Fortnite-Streit: Ein Blick hinter die Kulissen des „Befreiungsschlags“

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Im vergangenen August startete Epic Games einen medienwirksamen Schlag gegen Apple und Google. In einem Interview spricht jetzt der Chef der Fortnite-Entwickler über die Hintergründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben.
Die Zukunft von Epics Fortnite steht derzeit noch in den Sternen.Bildquelle: Epic Games

Mitte August 2020 gab Epic Games überraschend bekannt, dass Fortnite-Spieler in Zukunft das Unternehmen direkt für In-App-Käufe bezahlen können. Diese Option ging einher mit günstigeren Preisen, da im Falle des App Stores die Beteiligung an Apple entfallen konnte. Dieses Angebot war aber erwartungsgemäß nicht von langer Dauer, da sowohl Google als auch Apple das Spiel kurzerhand aus ihren digitalen Stores verbannten. Eine derartige Option ist laut den Regeln der beiden App Stores nicht erlaubt.

Die Ankündigung von Epic begleitete ein Video, das auf Apples „1984“-Werbung anspielte. Der gesamte Plan war von Epic Games ausführlich vorbereitet. In einem Interview mit Tim Sweeney konnte CNN Business einige Details zum sogenannten „Project Liberty“ in Erfahrung bringen. Epic hatte das Projekt über Monate geplant und es beinhaltete neben dem Video auch die vorbereiteten Klagen gegen Apple und Google. Damit beschäftigen sich jetzt und in den kommenden Monaten die Anwälte der Unternehmen. Sweeney war unter anderem der Ansicht, dass die oben beschriebene Anforderung gegen Kartellgesetze verstößt, da Entwickler gezwungen waren, die Zahlungssysteme von Apple und Google zu verwenden.

„Project Liberty“: Epics riskanter Kampf mit Apple und Google

Für Epic geht es laut Tim Sweeney aber um mehr als nur die prozentuale Beteiligung, die beim Kauf von Apps oder In-App-Käufen in Fortnite beispielsweise an Apple entrichtet werden müssen. Der CEO befürchtet, dass nur einige wenige Unternehmen die Technologieplattformen in Zukunft dominieren werden. Was übrig bleiben könnte, wären möglicherweise nur noch Kopien der erfolgreichsten Apps, mit denen diese Unternehmen ihre Profite maximieren konnten. Kleine, unabhängige Entwickler würden an Bedeutung verlieren.

Dabei ist zu beachten, dass Epic selbst ein Gigant und keinesfalls ein kleines Entwicklungsstudio ist. Insgesamt haben die Einnahmen durch In-App-Käufe laut Nielsens SuperData im Jahr 2020 1,3 Milliarden US-Dollar betragen – im Jahr 2019 sollen es noch 1,8 Milliarden gewesen sein. Wie hoch die Kosten für Epics Rechtsstreit mit Apple und Google sind, wollte Sweeney gegenüber CNN Business nicht verraten.

Gleichzeitig ist Epic auch der Entwickler der Unreal Engine, die nicht nur bei Spielen eingesetzt wird. Auch Hollywood nutzt diese Werkzeuge beispielsweise für Animationen und Szenen, wie sie etwa in Disneys „The Mandalorian“ zu sehen sind.

Die Entscheidung, sich mit Apple und Google anzulegen, stellt für das Unternehmen also gleichzeitig auch ein großes Risiko dar. So könnte etwa die Weiterentwicklung der Unreal Engine bedroht sein. Im Interview sagte Tim Sweeney, dass externe Entwickler, die die 3D-Engine für ihre Apps nutzen wollen, Angst aufgrund dieser Gefahren und daher Abstand von der Unreal Engine genommen haben. Der CEO bezeichnete dies mit der „Angst um einen Vergeltungsschlag durch Apple“, den diese Entwickler spüren. Es sei denkbar, dass der iPhone-Hersteller Apps aus dem eigenen Store verbannt, selbst wenn diese nur Technik einsetzen, die von Epic entwickelt wurde.

Epic vor Gericht: Die Hoffnungen für Entwickler

Laut CNN Business ist das beste Szenario für Epic ein Gewinn vor Gericht. Dieser könnte dafür sorgen, dass Apple und Google in ihren Stores nicht nur die eigenen Zahlungsoptionen anbieten dürfen. Du könntest also Entwickler in Zukunft möglicherweise direkt bezahlen.

Für Epic könnte ein Verlust jedoch einen dauerhaften Bann von Fortnite aus den Stores bedeuten. Während auf Android bereits jetzt die Möglichkeit zum Download aus anderen Stores besteht, gingen iOS-Spieler dann komplett leer aus. Darüber hinaus kann derzeit nur spekuliert werden, ob und welche Folgen ein Verlust vor Gericht auf die anderen Angebote von Epic – wie die erwähnte Unreal Engine – haben könnte.

Mitch Stoltz, Anwalt der Electronic Frontier Foundation, sagte gegenüber CNN Business im vergangenen August, dass ein Erfolg von Epic „insgesamt ganz gut für die Märkte“ sei. „Man würde mehr Experimente sehen. Man würde mehr Geschäftsmodelle sehen.“ Und schlussendlich, so Stoltz: „Man würde mehr Innovation sehen“.

Die nächste Anhörung zum Streit zwischen Epic und Google ist für den 18. Februar 2021 geplant. Im Fall von Epic und Apple soll es im Sommer weitergehen.

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