Neue DB-Regeln: Fahrgäste werden bald auf ihren Sitzen gefilmt

2 Min. Lesezeit Teilen/Speichern
Deckenkameras reichen nicht aus. Schon bald werden Fahrgäste im Zug direkt an ihren Sitzen frontal gefilmt. Die Deutsche Bahn hat jüngst eine entsprechende Entscheidung getroffen. Und zwar aus gutem Grund. Dennoch formiert sich Kritik.
Kamera in der Deutschen Bahn

Neue DB-Regeln: Fahrgäste werden bald auf ihren Sitzen gefilmt

Videoüberwachung im Fern- und Regionalverkehr gehört längst zum Alltag. Laut der Deutschen Bahn sollen Kameras unter anderem das subjektive Sicherheitsgefühl von Kunden, Besuchern und Mitarbeitern stärken sowie möglichen Straftaten vorbeugen. Insbesondere Letzteres scheint jedoch nur bedingt zu funktionieren. So sollen bei der DB zwischen Januar und Oktober 2025 jeden Tag im Schnitt fünf Beschäftigte körperlich angegriffen sowie vier weitere bedroht worden sein. Und nun schlägt ein aktueller Todesfall hohe Wellen.

Deutsche Bahn setzt auf Kameras

Anfang Februar wurde ein 36-jähriger Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz bei einer Fahrkartenkontrolle angegriffen und tödlich verletzt. Das Ereignis löste eine Welle der Entrüstung und eine politische Debatte aus. Die Deutsche Bahn reagierte schnell und beschloss auf einem eilig einberufenen Sicherheitsgipfel sieben Maßnahmen, die allesamt zeitnah umgesetzt werden sollen. Eine davon: Bodycams.

Schon im Vorfeld des DB-Sicherheitsgipfels kündigte Bahn-Aufsichtsrat Ralf Damde nach Informationen der Süddeutschen Zeitung verpflichtende Bodycam-Schulungen für alle 5.200 Zugbegleiter im Nahverkehr an. Nun steht fest, dass sämtlichen Mitarbeitern mit Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung gestellt werden sollen. „Wir haben den kompletten Markt leer gekauft“, so Damde. Zeitgleich unterstreicht die Deutsche Bahn, dass die Nutzung der Bodycams freiwillig sei.

Mehr Sicherheit für Bahnpersonal, weniger Privatsphäre für Fahrgäste

Während der Vorstoß der Deutschen Bahn im Allgemeinen positiv aufgenommen wird, hagelt es auch Kritik. So sagte der hessische Landesdatenschutzbeauftragte, Alexander Roßnagel, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), der Einsatz stelle einen starken Eingriff in die Grundrechte von Fahrgästen dar. Denn diese könnten durch die angekündigte Bodycam-Strategie künftig eine gänzlich neue Qualität an Überwachung erleben.

Laut Roßnagel sei der Schutz von Leib und Leben ein hohes Rechtsgut. Allerdings seien auch die Persönlichkeitsrechte der Fahrgäste zu berücksichtigen. Deshalb hebt der Landesdatenschutzbeauftragte hervor, dass Aufnahmen mittels Bodycams „nur anlassbezogen zulässig“ seien und „auf das geringstmögliche Maß“ reduziert sein müssen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Zugbegleitern in einer Ausnahmesituation die Zeit bleibt, ihre Bodycams einzuschalten. Außerdem könnte bereits der Griff zur Kamera zur Eskalation der Situation beitragen.

Eine weitere vorgeschlagene Sicherheitsmaßnahme betrifft gleich 13 Millionen Zugreisende unmittelbar. Denn sie würde dafür sorgen, dass sämtliche Fahrgäste ihre Deutschlandtickets umtauschen müssen. Mehr dazu in unserem Artikel:

Bildquellen

  • Deutschlandticket: Alle Nutzer sollen ihre Karten umtauschen: nitpicker / shutterstock.com
  • Neue DB-Regeln: Fahrgäste werden bald auf ihren Sitzen gefilmt: inside digital / KI-generiert

Keine Kommentare

[-AMP Version-]