Anker Soundcore Liberty 2 im Test: Solides Gesamtpaket trotz vieler Schwächen

8 Minuten
In den vergangenen Jahren hat sich die Gattung der kabellosen In-Ear-Kopfhörer drastisch vermehrt. Heute hat ein Großteil der bekannten Hersteller wie Apple und Samsung eine eigene Variante im Angebot. Doch müssen es unbedingt die teuersten Geräte sein? Wir haben den günstigeren Underdog, Anker Soundcore Liberty 2, gründlich getestet.
Anker Soundcore Liberty 2Bildquelle: Artem Sandler / inside digital

Spätestens seit der Walkmen in unser Leben trat, ist Musik-to-go ein wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens. Bei den neuesten Generationen dient das Smartphone als Abspielgerät und die Kopfhörer werden kabellos verbunden. Zu der Untergattung der True-Wireless-Kopfhörer, die gänzlich auf Kabel verzichten, gehört auch das In-Ear-Modell Soundcore Liberty 2 von Anker.

Soundcore Liberty 2 im Hands-On

In puncto Verpackung und bei den Beilagen zu den Anker-Kopfhörern kann man nun wirklich nicht meckern. Neben der üblichen Ausstattung wie einer Bedienungsanleitung und einem USB-Typ-C-Kabel legte das chinesische Unternehmen auch sage und schreibe sechs zusätzliche paar Ohrstöpsel und zwei zusätzliche paar Ohrhalterungen in die Box. Da diese jeweils unterschiedlichen Größen vorweisen, dürfte selbst Dumbo ohne Probleme die passende Kombination für sich finden können. Diese Artenvielfalt gehört zu den größten Vorzügen der Soundcore Liberty 2 gegenüber einem Großteil der Konkurrenz und ist auch durchaus ein wichtiger sowie unterschätzter Faktor bei der Auswahl von In-Ear-Kopfhörern.

Zusätzlich beherbergt die Verpackung natürlich auch die Ohrhörer selbst. Außerdem  eine Ladebox, die nicht allzu platzsparend konzipiert wurde und somit etwas klobig wirkt. Die genauen Maße betragen hier: 78,6 x 57 x 29,7 Millimeter, also in etwa die Größe eines Pagers. Beide Hauptgeräte, die Kopfhörer sowie ihre Box, wurden recht gut verarbeitet, wertige Materialien sucht man hier jedoch vergebens. Darum fühlt sich insbesondere das Ladeetui trotz guter Verarbeitung recht „billig“ an. Ein weiteres Manko ergibt sich aus der Art und Weise, wie die Ladebox geöffnet wird. Der Deckel wird nämlich nicht aufgeklappt, sondern zur Seite geschoben. Falls man damit also irgendwo hängenbleibt, könnte dieser recht schnell mit einem fröhlichen „ade“ abbrechen.

Wie gut sitzen die Kopfhörer?

Da ich auch privat kabellose In-Ear-Kopfhörer nutze, ist mir das einhergehende Gefühl in den Ohren bestens vertraut. Darum stellte der Umstieg auf die Soundcore Liberty 2 keine Probleme dar. Ich musste nur ein paar Minuten investieren, um die richtigen Ohrstöpsel und Ohrhalterungen herauszusuchen. Die ursprüngliche Konstellation passte nämlich überhaupt nicht. Aber dafür sind die Wechselteile ja im Lieferumfang enthalten. Im Endeffekt saßen die Ohrhörer so gut, dass ich sie kaum spürte. Dennoch musste ich nicht befürchten, dass sie bei sportlichen Aktivitäten wie während des Joggens herausfallen. Perfekt sind die Anker-Kopfhörer allerdings auch nicht. Aufgrund ihrer Form erinnern sie seitlich gesehen an Pilze, die aus den Ohren sprießen. Von Ästhetik kann hier keine Rede sein. Wobei Geschmäcker bekanntlich verschieden sind.

Anker-Kopfhörer im Einsatz

Wer schon mal Bluetooth-Geräte mit einem Smartphone verbunden hat, dürfte auch die Liberty 2 problemlos mit dem Mobiltelefon koppeln können. Du musst lediglich darauf achten, dass sich die Kopfhörer in der Ladebox befinden, und dass der Deckel aufgeschoben ist. Für diejenigen, die es etwas genauer wissen wollen, hat Anker ein kurzes Tutorial-Video angefertigt:

Sobald die Geräte gekoppelt wurden, sind sie sofort einsatzbereit. Sprich: Du kannst Musik vom Smartphone auf den Kopfhörern abspielen und die zwei mechanischen Knöpfe (jeweils ein Knopf auf einem Ohrhörer) dazu nutzen, um Musik anzuhalten beziehungsweise  fortzusetzen. Zudem kann mit einem Doppelklick der nächste oder der vorherige Song wiedergegeben werden. Falls man eine der Tasten hingegen eine Sekunde lang festhält, aktiviert sich der Sprachassistent. Die Konstellation lässt sich zudem mithilfe einer App anpassen. So können Nutzer die Tasten wahlweise auch zur Regulierung der Lautstärke verwenden. Dafür muss man jedoch auf eine andere Funktion verzichten.

Soundcore-App

Die eben erwähnte Anwendung hört auf die Bezeichnung Soundcore und lässt sich sowohl aus dem App- als auch im Play-Store von Apple beziehungsweise Google herunterladen . Befindet sich diese auf dem Smartphone, haben Nutzer Zugriff auf drei Bereiche. Einer davon reguliert die Belegung der Kopfhörer-Tasten, in einem weiteren Bereich können die Akkustände der einzelnen Kopfhörer geprüft werden und im dritten Bereich lässt sich der Sound anpassen. Im letzteren kann der Nutzer zwischen unterschiedlichen vorprogrammierten Equalizer-Typen wählen oder die Kopfhörer „personalisieren“.

Im Test hat sich die Personalisieren-Funktion allerdings als nicht sonderlich hilfreich herausgestellt. Während des Personalisierens werden verschiedene Töne in unterschiedlichen Lautstärken abgespielt. Gleichzeitig sollte der Nutzer eine Taste gedrückt halten. Sobald der Ton dann zu leise war und nicht mehr wahrgenommen werden konnte, sollte die Taste losgelassen werden. Ich konnte jedoch auch die leisesten Töne stets hören, weswegen für mich wohl schlicht das Standard-Profil als personalisiertes Profil festgelegt wurde. Beim Wechsel zwischen den beiden Optionen konnte ich zumindest keinen Unterschied feststellen.

Wie gut ist der Klang?

Grundsätzlich decken die Soundcore Liberty 2 den Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz ab. Für diejenigen, denen das nichts sagt: Das ist nahezu das gesamte hörbare Spektrum – zumindest, wenn man vom Menschen ausgeht. Hinzu kommt der aptX-Audio-Codex von Qualcomm. Dieser komprimiert die eigentlich bereits komprimierte MP3-Datei vor dem Verschicken noch einmal, und dekomprimiert sie dann vor Ort. Die Qualität soll dabei nicht abnehmen. Zusammen mit Bluetooth 5.0 wird so eine unterbrechungsfreie Verbindung sichergestellt. Und tatsächlich war die Wiedergabe während des Tests stets stabil. Das sollte sie allerdings auch sein, denn einen internen Speicher – um Musik auch ohne Smartphone abspielen zu können – bieten die Kopfhörer nicht. Dafür sind die Ohrhörer IPX5-zertifiziert. Das bedeutet: Schutz gegen Staub bieten die Liberty 2 zwar keinen, dafür sind sie aber gegen Strahlwasser geschützt. Unerwarteter Regen stellt also kein Problem dar.

Ohrgasmus bleibt aus

Was den Klang angeht: Trotz des breiten Frequenzspektrums, der vorprogrammierten Equalizer und der personalisierbaren HearID-Funktion, ist der Klang eher durchschnittlich. Wer nur die bestmögliche Soundqualität haben muss, wird darum mit Sicherheit enttäuscht sein. Der größte Kritikpunkt ist allerdings nicht der Klang selbst, sondern das sehr laute Grundrauschen. Es ist bei kabellosen Kopfhörern stets vorhanden, die Lautstärke unterscheidet sich jedoch von Modell zu Modell. Und bei den Soundcore Liberty 2 ist das Rauschen so laut, dass es nicht nur während des kurzen Augenblicks, bevor ein Lied startet, klar hörbar ist, sondern auch während der Wiedergabe selbst – zumindest bei geringer Lautstärke.

An dieser Stelle sollte ich wohl erwähnen, dass viele True-Wireless-Kopfhörer den gleichen Makel haben. Es gibt allerdings auch Konkurrenzprodukte, bei denen ich das Grundrauschen überhaupt nicht wahrnehmen konnte, wie die True-Wireless-Kopfhörer Samsung Gear IconX (2018). Beim Telefonieren stellt das Grundrauschen hingegen kein Problem dar. Hier ist die Hauptsache, dass man den Gegenüber gut verstehen kann – und das ist hier definitiv der Fall. Auch der Gesprächspartner hört die eigene Stimme laut und klar. Allerdings wirkt diese etwas monoton.

Beim Musikhören die Zeit vergessen

Ein großer Nachteil der True-Wireless-Kopfhörer gegenüber ihren kabelgebundenen Pendants ist die begrenzte Laufzeit. Sie hängt vor allem von der verfügbaren Akkukapazität ab – bei den Soundcore Liberty 2 sind es jeweils 65 mAh pro Ohrhörer. Die Kapazität soll laut Hersteller eine Laufzeit von bis zu acht Stunden gewährleisten. Bei In-Ear-Kopfhörern befindet sich dieser Wert im oberen Bereich. Die Ladebox birgt zudem weitere 500 mAh. Insgesamt soll sich der Musikgenuss so auf bis zu 32 Stunden erstrecken können.

In der Soundcore-App wird der aktuelle Akkustand angezeigt.Quelle: Artem Sandler / inside digital

Fazit

Es gibt wohl kaum jemanden, der die Anker Soundcore Liberty 2 als perfekte Kopfhörer bezeichnen würde. Das Design ist nicht allzu ansehnlich (wenngleich bequem), die Bedienung ist nur Mittelmaß und von einem Ohrgasmus kann aufgrund des lauten Grundrauschens auch keine Rede sein. Zudem sorgen kleine Schwächen bei der Handhabung für weitere Minuspunkte. Einige Nutzer werden sich beispielsweise sicherlich daran stören, dass die Wiedergabe nicht automatisch pausiert wird, wenn man die Kopfhörer aus den Ohren herausnimmt.

Und dennoch: Für einen Preis von knapp 100 Euro (UVP) erhalten Käufer ein solides Gesamtpaket ohne große Mängel. Je nachdem was einem wichtiger ist – ob eine lange Akkulaufzeit, eine IP-Zertifizierung oder eine bequeme Steuerung – kann man für den gleichen Preis ohne großen Aufwand allerdings auch passendere Kopfhörer finden.

Affiliate-Link: inside digital erhält eine kleine Provision, wenn du über den markierten Link einkaufst. Den Preis für das Produkt beeinflusst dies nicht. Die Einnahmen tragen dazu bei, dir unseren hochwertigen Journalismus kostenfrei anbieten zu können.

Bildquellen:

  • Anker Soundcore Liberty 2: Artem Sandler / inside digital
  • Anker Soundcore Liberty 2: Artem Sandler / inside digital
Samsung Galaxy S10 und S10 Plus
Samsung-Update: Galaxy S10 wird zu Galaxy Note10
Wer ein Galaxy-S10-Modell von Samsung besitzt, kann sich demnächst über einige neue Funktionen freuen. Die Features wurden größtenteils mit der Galaxy-Note10-Riege eingeführt, sind nun jedoch auch auf Galaxy-S10-Geräten zu Hause. Welche genau? Verraten wir dir hier.

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen