Rente bei „Lifestyle-Teilzeit“: Das bedenken viele nicht

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„Lifestyle-Teilzeit“ ist ein Buzzword, das in den vergangenen Wochen die Gemüter bewegt hat. Die Unionsparteien wollen die Möglichkeiten, Teilzeit zu arbeiten, deutlich einschränken. So attraktiv Teilzeitarbeit scheint: Sie schlägt aufs Nettogehalt. Und, was viele nicht bedenken, auch auf die Rente.
Rente: Geldscheine in den Händen eines Senioren
Teilzeit gefährdet die RenteBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital &

Teilzeit heißt: weniger Brutto, weniger Netto. Trotzdem fällt der Nettoverlust oft geringer aus, als die gekürzten Stunden vermuten lassen. Hintergrund ist das progressive Steuersystem: Mit sinkendem Einkommen sinkt in der Regel auch der persönliche Steuersatz. Dazu kommen geringere Sozialabgaben, weil die Beiträge am Brutto hängen. Die Abzüge verhalten sich nicht linear. Die wirklich teuren Folgen zeigen sich oft erst viel später, wenn sich Entscheidungen von heute bemerkbar machen. Genau hier liegt aber auch eine typische Falle: Wenn Du nur auf die monatliche Auszahlung schaust, kann Teilzeit „besser aussehen“, als sie es langfristig ist. Denn weniger Abzüge heute bedeuten nicht automatisch, dass die Rechnung insgesamt günstiger wird. Ein Problem: Die Rente.

Drei Rechenbeispiele für 2026

Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) rechnet drei Varianten für einen 40-jährigen Arbeitnehmer in NRW durch: Steuerklasse I, keine Kinder, kirchensteuerpflichtig, gesetzlich krankenversichert (Zusatzbeitrag 2,9 Prozent).

In Vollzeit (40 Stunden) bekommt er 3.500 Euro brutto. Nach 444,50 Euro Steuern und 740,25 Euro Sozialabgaben bleiben 2.315 Euro netto, die auf dem Konto landen.

Bei Teilzeit mit 30 Stunden sinkt das Brutto auf 2.625 Euro. Abgezogen werden 234,63 Euro Steuern und 555,20 Euro Sozialabgaben. Netto bleiben 1.835,17 Euro. Das sind rund 20,7 Prozent weniger Netto, obwohl die Arbeitszeit um 25 Prozent sinkt.

Bei 20 Stunden (Midijob) sind es 1.750 Euro brutto. Abzüge: 50,12 Euro Steuern und 347,30 Euro Sozialabgaben. Netto bleiben 1.352,58 Euro – rund 41,6 Prozent weniger als in Vollzeit, bei halb so vielen Stunden. Auf den ersten Blick wirkt das attraktiv: mehr freie Zeit, trotzdem deutlich mehr als „die Hälfte“ vom bisherigen Netto.

Der Knackpunkt: Weniger Brutto heißt weniger Rentenanspruch

Der Teil, den viele ausblenden: Mit Teilzeit sinkt der sozialversicherungspflichtige Verdienst – und damit die Grundlage für Rentenpunkte. Wer dauerhaft weniger verdient, sammelt über die Jahre weniger Punkte. Das merkt man nicht im nächsten Monat, sondern erst beim Rentenbescheid. Und dann ist es zu spät.

Als Orientierung nennt die VLH das (vorläufige) Durchschnittsentgelt für 2026: 51.944 Euro brutto im Jahr (2025: 50.493 Euro). Ein Rentenpunkt entspricht grob einem Jahresverdienst in dieser Größenordnung. Liegt Dein Einkommen darunter, gibt es anteilig weniger; liegst Du darüber, entsprechend mehr (mit Kommazahlen).

Wenn Teilzeit nötig oder bewusst gewählt ist, geht es vor allem darum, die Lücke nicht „aus Versehen“ entstehen zu lassen. Ansätze, die die VLH nennt:

  • zusätzliche private Altersvorsorge
  • betriebliche Altersvorsorge
  • Ausgleich innerhalb der Partnerschaft
  • Sonderzahlungen in die Rentenkasse

Wichtig ist: Das sind Optionen – keine automatische Korrektur einer Teilzeit-Entscheidung. Ob und was davon sinnvoll ist, hängt davon ab, wie lange Du Teilzeit planst, wie groß die Differenz zur Vollzeit ist und ob Du später wieder aufstocken willst.

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