Über die Jahre erlebte das Deutschlandticket viele Anpassungen. Und das nicht nur beim stetig steigenden Preis. Auch zahlreiche Sonderformen entstanden. Beispielsweise kostenlose Tickets für Schüler. Viele Regionen versuchten jedoch auch, Deutschlandtickets gegen Führerscheine einzutauschen. Im baden-württembergischen Ostalbkreis sollten Einwohner ab einem Alter von 65 Jahren beispielsweise ein Schnupper-Abo erhalten, wenn sie ihren Führerschein abgaben. Oft stand auch ein einjähriges Abo im Raum. Nun soll sich das Deutschlandticket jedoch gänzlich wandeln und alle Reisenden sollen neue Karten erhalten. Grund hierfür ist der Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters, der Anfang Februar bei einer Fahrkartenkontrolle angegriffen und lebensgefährlich verletzt wurde.
Reform des Deutschlandtickets
Im Kontext des Angriffs will der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) Nägel mit Köpfen machen und das Deutschlandticket reformieren. Laut seiner Aussage in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ habe er mit Kollegen des zu Tode geprügelten Zugbegleiters gesprochen und sich sagen lassen, es würde ihre Arbeit erleichtern, wenn sie nicht auch noch die Pässe der Fahrgäste kontrollieren müssten. Deshalb fordert Schweitzer ein einheitliches Deutschlandticket mit Lichtbild für alle Reisenden, als Ersatz für die aktuellen Karten ohne Passfoto. Das würde nach Angaben des Ministerpräsidenten nicht viel Geld kosten und könne schnell umgesetzt werden.
Auch aus Sicht von Bahn-Chefin Evelyn Palla stellt die Ausweiskontrolle ein besonders hohes Risiko für Zugpersonal dar. „Wir wissen, dass insbesondere aus dieser Ausweiskontrolle ein hohes Eskalationspotenzial resultiert“, so Palla. Deshalb entschied man auf einem eilig einberufenen Bahn-Sicherheitsgipfel, die verpflichtende Ausweiskontrolle im Rahmen der Ticketkontrolle ab dem 1. März in den Regionalbahnen zu streichen. Ob eine Ausweiskontrolle künftig durchgeführt wird, liegt ab da im Ermessen des Zugpersonals.
Weitere Sicherheitsmaßnahmen geplant
Zu den weiteren im Rahmen des Bahn-Sicherheitsgipfels beschlossenen Maßnahmen gehören eine Anhebung der Zahl der Bahn-Sicherheitskräfte (von bisher rund 4.000 auf 4.200), eine Ausstattung der Beschäftigten mit Bodycams und Notfallknöpfen, sowie ein Deeskalationstraining.
Ferner schlägt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) einen weiteren Ansatz vor. Gegenüber dem Handelsblatt gab der Politiker an, weniger Ausweiskontrollen in Zügen durchführen lassen zu wollen. „Man könnte die Gewalt um etwa 18 Prozent senken, wenn man auf solche Kontrollen verzichtet“, so Schnieder. Als Alternative sollen etwa Stichprobenkontrollen mit einer größeren Mitarbeiterzahl durchgeführt werden, wie es aktuell bei U- und S-Bahnen der Fall ist. „Oder Sie kontrollieren bereits am Bahnsteig, wie es andere Länder machen“, ergänzt der Bundesverkehrsminister.
Ob Angriffe auf Bahnpersonal durch die neuen Maßnahmen abnehmen, bleibt abzuwarten. Im Jahr 2025 wurden bei der Deutschen Bahn zwischen Januar und Oktober im Schnitt täglich fünf Beschäftigte körperlich attackiert.
