Rente in Deutschland ist eine Frechheit: Das sind die 5 größten Probleme

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Ist die Rente wirklich sicher, wie so mancher Politiker immer wieder verspricht? Wer heute in die Rentenversicherung einzahlt, könnte, später selbst in Rente, kaum noch etwas bekommen. Das deutsche Rentensystem kränkelt und das sind die 5 größten Probleme.
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Rente in Deutschland ist eine Frechheit: Das sind die 5 größten ProblemeBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Deutschland fällt im internationalen Vergleich der Rente weiter zurück. Das zeigen aktuelle Studien. Und nicht nur das: Wer sich für die Lage junger Menschen interessiert, bekommt recht schnell das Gefühl: Das System ist eine Frechheit gegenüber denen, die nachkommen. Die Probleme liegen auf der Hand. „Wir wissen seit über 50 Jahren, dass das System kippen wird – trotzdem tun wir wenig, um es zu ändern“, sagt etwa der Generationenforscher Rüdiger Maas.

Die 5 größten Probleme der Rente

Unser Rentensystem basiert darauf, dass heute Arbeitende die Renten von denen zahlen, die im Ruhestand sind. Das ist der sogenannte Generationenvertrag. Doch die Rechnung geht nicht mehr auf: weniger Beiträge, mehr Rentner. Gleichungen zeigen: Ohne massive Reform steigen die Beiträge deutlich. Und zwar auf Seiten der Beschäftigten und der Unternehmen gleichermaßen.

Wer länger lebt, muss auch länger arbeiten. So simpel ist der Zusammenhang. Aber das System bewegt sich kaum. Vorschläge, das reguläre Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln, werden nur zögerlich umgesetzt. Zugleich bleibt ein Teil der Arbeitswelt außen vor: Selbstständige und Beamte zahlen oft nicht im vollen Umfang mit, was die Lasten ungerecht verteilt.

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Ja: Die Rentenhöhe wird derzeit noch als einigermaßen ausreichend bewertet. Doch diese Einschätzung ruht auf wackeligen Beinen. Immer mehr Ältere sind auf Grundsicherung angewiesen – also staatliche Hilfe, weil die Rente nicht reicht. Wenn nichts passiert, dann bricht die Rentenhöhe mit der Zeit ein – weil weniger Geld reinkommt und die Ausgaben steigen.

Der Generationenvertrag ist eine Frechheit

Viele junge Menschen sagen: Ich zahle Beiträge, aber ob ich später noch eine gute Rente bekomme, weiß ich nicht. Und: Ich muss wirtschaften, erwerbstätig sein, Beiträge leisten. Die Folge: Wenn der Altenanteil steigt und der Anteil der Einzahler sinkt, wird es irgendwann eng. Das weiß auch Maas: „Der Generationenvertrag ist eine Frechheit gegenüber den Jüngeren. Sie finanzieren ein System, von dem sie selbst kaum noch profitieren werden.“

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Seit Jahren warnen Experten und seit Jahren passiert nichts Grundlegendes. Stattdessen: Kommissionen, Debatten, Absichtserklärungen. Doch ein echter Neustart bleibt aus. Die Tarifpolitik, Wahlversprechen und die Interessen verschiedener Gruppen verfangen sich in einem System, das reformunwillig wirkt.

Warum das Ganze wirklich kritisch ist und was passieren müsste

Ein System, das heute Rente auszahlt, aber morgen nicht mehr klar bezahlen kann, ist ein Risiko. Nicht nur für einzelne Personen, sondern für das Gemeinschaftsvertrauen. Wenn junge Menschen denken, das System sei unfair oder unsicher, dann zieht das an der Legitimation. Höhere Beiträge, längere Arbeitszeiten, unsichere Ansprüche: Der Druck nimmt gleichzeitig auf Unternehmen und Beschäftigte zu. Und: Wenn die Altersgrenze nicht mit der Realität wächst, dann zahlen wir heute für eine Gewährleistung, die morgen vielleicht nicht mehr da ist.

Die Regulierung muss das Renteneintrittsalter realistisch an die Lebenserwartung koppeln. Beiträge und Leistungen müssen fair zwischen Generationen verteilt werden – inklusive Selbstständiger und Beamter. Zudem müsste der Staat Transparenz schaffen: Wer zahlt was ein? Wer bekommt was raus? Und wie lange funktioniert das überhaupt? „Wir müssen uns fragen, warum wir noch das gleiche System wie in den 50er Jahren haben. Andere Länder haben es auch geschafft, das Rentensystem zu überdenken“, sagt Generationenforscher Maas.

Andere Länder machen es vor

In der Schweiz etwa gibt es die staatliche Grundrente, die berufliche Vorsorge über Pensionskassen und die private Vorsorge nach Bedarf. Diese klare Trennung sorgt für Stabilität. Wer mehr einzahlt, bekommt mehr. Aber niemand fällt durchs Raster. Und in Schweden fließt ein Teil der Rentenbeiträge in einen staatlich verwalteten Fonds, der am Aktienmarkt investiert. Alle Bürger können einsehen, wie sich ihr Anteil entwickelt. Das bringt Rendite und Vertrauen.

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5 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Karsten Frei

    „Wer länger lebt, muss auch länger arbeiten. So simpel ist der Zusammenhang.“
    Falsch !!!!
    Die menschliche Pfysiologie kann niemand ausser Kraft setzen.
    Bessere Medizin und Lebensmittelversorgung mögen zwar die Lebensdauer verlängern, können aber nicht mentale und physische Kraft soweit Anheben, dass die Menschen mit 70, auf dem Niveau von 35.gen arbeiten. Es mag sein, dass einer oder anderer Schreibling oder Politiker, der ausser Kugelschreiber nie was schereres angehoben hat, auch bis 90 über die Rente bis 90 phylosopfieren kann, aber keiner von denen wird beim Strassenbau, Müllabfur, im Logistikzentrunm oder ganz schlicht in einem Altenheim bei der Pflege nur acht Stunden mithalten .
    Die Medien und Politiker sollen aufhören darüber zu schreinben “ Ich zahle Beiträge, aber ob ich später noch eine gute Rente bekomme, weiß ich nicht.“
    Keiner von uns zahlt ein, wir zahlen die Rente von unseren Eltern und Groseltern, und unsere Rente wird von unseren Kindern bezahlt. Keine Kinder, keine Rente.
    Eine familienfreundliche Politik und vor allem eine sparsame Politik, bringen ihre Früchte. Kein Fahradstrassen im Ausland, keine Wiederaufbau von Krigszerstörungen, die andere verursacht haben.
    Und wer 500 Milliarden für Panzer und Bomben ausgibt, der wird auch 100 Milliarden für Rente und Pflege finden, so einfach ist das.

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    • Nutzerbild Fritz Feierabend

      Das einzigste Problem, das wir in Deutschland mit der Rente haben, ist die Feigheit unserer Politiker, das österreichische Modell zu übernehmen. Denn dann müssten unsere Politiker auch in die Sozialkassen einzahlen und eben alle. Nach Protesten am Anfang funktioniert das in Österreich wunderbar. Altersarmut ist in Österreich ein Fremdwort!!! Wer Steuergelder verschwendet, der gehört ins Gefängnis. Auch wenn er Politiker ist. Und danke für Deinen Beitrag, lieber Karsten Frei.

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  2. Nutzerbild HP

    Beide Herr Frei und Herr Feierabend bringen es auf den Punkt !!!! Meine Herren Sie gehören in die Politik !!!! Endlich welche die die Wahrheit sagen und es klar erfasst haben !!! Aber scheinbar wird Intelligenz in Deutschland nicht mehr groß geschrieben!!!!

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  3. Nutzerbild DigiMuc2026

    In dem Beitrag werden, wie so oft in den Medien, bewusst oder unbewusst wieder zahlreiche Klischees bedient. Vom Vorwurf, der Generationenvertrag sei eine Frechheit gegenüber den Jüngeren, bis hin zur pauschalen Kritik an den Beamten ist alles dabei. Es fehlt jedoch an Differenzierung. Oft entsteht der Eindruck, man müsse nur auf andere Länder schauen, und schon hätte man ein Patentrezept für Deutschland. So einfach ist es aber nicht.

    Neben der gesetzlichen Rente haben viele Menschen bereits heute zusätzlich eine Betriebsrente oder andere Formen der Altersvorsorge. Man muss sich allerdings auch selbst darum kümmern und kann nicht allein erwarten, dass der Staat alles regelt. Auch Beamte leisten schon heute ihren Beitrag. In manchen Bereichen sind sie für den Staat sogar günstiger als vergleichbare Angestellte, was in der öffentlichen Diskussion jedoch selten thematisiert wird.

    Reformen bei Rente, Gesundheit und im Beamtenwesen sind sicherlich notwendig. Sie sollten jedoch mit Augenmaß erfolgen, differenziert geführt werden und einem klaren Ziel folgen.

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  4. Nutzerbild Angela

    Was oft vergessen wird:
    Am Anfang war die Rente ja gar kein Generationenvertrag.
    Nur wurden horrende Kriegsfolgelasten, unter vielem anderen Entschädigung von Nazi-Opfern oder die beitragsfreie Nachversicherung der im Ausland geleisteten Arbeit von UNZÄHLIGEN Vertriebenen daraus finanziert. Die Rückflüsse aus Steuern waren immer viel zu gering. Das konnte ja nicht gut gehen, angesichts der zunehmenden Finanznöte stellte man auf Generationenvertrag um. Spätestens Mitte der Siebziger hätte man das nicht so weiterlaufen lassen dürfen, da war der Pillenknick unübersehbar und ein späteres Demographie-Problem schon vorhersehbar. Die Babyboomer kosten ja nicht nur, sie haben durch ihre große Zahl ja auch besonders viel eingezahlt. Das hätte man zurücklegen müssen, statt es zweckentfremdet auszugeben – wie es viele andere europäische Staaten ja auch bereits vor Jahrzehnten taten. Stattdessen hat man wieder reingegriffen: die beitragsfreie Nachversicherung der gesamten in der DDR geleisteten Arbeit, wieder völlig unzureichend durch Steuerrückflüsse gegen finanziert.

    Es ist vor allem ein Problem politischer Fehlentscheidungen, weniger eines der Demographie. Andere europäische haben auch ein Demographie-Problem, aber keines hat solche Probleme wie wir.

    Außerdem haben diese Sonderausgaben nur gesetzlich Zwangsversicherte gezahlt, die anderen nicht.

    Das ist eigentlich nur logische Konsequenz, dass das irgendwann zusammenbrechen musste.

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