Bahn-Reisen mit Gepäck? Warum es ab jetzt deutlich komplizierter wird

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Die Deutsche Bahn sortiert ein Angebot neu – und damit verschieben sich Regeln, Fristen und Zuständigkeiten. Das klingt harmlos, trifft aber genau die, die unterwegs wenig Spielraum haben. Wer sich darauf verlässt, kann am Ende improvisieren müssen.
Zwei Menschen auf dem Bahnsteig schauen unzufrieden und haben Koffer dabei.
Die Bahn stellt den DB Gepäckservice einBildquelle: Shutterstock / Mladen Mitrinovic

Der entscheidende Punkt, der sich jetzt ändert, kommuniziert die Bahn noch nicht einmal aktiv. Er steckt in den Beförderungsbedingungen: Die Bahn stellt den DB Gepäckservice ein. Bis einschließlich 17. Februar soll die Buchung möglich sein, ab dem 18. Februar nicht mehr. Bereits gebuchte Aufträge sollen demnach weiterhin abgewickelt werden, auch wenn die Buchung selbst entfällt. Wer bisher über die DB gebucht hat, muss sich umstellen. Und es geht dabei nicht nur um den Button im Buchungsprozess, sondern um die Bedingungen, die im Alltag und im Streitfall zählen.

Preislich ist fast alles gleich – der Unterschied steckt in den Regeln

Hast du den DB Gepäckservice genutzt, war es schon seit Jahren so, dass anschließend ein Hermes-Bote vor deiner Tür stand und deinen Koffer abgeholt oder gebracht hat. Hermes ist ab 18. Februar auch deine Alternative. Denn nicht der Hermes-Dienst an sich verschwindet, sondern nur die Buchungsmöglichkeit über die Bahn. Künftig buchst du bei Hermes. Doch es gibt Unterschiede. Nicht unbedingt beim Preis. Die PaketShop-Abgabe mit Zustellung an Wunschadresse liegt bei 19,90 Euro (DB) und bei 19,95 Euro (Hermes direkt). Abholung an der Haustür plus Zustellung kostet 24,90 Euro (DB) und 24,95 Euro (Hermes direkt). Unterm Strich ist das praktisch identisch – DB ist gerade einmal 5 Cent pro Koffer günstiger.

Die Unterschiede beginnen dort, wo viele erst hinschauen, wenn etwas schiefgeht: bei den Voraussetzungen und Einschränkungen. Bei der DB brauchst du eine gültige Fahrkarte, und der Zielort für die Zustellung muss räumlich nahe am Zielbahnhof liegen. Dazu kommen enge Adressregeln: Bezug zur Bahnreise, kein Flughafen, kein Hafen, keine PaketShop-Zustellung. Das fällt alles weg – das sind die guten Nachrichten.

Laufzeiten, Wunschtermine und Inseln: Hier wird es schnell unpraktisch

Bei der Versanddauer ist die DB deutlich klarer: 2 Werktage, zu deutschen Nordseeinseln und nach Hiddensee 3 Werktage. Hermes bleibt beim Gepäckversand vage und spricht nur von „wenigen Tagen“. In den allgemeinen Hermes-FAQs taucht zusätzlich auf, dass es ab dem Versand bis zu 3 Werktage dauern kann, ehe eine Sendung ankommt.

Auch bei Terminen und Zuschlägen wird es diffus. Die DB nennt ein Wunschzeitfenster (3 Stunden) für 6 Euro je Auftrag, allerdings mit Ausnahmen. Hermes erwähnt eine Abholung „zum Wunschtermin“, weist auf der Gepäckseite aber keinen vergleichbaren Preis für Zeitfenster aus. Bei Inselzustellungen ist Hermes konkreter: plus 7 Euro je Sendung. Bei der DB wird die Inselzustellung zwar als möglich genannt, aber mit längerer Laufzeit – dafür ohne Aufpreis. Und: Hermes bietet offiziell keinen Fahrradtransport an, der bei der Bahn knapp 60 Euro kostet.

Haftung und Storno: Das ist der Teil, der im Zweifel Geld kostet

Bei der Haftung liegt ein klarer Unterschied in der Darstellung. Die DB regelt die Entschädigung über die Bedingungen der DB Fernverkehr AG, mit Grenzen in Rechnungseinheiten: Bei Verlust bis maximal 1.200 Rechnungseinheiten je Gepäckstück; ohne Nachweis pauschal 300 Rechnungseinheiten (Wert nach SZR). Das sind aktuell etwa 1.400 bzw. 350 Euro. Hermes direkt kommt ohne diese künstliche Rechnungseinheit aus und nennt eine Haftung bis 1.000 Euro.

Auch bei Storno und Änderungen ist die DB deutlich strukturierter: kostenlos stornierbar bis 18:00 Uhr am Vortag. Gleichzeitig gilt: Bei bestimmten Varianten (PaketShop zu Haus) ist nach Buchung keine Änderung beziehungsweise Stornierung mehr möglich. Hermes weist auf der Gepäckseite keine vergleichbaren, leicht auffindbaren Stornoregeln aus. Gebucht ist also gebucht.

In der Praxis müssen sich bisherige Kunden des DB Gepäckservices nur bei der Buchung umgewöhnen und auf Zeitfenster verzichten. Gerade letzteres kann nervig sein.

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