Der Markt für vollelektrische Limousinen wächst rasant – und mit ihm der Konkurrenzdruck. Volvo versucht beispielsweise mit dem ES90 (Test) zu punkten, und auch der Mazda 6e (Test) sorgt dieser Tage mit einem eleganten Design für Aufsehen. Doch es geht noch mehr. Und genau hier setzt der Xpeng P7+ an. Der chinesische Hersteller will mit diesem E-Auto nicht weniger als die etablierte Premium-Konkurrenz herausfordern. Ob das gelingen kann? Wir haben es herausgefunden.
Erster Eindruck zum Xpeng P7+: elegant statt verspielt
Schon beim ersten Kontakt fällt auf: Der Xpeng P7+ setzt auf einen klaren und minimalistischen Stil. Die flache Silhouette, versenkbare Türgriffe und die durchgehenden Lichtleisten an der Front und am Heck verleihen der Limousine einen modernen, aerodynamischen Look. Das Design wirkt bewusst europäisch geprägt und dürfte gerade hierzulande gut ankommen.

Im Innenraum des Fünfsitzers geht es ähnlich weiter. Dich erwartet ein aufgeräumtes Cockpit mit durchgehender Mittelkonsole, großem Zentraldisplay (15,6 Zoll) und schmalem Fahrer-Info-Display (8,8 Zoll) plus Head-up-Display. Alles serienmäßig. Dazu gibt es hochwertige Materialien und kaum physische Tasten. Fast alles wird über das Zwei-Speichen-Lenkrad oder den Touchscreen gesteuert. Die Türen öffnen elektronisch auf Knopfdruck, die Lüftungsdüsen fallen klein und überraschend schmal aus.
Moderne Verarbeitung
Die Verarbeitung ist insgesamt auf einem hohen Niveau einzuordnen – kein Klappern, keine unsauberen Spaltmaße. Zudem ist über abgedunkelte Scheiben auch ausreichend Privatsphäre in der zweiten Sitzreihe gewährleistet. Ideal, wenn dieser Wagen mit persönlichem Fahrer als Dienstwagen zum Einsatz kommen soll oder Kinder im Heck mitfahren, die vor neugierigen Blicken geschützt werden sollen. Eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik ist Teil der Serienausstattung.
Besonders positiv: das großzügige Platzangebot, sowohl vorn als auch im Fond. Hier machen sich die satten 5,07 Meter Fahrzeuglänge bei einem Radstand von exakt 3 Metern positiv bemerkbar. Komfort in der zweiten Sitzreihe? Ebenfalls gegeben. Denn die beiden Modelle mit großem Akku bieten hinten nicht nur eine Sitzheizung, sondern auch eine Sitzventilation. Sogar eine Massage-Funktion ist auf den hinteren Plätzen dann mit an Bord. Und wer in der zweiten Sitzreihe Platz nimmt, kann über einen zusätzlichen Bildschirm (8 Zoll) am Ende der Mittelkonsole sogar die Position des rechten Vordersitzes verstellen. Ein Panoramaglasdach lässt den freien Blick nach draußen zu. Es ist aber sehr stark getönt.

Antrieb und Fahrleistung: Souverän statt brachial
Unter dem Blech arbeitet ein rein elektrischer Antrieb, der je nach Version unterschiedliche Leistungsstufen bietet. Schon in der Basisvariante liefert der Xpeng P7+ mehr als genug Kraft für den Alltag: 180 kW (245 PS). Topmodell ist ein Allradmodell mit 370 kW (503 PS). Und genau dazwischen siedelt sich ein Modell mit Heckantrieb und größerer Reichweite an. Denn statt der 61,7 kWh großen LFP-Batterie des Basismodells ist hier wie in der Allrad-Ausführung ein 74,9 kWh großer LFP-Akku verbaut. Der Wagen bringt in dieser Version 230 kW (313 PS) auf die Straße und war auch jenes Modell, das wir auf kurvigen Landstraßen vor den Toren von Barcelona und in der Stadt der katalanischen Metropole für diesen Test bewegen durften.
Die Beschleunigung ist typisch Elektroauto: sofort verfügbar, linear und angenehm leise. Auf einen echten Punch beim Tritt auf das Strompedal verzichtet Xpeng, was sehr angenehm ist. Der Wagen schiebt kraftvoll, aber fein dosiert an. Von 0 auf 100 km/h geht es in rund sechs Sekunden, in der Spitze ist bei 200 km/h Schluss. Vier Fahrmodi stehen zur Wahl (Eco / Comfort / Sport / Individual) und auch die Rekuperation lässt sich in vier Stufen einstellen. Wer mag, kann auch 1-Pedal-Driving aktivieren.

Gute Abstimmung
Auf der Straße zeigt sich die Limousine ausgewogen abgestimmt. Das Fahrwerk ist eher komfortorientiert, ohne dabei schwammig zu wirken. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, gleichzeitig bleibt das Fahrzeug in Kurven stabil und gut kontrollierbar. Wer eine sportliche Härte erwartet, wird hier eher nicht fündig – dafür punktet der P7+ mit Langstreckentauglichkeit. Die Gänge werden über einen Gangwahlhebel hinter dem Lenkrad eingelegt. Und hier lässt sich während der Fahrt auch der Tempomat aktivieren, indem der Hebel nach unten gezogen wird.
Die Lenkung arbeitet präzise, könnte aber etwas mehr Rückmeldung geben. Insgesamt ergibt sich ein Fahrgefühl, das eher auf entspanntes Gleiten als auf dynamische Attacken ausgelegt ist. Negativ fielen im Test zu sensibel eingestellte Assistenzsysteme auf, die ohne aktiven Tempomat teils sehr ruckartig in die Lenkung eingriffen. Laut Xpeng ein Problem, das per Software-Update aus der Welt geschafft und bei den nach Deutschland kommenden Seriemodellen nicht mehr auftreten soll.

Reichweite und Laden: Xpeng zündet den Ladeturbo!
Ein zentrales Thema bei jedem Elektroauto ist die Reichweite. Der Xpeng P7+ kann hier überzeugen: Je nach Batteriegröße liegt die kombinierte WLTP-Reichweite zwischen 455 und 530 Kilometern. Auf der Autobahn solltest du entsprechend mit 350 bis 400 Kilometern Langstreckenreichweite rechnen. Im gemischten Fahrbetrieb bleibt der Verbrauch auf einem vernünftigen Niveau. Wir haben bei 20 Grad Außentemperatur im Schnitt rund 15 kWh auf 100 Kilometern Fahrstrecke verbraucht, was auch mit Blick auf das Leergewicht von 2,1 Tonnen sehr ordentlich ist.

Die wichtigste Botschaft aber ist: Beim Laden zeigt sich der Xpeng P7+ abseits des AC-Ladens an der Wallbox oder an der Normalladesäule (max. 11 kW) als echtes Wunder. Denn das Schnellladen ist bei diesem E-Auto neben dem guten Platzangebot die vielleicht größte Stärke. Schon das Basismodell lädt neue Energie an entsprechend kompatiblen Schnellladesäulen mit bis zu 350 kW nach. Die beiden Modelle mit großem Akku schaffen laut Datenblatt sogar bis zu 446 kW. Spitzenwerte, die eine Wiederaufladung in kürzester Zeit ermöglichen.
Wir konnten im Rahmen unseres Tests zwei Werte ermitteln, die zeigen, dass Reichweitenangst mit modernen E-Autos wie dem Xpeng P7+ kein Problem mehr sein muss. An unserem Testwagen konnten wir eine Aufladung von 36 auf 100 Prozent in 25 Minuten dokumentieren – mit maximal 359 kW. Selbst bei einem Akkustand von 90 Prozent lag die Ladeleistung noch bei 80 kW. Ein zweiter Testwagen lud von 32 auf 82 Prozent in elf Minuten auf. Rasant! Der Hersteller verspricht unter optimalen Bedingungen eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent in zwölf Minuten. V2L-Unterstützung, also das Aufladen externer elektronischer Geräte über den Ladeanschluss hinten rechts, ist ebenfalls gegeben.

Infotainment und Assistenzsysteme: Technik auf hohem Niveau
Ein weiteres Highlight des Xpeng P7+ ist die umfangreiche Technik. Das Infotainment-System vermittelt einen modernen Eindruck, reagiert schnell und bietet viele Funktionen. Navigation, Mediensteuerung und Fahrzeugsettings sind logisch aufgebaut, aber ziemlich umfangreich. Vielleicht sogar zu umfangreich. Es dauert seine Zeit, bis man sich bei der Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten in der Tiefe der Menüpunkte zurechtfindet. Das lenkt gerade auf den ersten Runden mit dem Auto (zu) sehr ab.
Umso erfreulicher ist es, dass die Sprachsteuerung des Wagens umfangreich nutzbar ist und sogar das Öffnen der Fenster per Sprachbefehl möglich macht. Dankbar annehmen wirst du auch das 20 Lautsprecher umfassende Soundsystem und eine Ambientebeleuchtung, die sich über 256 Farben frei nach deinen Wünschen anpassen lässt. Doch so schön die passive Beleuchtung des Armaturenbretts auch aussieht, leider spiegelt sich die Ambientebeleuchtung zuweilen stark in den Scheiben. Das gibt Abzüge in der B-Note.

Umfangreich verbaut sind zudem die serienmäßigen Assistenzsysteme. Xpeng setzt stark auf automatisiertes Fahren und bringt eine Vielzahl an Features mit. Dazu gehören unter anderem adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent und Notbremsassistent. Wer das Smartphone mit dem Auto koppeln möchte, kann das am einfachsten per Bluetooth über kabelloses Apple CarPlay und Android Auto tun.
Komfort und Alltag: Stärken auf der Langstrecke
Im Alltag spielt der Xpeng P7+ seine größten Stärken aus. Die Sitze sind bequem, das Raumgefühl großzügig und die Geräuschdämmung richtig überzeugend. Gerade auf langen Autobahnfahrten entsteht ein angenehmes, fast schon entspanntes Reisegefühl.
Der Kofferraum bietet ausreichend Platz für Gepäck. Bereits ohne umgelegte Vordersitze lassen sich laut Herstellerangaben 573 Ladevolumen nutzen. Mit umgelegten Rücksitzen wächst das Stauvolumen auf bis zu 1.931 Liter an. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es aber leider nicht.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Angriff auf die Premiumklasse
Ein entscheidender Faktor ist der Preis. Hier positioniert sich der Xpeng P7+ bewusst unterhalb vieler etablierter Premiumhersteller, bietet aber gleichzeitig eine üppige Ausstattung. Das macht ihn besonders interessant für alle, die viel Technik und Komfort zu einem fairen Preis suchen.
- RWD Standard Range des Xpeng P7+: mind. 46.600 Euro
- RWD Long Range des Xpeng P7+: mind. 49.600 Euro
- AWD Performance des Xpeng P7+: mind. 53.600 Euro

Keinen Aufpreis kostet das Auto, wenn du es in Weiß bestellst. Eine Lackierung in Silber, Grau oder Schwarz kostet 800 Euro extra. Bei der Innenausstattung hast du die Wahl zwischen schwarzem oder weißem Kunstleder. Eine elektrisch schwenkbare Anhängerkupplung ist für zusätzliche 1.190 Euro zu haben und lässt das Ziehen einer gebremsten Anhängelast von 1.500 Kilogramm zu. Eine Wärmepumpe ist ohne Aufpreis immer an Bord.
Fazit: Überraschend starkes Gesamtpaket
Der Xpeng P7+ ist mehr als nur ein weiterer Herausforderer im Elektrosegment. Die Limousine überzeugt mit einem gelungenen Design, hohem Komfort und moderner Technik. Besonders im Alltag und auf langen Strecken spielt das Fahrzeug seine Stärken aus. Die enorme Ladeleistung ist bei diesem E-Auto schlicht und ergreifend genial – wie auch schon beim Xpeng G6 (Test) und beim Xpeng G9 (Test).
Wenn du auf der Suche nach einer langen, vollelektrischen Limousine im Design eines Fastback bist, die Komfort, Reichweite und Technik auf 20-Zoll-Leichtmetallfelgen (19 Zoll beim Basismodell) kombiniert, solltest du den Xpeng P7+ mit knapp zwölf Metern Wendekreis definitiv auf dem Zettel haben.

Vorteile Xpeng P7+
- hochwertige Verarbeitung
- enormes Platzangebot
- hervorragende Ladeleistung
- umfangreiche Serienausstattung
Nachteile Xpeng P7+
- Assistenzsysteme noch nicht auf Top-Niveau
- Langstreckenreichweite allein eher mäßig
- Bedienung stark auf den Touchscreen ausgelegt
- sehr langes Fahrzeug (zu lang für viele Parklücken)






