Die Oral-B iO Kids macht beim ersten Eindruck erst einmal wenig falsch. Die Bürste ist geladen. Ein Bürstenkopf liegt bei. Dazu kommen das bekannte Oral-B-Ladegerät und eine einfache Reisebox. Positiv fällt die Verpackung auf. Oral-B verzichtet hier komplett auf Plastik. Das ist leider auch 2026 noch nicht selbstverständlich. Der Marktpreis: Je nach Händler und Angebot knapp 50 bis 60 Euro.
Test durch Kind: Angenehmes Putzgefühl
Wichtiger ist aber der erste Einsatz. Und genau dort sammelt die Kinderzahnbürste im Test ihre stärksten Punkte. Das Putzgefühl wirkt sanft, wie unser achtjähriger Tester es beschreibt. Er beschreibt die Bürste als leicht kitzelig, aber angenehm. Vor allem bei einem Wackelzahn fällt der Unterschied zur bisher genutzten Philips Sonicare auf. Die Oral-B iO Kids stört dort weniger. Das ist im Alltag ein echter Vorteil, den unser Tester auch nach mehreren Tagen des Testens noch zu schätzen weiß.
Auch die Technik passt grundsätzlich zum Einsatz bei Kindern. Die Bürste startet im besonders sanften Modus. Dazu kommen zwei weitere Stufen. Laut Hersteller reduziert sie die Geschwindigkeit bei zu viel Druck automatisch. Im Test gab es dabei keinen negativen Eindruck. Entscheidend bleibt aber ein anderer Punkt: Das Kind würde beim reinen Putzen lieber zur neuen Oral-B greifen als zur bisherigen Bürste. Das spricht erst einmal für sich.
Die App setzt auf Spielerei statt Hilfe

Weniger überzeugend ist die begleitende App. Sie bietet Kalender, Sticker, sammelbare Punkte und eine kleine Belohnungslogik. Dazu kommen bekannte Figuren wie Stitch oder Lightning McQueen. Das klingt zunächst passend. Im Alltag bleibt davon aber vor allem Beschäftigung und Kinderunterhaltung übrig.
Das Hauptproblem: Die App ist nicht direkt mit der Zahnbürste verbunden. Der Zwei-Minuten-Timer läuft einfach los, wenn das Kind auf „Putzen“ klickt. Die Bürste wird nicht gekoppelt. Es gibt also keine echte Rückmeldung zum Putzverhalten. Das Kind rubbelt durch das Absitzen von zwei Minuten Putzzeit in der App im Grunde nur ein Bild frei. Im direkten Vergleich mit der Philips-Lösung wirkt das schwach. Dort wird besser gezeigt, welcher Bereich im Mund gerade dran ist, denn das Kind putzt dort den Mund des flauschigen Monsters Sparkly. Sparkly wird schnell zum virtuellen Freund des Kindes, der gefüttert und angezogen werden will und schlechte Laune hat, wenn mal nicht geputzt wird. Die Sonicare übermittelt das erfolgreiche Putzen per Bluetooth, selbst wenn die App mal nicht direkt beim Putzen genutzt werden kann.
Oral-B-Bürste vibriert alle 30 Sekunden
Bei Oral-B wird das ausgewählte Disney-Motiv nach und nach freigerubbelt, sobald in der App auf „Putzen“ geklickt wurde. Die Animation läuft dabei im Uhrzeigersinn (siehe Titelbild). Ein kurzer Vorspann bleibt vorher noch abzuwarten, der für das Vorbereiten der Zahnbürste genutzt werden kann, für das ein oder andere Kind aber zu kurz bemessen sein dürfte. Fraglich ist zudem, ob jedes Kind die Verbindung zwischen dieser Wischrichtung und den Putzbewegungen im Mund nachvollziehen kann. Anschaulicher wirkt eine Darstellung, bei der direkt ein Mund mit kleinen Bakterien gezeigt wird, die weggeputzt werden. Dann ist diese gedankliche Übertragung gar nicht erst nötig. Immerhin: Unser Praxistester fand die vibrierende Rückmeldung der Oral-B-Zahnbürste alle 30 Sekunden zum Wechsel des Putzbereichs besser als das akustische Signal der bisherigen Sonicare-Bürste. Am Ende folgt die „Belohnung“ durch die Bürste: Eine ziemlich leise Midi-Melodie. Begeisterung löste das im Test nicht aus.

Hinzu kommen bei der App kleine Schwächen im Detail. Die Auswahl der Figuren wirkt teilweise schmal. Einige Inhalte lassen sich nur gegen Aufpreis oder langes Punktesammeln freischalten. Auch jeder neu gekaufte Bürstenkopf oder eine Zahnpasta sorgt für neue Charaktere. Natürlich nur, wenn sie von Oral-B stammen. Einfach den EAN-Code scannen. Kritikpunkt: Die Admin-Sperre für Erwachsene ist nicht besonders stark. Wer lesen kann, kommt recht leicht in die Einstellungen. Für jüngere Kinder mag das noch reichen. Für Schulkinder ist das wenig durchdacht, denn die virtuelle Belohnung fürs Putzen kann sich jedes Grundschulkind so selbst ermogeln. Das eigentlich sinnvolle Belohnungsprinzip wird so umgegangen. Außerdem enttäuschte die App unseren Probanden mehrfach dadurch, dass es neue versprochene Sticker und Stickeralben dann doch nicht gab.
Warum das Gesamturteil trotzdem ordentlich ausfällt
Trotz der Kritik bleibt die Oral-B iO Kids keine Enttäuschung. Im Gegenteil. Die Zahnbürste selbst macht ihren Job gut. Und genau das ist bei einem solchen Produkt wichtiger als jeder Sticker. Wenn du ein Kind hast, das bei empfindlichen Stellen vorsichtig putzt oder bei Wackelzähnen schnell abbricht, ist das hier ein echtes Argument.

Die App motiviert zwar, sie erklärt das Putzen aber kaum besser. Damit verschenkt Oral-B Potenzial. Denn die Basis stimmt. Die Bürste arbeitet angenehm. Sie kommt beim Kind gut an. Und sie senkt im besten Fall die Hürde, morgens und abends wirklich gründlich zu putzen.
Fazit
Die Oral-B iO Kids überzeugt im Test vor allem als Zahnbürste. Sie putzt angenehm, wirkt bei Wackelzähnen sanft und wurde von unserem Tester im Grundschulalter im direkten Vergleich zur bisherigen Philips-Bürste klar bevorzugt. Die App bleibt dagegen zu simpel. Sie beschäftigt mehr, als sie hilft. Wenn du eine alltagstaugliche elektrische Kinderzahnbürste suchst, lohnt sich der Blick. Wenn du auf eine starke App-Begleitung hoffst, musst du Abstriche machen. Verfügbar ist die Oral-B iO Kids aktuell in zwei Varianten: einmal im Stich- und einmal im Spiderman-Design. Größter Nachteil für Eltern im direkten Vergleich zwischen Oral-B und Philips Sonicare dürfte der Preis sein: Sonicare kostet mit 30-50 Euro (je nach Angebot) weniger.






