Tomodachi Life Living the Dream ist am 16. April für die Switch und die Nintendo Switch 2 auf den Markt gekommen. Laut einem Interview mit den Entwicklern befand sich das Spiel satte 9 Jahre in Arbeit. Doch was ist nun aus diesen neun Jahren geworden? Kann das Spiel meinen Erwartungen gerecht werden, was fehlt, und was ist neu?
Was ist Tomodachi Life eigentlich?
Diese Frage ist mir in den letzten Tagen immer wieder von meinen Freunden gestellt worden, wenn ich über das Spiel geredet habe. Und sie ist erstaunlich schwer zu beantworten. Denn Tomodachi Life ist im Kern eine völlig verrückte Lebenssimulation. Aber es ist dennoch ganz anders als andere Games des Genres. Und da das Spiel so unglaublich individuell ist, gleicht nicht mal die Insel eines Spielers der eines anderen.
Das Spiel macht dich zum körperlosen Herrscher einer kleinen Insel. Auf dieser Insel leben Mii‑Charaktere, die du erstellst. Ob es sich dabei nun um völlig frei erfundene Persönlichkeiten, oder Menschen aus dem echten Leben handelt, ist ganz dir überlassen. Auf meiner Insel tummeln sich aktuell Schauspieler und fiktive Charaktere aus Serien und Filmen zugleich. Passend dazu habe ich meiner Insel also den Namen „Hollywood Island“ verpasst.

Die Miis auf deiner Insel freunden sich miteinander an, verlieben sich, und gehen einem ziemlich verrückten Alltag nach. Du kannst sie dabei beobachten und ihre Interaktionen und Beziehungen zum Teil beeinflussen. Ein wirkliches Ziel gibt es dabei nicht. Der Spaß liegt darin, die Entwicklung deiner Miis über Wochen und Monate zu beobachten.
Gameplay: Lustig, aber repetitiv
Ich spiele Tomodachi Life Living the Dream seit dem 17. April. Also mittlerweile seit etwa 4 Tagen zum Zeitpunkt des Schreibens. Und in diesen vier Tagen habe ich das Gefühl, alles schon gesehen zu haben. Jede Interaktion kommt mir bereits bekannt vor. Zwar sind es immer unterschiedliche Miis, die verrückte Träume haben, aber die Träume wiederholen sich ständig.
Dennoch habe ich noch viel Spaß am Spiel und schaue alle paar Stunden bei meinen Miis vorbei. Das liegt daran, dass der Gameplay-Loop, auch wenn er sich stetig wiederholt, im Kern solide ist. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass ich Charaktere erstellt habe, die ich aus dem „echten“ Leben kenne. Streiten sich etwa Kate Beckett und Richard Castle, weil einer der beiden nicht aufhören kann, über Steuerhinterziehung zu reden, dann ist das lustig, auch wenn ich die gleiche Unterhaltung zuvor schon einmal bei anderen Miis erlebt habe.

Die offene Welt von Living the Dream
Der größte Unterschied zum Vorgänger auf dem 3DS ist die offene Welt von Living the Dream. Deine Miis haben nach wie vor ihre eigenen Häuschen, halten sich aber die meiste Zeit über draußen auf. Hier interagieren sie mit verschiedensten Objekten und verbringen Zeit zusammen. Auf meiner Insel leben aktuell nur 16 von 70 möglichen Miis und sie fühlt sich trotzdem stets lebendig an.
Und das Beste daran? Erstmals kannst du deine Miis manuell mit anderen bekannt machen. Beim Vorgänger passierte es manchmal, dass ein Mii auch nach Tagen keine Bekanntschaften auf der Insel gemacht hat, oder seinen von mir vorgesehenen Partner gar nicht erst kennengelernt hat. Jetzt nehme ich jedes neue Mii mit auf eine kleine Vorstellungsrunde, damit jeder jeden zumindest kennt. Und innerhalb kürzester Zeit sind dann auch Neuzugänge voll integriert.

Besonders cool ist auch, dass du deine Insel selbst gestalten kannst. Im 3DS-Spiel gab es eine Insel mit dem immer gleichen Design, auf der sich alles abgespielt hat. In Living the Dream kannst du die Form, das Layout und die Ausstattung deiner Insel individuell gestalten. Allerdings gibt es hier auch ein paar Dinge, die mir nicht sonderlich gut gefallen. Mehr dazu gleich.
Die größte Schwäche von Living the Dream
Die größte Schwäche von Tomodachi Life Living the Dream ist gleichzeitig auch eine der Stärken des Spiels. Und das ist der immense Fokus auf vom Spieler erstellten Inhalten. Im Spiel kannst du so gut wie alles selbst erstellen. Du bringst deinen Miis lustige Worte und Phrasen bei, die sie dann in Unterhaltungen raushauen. Du kannst selbst den Pinsel schwingen und lustige Objekte wie eine Packung Zigaretten erstellen.
Auf den ersten Blick ein fantastisches System, das zu vielen lustigen Memes online geführt hat. Was mich allerdings stört, ist der massive Fokus des Spiels auf diese selbsterstellten Inhalte. Möchtest du unter anderem die Fassade deiner Häuser anpassen, dann musst du selbst den Pinsel schwingen. Denn das Spiel bringt keine einzige Variation mit. Wer nicht selbst kreativ wird, kann also diesen Aspekt des Spiels überhaupt nicht nutzen.

Und selbst wer den Pinsel schwingt und sich etwas Schönes ausdenkt, muss damit leben, dass die selbst erstellten Designs viel simplistischer sind als das ursprüngliche. Du möchtest etwa die Farbe des Hauses ändern, in dem dein Mii lebt? Unmöglich, ohne auch seine Persönlichkeit zu ändern.
Wer nicht kreativ ist, muss verzichten
Das Problem mit den Designs beschränkt sich nicht nur auf die Fassade der Häuser. Auch bei der Innenausstattung gibt es erschreckend wenige Optionen. Weniger, als in der 3DS Version. Und bei den vorhandenen Designs liegt ein klarer Fokus auf verrückten und sonderbaren Einrichtungen. Wer seinem Mii also einfach eine simple, realistische Einrichtung geben möchte, der hat nicht viel Auswahl.
Dabei funktioniert das Kleidungssystem im neuen Spiel einwandfrei. Du kannst Sets kaufen, schaltest dann aber die einzelnen Bestandteile der Sets frei und kannst diese mit anderen Stücken kombinieren, um neue Outfits zu erstellen. Etwas Ähnliches habe ich mir auch bei der Innenausstattung gewünscht. Ein System, das dich selbst Möbelsets zusammenstellen lässt. Als ich dann herausgefunden habe, dass sich nur die Tapete selbst gestalten lässt, war ich durchaus enttäuscht.

Insgesamt habe ich kein Problem mit dem Workshop-System an sich. Ich finde es toll, dass Spieler selbst neue Looks für ihre Häuser erstellen können. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass das Spiel von Werk zumindest ein paar schicke Design-Optionen mitgebracht hätte. Damit auch Spieler, denen Design nicht liegt oder keinen Spaß macht, das Feature nutzen können und nicht komplett außen vor bleiben.
Ist Living the Dream schlechter als das Original?
In den Tagen nach der Veröffentlichung des Spiels habe ich beispielsweise auf Reddit immer mehr Negativität bemerkt. Viele Spieler bemängeln, dass manche Features aus dem originalen 3DS-Spiel fehlen. Dazu gehören etwa die Konzerthalle und einige kleine Minispiele. Hätte ich mich darüber gefreut, die Konzerthalle in Living the Dream zu sehen? Absolut!
Allerdings macht ihre Abwesenheit mir nicht viel aus. Gleiches gilt für die Minispiele. Auch im Original haben sie ein paar Minuten Spaß gemacht, aber danach schnell ihren Reiz verloren. Insgesamt ist Tomodachi Life Living the Dream nicht viel mehr als das Spiel für den 3DS. Es ist moderner und bietet mehr Möglichkeiten, aber das Grundgerüst ist dasselbe.

Und ich glaube, hier liegt für viele das Problem. Living the Dream ist nicht schlechter als das Original, es ist aber auch nicht massiv besser. Nach satten 9 Jahren Entwicklungszeit haben sich viele Spieler, inklusive mir, einfach mehr erhofft. Mehr Gameplay, mehr Features, mehr von dem, was Tomodachi Life so ikonisch macht. Aber außer der offenen Welt und den zahlreichen Workshop-Optionen haben wir nicht mehr bekommen.
Unsere Erwartungen an Spiele ändern sich
Tomodachi Life für den 3DS war ein fantastisches Spiel. Es war verrückt, hat über Tage und Wochen hinweg Spaß gemacht. Man hat immer mal wieder den 3DS aufgeklappt und ins Spiel geschaut. Und im Jahr 2013, auf einer Konsole wie dem 3DS, war das genug. Aber es kann nicht geleugnet werden, dass sich unsere Einstellung zu Spielen geändert hat.

Mit stetigem technischem Fortschritt erwarten wir immer mehr. Spieler sehen, was in anderen Spielen möglich ist, und erwarten diese Features. Und gerade wenn ein Spiel mit einem 60-Euro-Preisschild daherkommt, ist daran auch nichts falsch. Für 60 Euro kannst du dir Fallout 4 für die Switch 2 kaufen. Oder Animal Crossing: New Horizons mit einer Erweiterung inklusive. Die Sims 4 ist mittlerweile kostenlos erhältlich.
Mir geht es nicht darum, Living the Dream mit diesen anderen Spielen zu vergleichen. Aber wenn Spieler im Nintendo Switch 2 Store ein Spiel aus dem Jahr 2026 für 60 Euro sehen, dann ist es fair, mehr zu erwarten, als von einem 3DS Spiel aus dem Jahr 2013. Und Living the Dream schafft es leider nicht, die geweckten Erwartungen vollends zu erfüllen.
Mein Fazit zu Tomodachi Life Living the Dream
Tomodachi Life Living the Dream ist ein fantastisches Spiel, an dem ich viel Spaß habe. Es ist aber nicht das Spiel, das ich mir nach 9 Jahren Entwicklungszeit erhofft habe. Es ist ein solides Remake des Originals, bringt aber außer kreativen Features nicht viel Neues mit sich. Der Gameplay Loop ist auch nach über einem Jahrzehnt unverändert und es dauert gerade einmal ein paar Tage, bis man alles schon mal gesehen hat.
Tomodachi Life war schon immer ein Spiel, dessen Spaßfaktor stark vom Spieler abhing. Und in Living the Dream spielt das nochmal eine größere Rolle. Denn zeichnest du nicht deine eigenen Objekte und bringst deinen Miis keine lustigen Phrasen bei, dann ist das Spiel erschreckend leer.

Insgesamt kann ich Tomodachi Life Living the Dream jedem empfehlen, der gerne kreativ ist und kein Problem damit hat, sich seinen eigenen Spaß zu suchen. Wer allerdings direkt aus der Box ein lustiges, unterhaltsames Spiel möchte, das einem nicht viel Eigenarbeit abverlangt, der sollte vielleicht doch lieber seinen 3DS aus der Schublade kramen. Tomodachi Life Living the Dream ist kein schlechtes Spiel. Es ist aber im aktuellen Zustand keine 60 Euro wert.
„Keine Sorge, es wird Updates geben!“
Diesen Satz habe ich in den letzten Tagen immer wieder gelesen. Nintendo hat jedoch kein Wort zu Updates für Living the Dream gesagt. Wer nicht enttäuscht werden will, sollte also damit rechnen, dass es vermutlich keine Content-Updates für das Spiel gibt. Ich rate davon ab, das Spiel jetzt in der Hoffnung zu kaufen, dass Features wie die fehlenden Design-Optionen nachgeliefert werden.





