Canon hebelt Kopierschutz bei Druckerpatronen eigenständig aus – das ist der Grund

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Chips in Druckerpatronen sind umstritten, denn diese werden abseits von einigen Zusatzfunktionen hauptsächlich dazu verwendet, um den Einsatz von nicht originalen Tonerkartuschen zu minimieren. Nun durchbricht Canon den Status quo, allerdings nicht ganz freiwillig.
Canon
Canon-NiederlassungBildquelle: Canon

Die weltweite Chipkrise hält unter anderem auch Deutschland bereits seit vielen Monaten im eisernen Griff. Die Folgen für Verbraucher machen sich unter anderem in einer Knappheit von Spielekonsolen und Prozessoren bemerkbar. Zudem scheint der Android-typische Preisverfall teilweise ausgesetzt zu haben, sodass viele Smartphones kostentechnisch auch nach längerer Zeit in der Nähe der unverbindlichen Preisempfehlung verweilen. Doch die Knappheit von Halbleiterkomponenten hat auch positive Auswirkungen, wie der aktuelle Fall beweist.

Canon-Tonerkartuschen ohne Chips

Wie Canon selbst verkündet hat, werden demnächst die Tintenpatronen zahlreicher Multifunktionsdrucker ohne Chips verkauft werden. Der Grund hierfür ist simpel: Canon ist zurzeit nicht in der Lage, genügend Halbleiterkomponenten aufzutreiben, um sämtliche Tonerkartuschen beziehungsweise „Verbrauchsmaterialien“ mit einem Chip auszustatten. In einer Meldung weist der Hersteller mehrfach darauf hin, dass dadurch die Erkennung des verbliebenen Tonerstands beeinträchtigt wird. Doch für Nutzer dürfte dies dennoch eine positive Entwicklung darstellen, denn der eigentliche Zweck der umstrittenen Chips ist vor allem der gewesen, Verbraucher vor der Nutzung der meistens deutlich günstigeren Patronen anderer Anbieter abzuhalten. So erscheinen in der Regel unterschiedliche, teilweise absichtlich missverständlich formulierte Warnmeldungen, sobald nicht originale Kartuschen eingesetzt werden. Nun wird das in der Form jedoch nicht mehr möglich sein, zumindest nicht bei den folgenden Canon-Modellen:

  • imageRUNNER 1435i/1435iF
  • imageRUNNER 2625i/2630i/2645i
  • imageRUNNER ADVANCE 4525i/4535i/4545i/4551i, II und III
  • imageRUNNER ADVANCE C250i/350i/C351iF
  • imageRUNNER ADVANCE C255i/C355i/C355iF/C256i/356i
  • imageRUNNER ADVANCE C256i/356i II und III
  • imageRUNNER ADVANCE C3320i/3325i/3330i
  • imageRUNNER ADVANCE C3520i/3525i/3530i, II und III
  • imageRUNNER ADVANCE C5535i/5540i/5550i/5560i, II und III
  • imageRUNNER ADVANCE DX 4725i/4735i/4745i/4751i
  • imageRUNNER ADVANCE DX 6000i
  • imageRUNNER ADVANCE DX C257i/C357i
  • imageRUNNER ADVANCE DX C3720i/3725i/3730i
  • imageRUNNER ADVANCE DX C3822i/3826i/3830i/3835i
  • imageRUNNER ADVANCE DX C5735i/5740i/5750i/5760i
  • imageRUNNER C1325iF/1335iF
  • imageRUNNER C3025i
  • imageRUNNER C3125i
  • imageRUNNER C3226i

Beim Einsetzen der chiplosen Patronen können Fehlermeldungen erscheinen – auch bei den Original-Tonerkartuschen von Canon. Darum hat der Hersteller mehrere Anleitungen veröffentlicht, die aufführen, wie sich der „Kopierschutz“ umgehen lässt. Die genaue Vorgehensweise hängt dabei von dem jeweiligen Multifunktionsdrucker ab.

Erlischt die Herstellergarantie bei nicht originalen Tintenpatronen?

Das Gerücht, dass die Herstellergarantie verfällt, sobald man die Tonerkartusche eines Drittanbieters in einen Drucker einsetzt, hält sich nach wie vor hartnäckig. Dazu tragen auch die Hersteller mit teilweise verwirrenden Warnmeldungen bei. In Wahrheit erlischt jedoch weder die Garantie noch die Gewährleistung, solange die verwendete Patrone kompatibel ist. Die Druckerhersteller können eine Reparatur auf Garantie nur dann ablehnen, wenn sich ein Defekt tatsächlich auf eine nicht originale Kartusche zurückführen lässt. Allerdings tragen die Hersteller in einem solchen Fall die Beweislast.

Ist die Änderung von Dauer?

Canon hat sich noch nicht dazu geäußert, ab wann chipfreie Toner in den Läden erscheinen werden und ob die Änderung langfristig Bestand hat. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Canon den derzeitigen Status quo so bald wie möglich wiederherstellen wird.

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3 KOMMENTARE

  1. Frei

    Nach wie viel Ausdrucken müssen die Kunden die Entsperrprozedur wiederholen?
    Oder muss dafür die Firmware im Drucker verändert werden?

    Die Chips in Kartuschen bauen Hersteller ein, und günstigere Nachbauprodukte auszusperren, um eigene wesentlich überteuerte Kartuschen zu verkaufen…
    Konzept ist: mit niedrigem Druckerpreis, die Kunden anlocken, und danach mit Wucherpreisen für Verbrauchmaterial (Toner / Tinte) abzuzocken…

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  2. Leipold,Achim

    Ich bin kein Jurist, aber da die Drucker nicht wie gewohnt funktionieren, fehlt eine zugesicherte wesentliche Eigenschaft.Das heißer: Hurra Garantiefall.Mtauschen, und Geld zurück 😉

    Antwort
  3. Frei

    Nachtrag:
    Wenn die Chips für Kartuschen wieder ausreichend verfügbar sind, könnt der Anbieter durch (automatisches?) Firmware Update diese Freischalt-Option sperren…

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