.
Junge spielt ein Spiel an einem Computer.
Bildquelle: Pixabay

Dass der Umgang mit dem PC und speziell das Spielen von Computer- und Online-Spielen im Alltag immer wichtiger wird, bemerken Betroffene vermutlich erst, wenn sie schon mehr Stunden in der virtuellen als in der realen Welt verbringen. Schwerlich hinzu kommt, dass die vermeintlich beginnende Sucht nicht greifbar ist, da sie keine offensichtlichen, körperlichen Beschwerden verursacht wie zum Beispiel eine Alkoholsucht. Wann wird das Vergnügen der Online-Spiele also zur Sucht?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) möchte Klarheit schaffen und das exzessive Spielen von Computer- oder Obnline-Spielen als Krankheit anerkennen. Ab dem 18. Juni dieses Jahres findet sich die Sucht als anerkannte Krankheit unter dem Begriff „Gaming Disorder“ und „Online-Spielsucht“ im Katalog der Krankheiten.

Spielsucht mit spezifischem Krankheitsbild

Die diffusen Erscheinungsbilder verwandelt die WHO in ihrem Katalog ebenso in ein konkretes Krankheitsbild. Die Merkmale, die die Organisation als Suchtanzeichen definiert, lauten unter anderem:

  • Entgleitende Kontrolle bei Häufigkeit und Dauer des Spielens
  • Wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten
  • Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen

Weiter heißt es vonseiten der WHO, dass die Betroffenen in einem Teufelskreis stecken, den sie von allein nicht durchbrechen können. Der Schlafrhythmus leide durch das ständige Spielen. Familie, Freunde und sportliche Aktivitäten würden vernachlässigt.

Kritik von Wissenschaftlern

Dass Online-Spielsucht nun als Krankheit offiziell anerkannt ist, löst bei vielen Wissenschaftlern Kritik aus. Man befürchtet, dass Spieler durch die Anerkennung in Zukunft unnötig als therapiebedürftig eingestuft werden. Außerdem sieht man eine Gefahr darin, dass die Diagnose missbraucht wird. Denn der WHO-Katalog dient primär Ärzten dazu, exakte Diagnosen zu stellen. Krankenkassen können ihn als Grundlage für eine Kostenübernahme benutzen. Stattdessen sehen Experten sowie dreißig Psychologen, die ihre Kritik in einem offenen Brief äußern, eine Spielsucht eher als Effekt eines tieferliegenden Problems. Die Ursache könne laut ihrer Einschätzung vielmehr in einer Depression oder einer sozialen Angststörung liegen, heißt es.

Die WHO hält dagegen. Die Unterscheidung zwischen Spielspaß und Spielsucht sei exakt definiert, so Vladimir Poznyak vom WHO-Programm für Suchtmittelmissbrauch. Man sieht im Gegenteil durch die Anerkennung der Sucht stattdessen auch die Möglichkeit für weitere Forschung auf dem Gebiet.

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