Epic vs. Apple: Tag 1 des Fortnite-Verfahrens beginnt im Chaos

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In den vergangenen Tagen begann das Gerichtsverfahren zwischen Apple und Epic Games. Nach diversen technischen Problemen präsentierten beide Unternehmen ihre Eröffnungs-Statements. Epic warf Apple Monopolpraktiken vor. Apples Anwälte verteidigten die Vorteile für die Nutzer durch den App Store.
Epic Games Fortnite
Die Zukunft von Epics Fortnite steht derzeit noch in den Sternen.Bildquelle: Epic Games

Am vergangenen Montag startete im kalifornischen Oakland die öffentliche Verhandlung um den Streit zwischen Epic Games und Apple. Es geht hierbei um Fortnite und die App-Store-Praktiken des iPhone-Herstellers. Am Ende könnte das Urteil gravierende Einflüsse auf Apples Hard- und Software haben. Der erste Tag begann jedoch mit technischen Problemen. Die aufgrund der Corona-Krise eingerichteten Telefonleitungen waren überfüllt mit nicht stummgeschalteten Zuhörern. Fortnite-Fans beklagten sich etwa lautstark, dass sie das Spiel einfach nur auf ihre Smartphones zurückbekommen wollen. Nach einer kurzen Verzögerung brachte das Gericht die Leitungen unter Kontrolle, sodass die Anwälte mit ihren Eröffnungsstatements beginnen konnten.

Epic macht den Anfang

Epic eröffnete das Verfahren und warf Apple nicht nur Monopolpraktiken vor. Epics Präsentation, die mit einem eingemauerten Garten beginnt, beinhaltet unter anderem eine Reihe von E-Mails der Apple-Manager. Diese sollen zeigen, wie Apple beispielsweise die Nutzer im eigenen System „einmauert“. Die Prüfungen durch Apples App-Store-Team, welche die Nutzer schützen sollen, seien außerdem unzureichend. Viele Scam- und Phishing-Apps sollen von den Reviewern unentdeckt bleiben. Dies demonstriert man anhand einer Mail von Apples Phil Schiller, nachdem eine Kopie des beliebten Spiels Temple Run an die Spitze der Charts gestürmt war.

Mail von Phil Schiller
Interne Mail von Phil Schiller

Man beendete die Präsentation mit den Worten: „Wir gehen davon aus, dass die Beweise, sobald sie vorliegen, eindeutig zeigen werden, dass Apple ein Monopol ist, dieses Monopol rechtswidrig aufrechterhält und dass Epic seine Belastung für alle Ansprüche erfüllt hat“.

Apple verteidigt App Store

Nachdem Epic sein Statement beendet hatte, bekam der iPhone-Hersteller seine Möglichkeit, die Sicht der Dinge durch eine eigene Präsentation zu dokumentieren. Der Fokus lag hierbei unter anderem auf den Vorteilen, die Entwickler auf Apples Plattformen haben. Gleichzeitig wies man aber auch auf die Art und Weise hin, wie Epic den Stein ins Rollen gebracht hatte.

Das sogenannte Project Liberty hatte der Fortnite-Entwickler für lange Zeit geplant. Den publikumswirksamen Anfang machte Epic im August 2020 mit der Umgehung der vorgeschriebenen Bezahlungsmethoden im App Store, woraufhin Apple das Spiel aus dem Store geworfen hatte. Epic erlaubte seinen Fortnite-Spielern mit einem Update den In-App-Kauf ohne die Nutzung der App-Store-Mechanismen. Dies verstößt gegen Apples Regeln.

Mail von Epic-CEO Tim Sweeney
Eine Mail von Epic-CEO Tim Sweeney zeigt, wie man bereits im Vorfeld zum Beispiel Microsoft über die Pläne informiert hatte

Epic stört sich daran, dass Apple 30 Prozent der Einnahmen im App Store für sich selbst beansprucht. Apple sieht dies jedoch als Branchen-üblichen Standard. Gleichzeitig dokumentierte man, dass Epic selbst für eine Ausnahmeregelung für den App Store gebeten habe.

Apple argumentierte weiter, dass im Falle einer Entscheidung für Epic, auch Stores anderer Unternehmen betroffen sein könnten. Als Beispiel wurden Sony, Nintendo, Google und Samsung genannt. Durch eine Öffnung der Geräte für Apps außerhalb des App Store würde man des Weiteren eine wichtige Sicherheitsfunktion verlieren.

Auswirkungen durch das Urteil

Der Prozess steht derzeit noch am Anfang. Es ist aber schon jetzt denkbar, dass das Urteil für Apple möglicherweise gravierende Auswirkungen haben könnte. Die möglicherweise notwendigen Änderungen könnten laut einigen Beobachtern darin resultieren, dass Apple das Betriebssystem neu entwickeln muss. Ein Zwang, das iPhone und iOS für alle Apps zu öffnen, könnte dann außerdem dafür sorgen, dass Phishing- und Scam-Apps verstärkt auch auf Apples Smartphone zu finden sein könnten.

Entwickler und Anwender könnten sich hingegen darüber freuen, wenn sie für die Bezahlung weitere Möglichkeiten neben Apples eigenen Prozessen – und den damit verbundenen Gebühren – hätten. Bis zu einer Entscheidung wird es jedoch noch einige Zeit dauern. Der Prozess ist nämlich für drei Wochen angesetzt. In dieser Zeit wird auch Apple-CEO Tim Cook als Zeuge vor Gericht erscheinen.

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1 KOMMENTAR

  1. Apple muss die Geräte ja nicht für Apps außerhalb des Stores öffnen. Sie sollten nur ihre Zulassungs-Willkür zurück fahren, und ihre Provisionen auf ein angemessenes Maß beschränken.

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