LG Watch W7 im Test: Der überteuerte Rohrkrepierer

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LG Watch W7: Smartwatch am Handgelenk
Der Smartwatch-Markt ist nicht besonders hart umkämpft, auch wenn viele Smartphone-Hersteller in regelmäßigen Abständen neue smarte Uhren vorstellen. Es sind eher Nebenprodukte, wie das aktuelle Beispiel von LG zeigt. Der Handyproduzent legt seine Watch W7 nämlich beim Kauf des neuen LG V40 ThinQ “gratis” mit dazu. Doch wie kann sich das rechnen, kostet die Uhr doch alleine schon 450 Euro? Scheinbar ist die Smartwatch nicht das wert, wie der UVP so plakativ darstellt. Und im Test zeigt sie genau das: Sie ist ihr Geld nicht wert.

Die LG Watch W7 fußt auf einem neuen Smartwatch-Konzept. Sie ist ein Zwitter aus smarter und analoger Uhr. Denn: Sie dient dem Smartphone nicht nur als Sklave, der die Nachrichten von der Hosentasche ans Handgelenk weiterleitet. Mit ihrem klassischen Uhrwerk zeigt sie auch dann noch die Zeit an, wenn die smarten Funktionen aufgrund der miserablen Akkulaufzeit längst in den Tiefschlaf gefallen sind und per Ladestation wieder wach geküsst werden wollen. Verliert die Watch W7 ihre smarten Funktionen, sieht sie mit ihrem Kunststoffarmband jedoch noch mehr nach Trostpreis vom Dosenwurfstand auf dem Jahrmarkt aus.

Uhrzeit trotz leerem Akku

Nutzt man die LG Watch W7 nur dazu, sich per Vibration die auf dem Smartphone ankommenden Nachrichten ans Handgelenk schicken zu lassen – viel mehr kann sie auch nicht – ist der Akku nach einem Tag leer. Das Positive daran: Man schaut nur noch dann auf die Uhr, wenn man die Zeit wissen möchte. Denn die mechanischen Zeiger sind eigentlich das Highlight der Smartwatch. Aber gleichzeitig auch ein Schwachpunkt. Doch dazu später mehr.

Ein großer Nachteil von reinen digitalen Anzeigen in Smartwatches ist die Ablesbarkeit. Bei starkem Sonnenschein oder schräger Draufsicht gelangen die kleinen Displays schnell an ihre Grenzen. Hinzu kommt: Der Träger muss das Display meist erst aktivieren, bevor er die Zeit ablesen kann. Beides umgehen die mechanischen Zeiger der LG Watch W7 elegant. Sie sind immer ablesbar. Und wenn es mal zu dunkel wird, kann das Display trotzdem noch mit etwas Hintergrundbeleuchtung aushelfen.

Die Nachteile des mechanischen Uhrwerks

Wer jedoch nach Watch Faces – also nach digitalen Ziffernblättern – im Play Store sucht, um seine LG Watch W7 zu verschönern, wird keines finden, bei dem Stunden- und Minutenzeiger ausgeblendet werden. Hinter den mechanischen Zeigern leuchtet dann also unschön eine zusätzlich digitale Anzeige auf.

LG Watch W7: Heruntergeladenes Watch Face

Darüber hinaus schafft LG die Möglichkeit, per Knopfdruck den Bildschirm zu verschieben, wenn die Uhrzeiger im Weg sind. Kann man eine Nachricht auf der smarten Uhr also nicht lesen, weil die Zeiger auf viertel nach neun stehen, lässt sich durch Drücken des oberen Knopfes der Bildschirm nach oben schieben. Smart ist das nicht unbedingt.

Bei LG gibt es keine Linkshänder

In der Regel statten Smartwatch-Hersteller ihre Computeruhren mit einem softwareseitig drehbaren Bildschirm aus. Der Vorteil: Die Uhr lässt sich auch an der rechten Hand tragen, während die mechanischen Bedienelemente auf der linken Seite des Gehäuses verortet sind. So können Nutzer, die ihre Uhr lieber rechts tragen, die Steuerung bequem mit der linken Hand realisieren.

Nicht bei der Watch W7. Mit ihren mechanischen Zeigern stellt sie LG vor ein Problem: Denn die Zeiger müssten sich ebenfalls in der Ausrichtung drehen. Machen sie aber nicht. Zwar kann man sie am rechten Handgelenk tragen, die Knöpfe müssen dann jedoch mit verrenkter linker Hand betätigt werden. Und die Uhr ist bei der Bedienung von der linken Hand verdeckt.

Fazit zur LG Watch W7

LG ruft für die Watch W7 rund 450 Euro auf. Dafür bekommt der Käufer jedoch ziemlich wenig. Auf ein GPS-Modul etwa muss man ebenso verzichten wie auf einen Pulssensor. Aktivitäts-Tracking, eine kontinuierliche Herzfrequenzmessung und das Navigieren ohne Smartphone gibt es also nicht. Auch NFC fehlt, in Zeiten des mobilen Bezahlens, schmerzlich. Wenigstens ist die Uhr nach IP68-Standard wasserdicht.

Wie ernst es LG mit der Smartwatch ist, zeigt allein schon der Name: Watch W7. Nach der LG G Watch und der LG G Watch R fällt nun das “G” weg. Dafür steht nach dem “W” die Ziffer 7. Was diese symbolisieren soll, bleibt aber fraglich. Die siebte Generation zumindest ist es nicht. Hinzu kommt: Kaum einer wird bereit sein, einen derart hohen Preis für eine so lieblos hergestellte Smartwatch zu bezahlen. Zum Vergleich: Die neueste Apple Watch mit GPS und Bluetooth kostet rund 430 Euro. Es verwundert also nicht, dass LG die Uhr beim Kauf eines LG V40 ThinQ als “kostenlose” Dreingabe dazulegt.

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Blasius liebt Technik, Musik und Fotografie. Während er sich bei technischen Themen für Innovationen begeistert, greift er beim Musizieren auf die Old-School-Akustikgitarre und für großartige Fotos auf die klassische Spiegelreflexkamera zurück. Er ist nicht nur im Privatleben ein Familienmensch, sondern als stellvertretender Chefredakteur auch eins der Oberhäupter der Redaktion. Blasius rechnet Handypreise zwar immer noch in D-Mark um, doch seine ruhige, ausgeglichene, kreative Art und sein Einsatz von immer treffenden und humorvollen GIFs, lassen darüber hinwegsehen.

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LG V40 ThinQ Schwarz Front
LG G7 ThinQ Front

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