E-Autos könnten schon in wenigen Jahren günstiger sein als Verbrenner – davon ist Volvo-Chef Håkan Samuelsson überzeugt. Möglich machen sollen das vor allem sinkende Batteriepreise. Aber auch hochskalierbare E-Plattformen und moderne Fertigungsverfahren wie Mega-Casting, das Volvo bereits beim neuen EX60 einsetzt.
Volvo setzt auf Elektro – aber nicht nur
„Wenn man fünf Jahre in die Zukunft blickt, wird ein Elektroauto höchstwahrscheinlich günstiger sein als ein Verbrenner“, sagte Samuelsson im Rahmen der Vorstellung des Volvo EX60. Zugleich betonte er, dass Volvo mit seinen aktuellen Elektro-Modellen bereits Geld verdient. Auch wenn die Gewinnmargen noch unter denen klassischer Verbrenner liegen. Ohne E-Autos wäre Volvo nach seinen Worten heute sogar weniger profitabel. Weil man ohne das elektrische Portfolio insgesamt weniger Fahrzeuge verkaufen würde.
Noch ist von flächendeckender Preisparität im Volvo-Showroom allerdings wenig zu sehen. So kostet der neue Elektro-SUV EX60 je nach Version zwar teilweise weniger als der Plug-in-Hybrid-XC60. Er liegt aber gegenüber dem günstigsten reinen Verbrenner-XC60 noch um rund 4.000 Euro beziehungsweise etwa sieben Prozent höher. Studien zeigen jedoch, dass die Preislücke zwischen E-Autos und Verbrennern in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft ist. Nicht zuletzt durch Rabatte, verstärkten Wettbewerb und staatliche Förderungen. Gerade im volumenstarken Mittelklassesegment nähern sich die Listenpreise zunehmend an.
Mehrere Faktoren lassen die Preise für E-Autos fallen
Für den künftigen Kostenvorteil der Elektroautos nennt Volvo mehrere Hebel: eine kompromisslose, skalierbare Elektroplattform wie die neue SPA3-Architektur, die als Basis für mehrere Modelle dient, die Integration der Batterie in die Karosseriestruktur („Cell to Chassis“) sowie eine einheitliche, softwarezentrierte Elektronikarchitektur. Hinzu kommen Fertigungsmethoden wie das Mega-Casting, bei dem große Karosserieteile aus einem Guss entstehen und so mehr als 100 Einzelteile und zahlreiche Schweißnähte ersetzen, was Gewicht und Kosten reduziert. Sinkende Preise für Batteriezellen gelten zusätzlich als größter Einzelfaktor für fallende Produktionskosten.
Branchenexperten hatten bereits in den vergangenen Jahren den Zeitraum um 2027 bis 2028 als Kipppunkt prognostiziert, ab dem Elektroautos in vielen Segmenten günstiger als Verbrenner angeboten werden könnten. Samuelssons optimistische Fünf-Jahres-Prognose reiht sich damit in einen breiteren Trend ein, wonach wachsende Stückzahlen, technologische Fortschritte und verschärfte Klimavorgaben die Kostenkurve der Elektromobilität weiter drücken werden. Ob die Einsparungen am Ende vollständig bei den Kunden ankommen, hängt allerdings von Wettbewerb, Regulierung und der Preispolitik der Hersteller ab. Sicher ist nur, dass der Preisdruck auf klassische Verbrenner in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte.
