Die Studie, die Bitkom vom Marktforscher Tarifica erstellen ließ, vergleicht Mobilfunktarife in zwölf Industrieländern. Dafür gibt es fünf Nutzungsprofile: XS (7 GB), S (20 GB), M (50 GB) sowie L und XL (je 100 GB, XL ohne Drosselung). Verglichen wird pro Land jeweils der günstigste Tarif je Profil. Betrachtet haben die Marktforscher jeweils den Median. Das ist wichtig, weil ein einzelnes besonders billiges Angebot ein Land schnell besser aussehen lässt, als es für viele Kundinnen und Kunden im Alltag der Fall ist.
Spanien ist deutlich billiger – zumindest beim Einstieg
Bei kleinen Paketen ist Deutschland laut Studie zwar nicht teuer, Spanien aber noch einmal deutlich günstiger. Für Deutschland sagt Bitkom-Chef Bernhard Rohleder: „Das XS-Paket mit 7 Gigabyte Datenvolumen pro Monat gab es in Deutschland im betrachteten Zeitraum Ende 2025 bereits für 5,24 Euro.“ Beim 20-Gigabyte-Paket müssen 6,12 Euro bezahlt werden. Spanien liegt darunter. „Dieses Paket gibt es in Spanien bereits für 2 Euro im Monat oder 20 Gigabyte für 4,50 Euro“, so Rohleder.
Bitkom liefert dazu gleich die eigene Erklärung, warum dieser Preisvorteil aus Verbandssicht nicht das ganze Bild ist. Rohleder sagt: „Gleichzeitig hat man dort allerdings auch eine Netzqualität, die der in Deutschland nicht entspricht.“ Und er wird konkreter: „Die Netze in diesen Ländern sind weniger flächendeckend ausgebaut, zum Teil zwischen 60 und 70 Prozent der Fläche mit 5G versorgt. Wir sind in Deutschland bei 95 Prozent der Fläche.“
Rohleder führt als zentralen Faktor Investitionen an: „Es wird in diesen Ländern auch weniger in die Netze investiert. Die Pro-Kopf-Investitionen in Deutschland liegen deutlich über 100 Euro, in diesen Ländern deutlich darunter.“ Seine Folgerung: „Das heißt, es gibt eine gewisse Korrelation zwischen den Preisen für Mobilfunkdienstleistungen für Kunden einerseits und der Netzqualität auf der anderen Seite.“
Mobilfunktarife: Finnland zeigt, dass „digital“ nicht automatisch „billig“ heißt
Neben Spanien lohnt der Blick nach Finnland – weil es in der Studie genau andersherum wirkt. In der Bitkom-Mitteilung wird Finnland zusammen mit der Schweiz und den USA als eines der teuersten Länder genannt. Deutschland hingegen schneidet über alle Profile hinweg günstiger als Finnland ab. Gerade bei kleinen und mittleren Profilen hebt Bitkom zudem hervor, dass Deutschland zur Spitzengruppe gehört. Länder wie Finnland können bei günstigen Einstiegstarifen nicht mithalten.
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Finnland ist ein gutes Gegenbeispiel zu der Erwartung, dass technologisch fortgeschrittene Länder automatisch niedrige Mobilfunkpreise haben. Laut Bitkom ist genau das nicht der Fall. Zusätzlich spielt laut Bitkom die Tariflogik eine Rolle. In Deutschland ist bei großen Paketen hohe beziehungsweise maximale Geschwindigkeit häufig ohne Aufpreis enthalten, während in anderen Ländern Nutzer für mehr Speed teils extra zahlen müssen. Das macht Tarife auf dem Papier schwerer vergleichbar, selbst wenn das Datenvolumen gleich aussieht.
Wichtig aber: Deutschland ist beim Mobilfunk unterm Strich nicht so teuer, wie es am Stammtisch und auf Social Media oft klingt. Nur Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien und Österreich liegen im Median in der Regel noch vor Deutschland. Bei kleinen Tarifen gilt das auch für Südkorea oder die Niederlande. Schaut man sich den absolut günstigsten Tarif an, landet Deutschland bei kleineren Tarifen auf Platz zwei oder drei, sonst aber auch im Mittelfeld. Der Bitkom resümiert: „Im internationalen Vergleich liegt Deutschland preislich im stabilen Mittelfeld und gehört durchgängig zu der Gruppe der wettbewerbsfähigen Mobilfunkmärkte. Über alle Profile hinweg ist Deutschland günstiger als die USA, die Schweiz und Finnland.“
