Windows 11 ohne Microsoft-Konto: Geht das? Und wie groß sind die Einschränkungen?

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Schon bei der Installation fällt auf: Microsoft hat großes Interesse an den Daten seiner Nutzer. Wer nicht zu viel an den Konzern verraten will, verzichtet auf ein Microsoft-Konto. Allerdings sollte die Abhängigkeit zu den anderen Angeboten des Konzerns nicht zu groß sein.
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Microsoft-Konto: Keine Pflicht bei Windows 11Bildquelle: Melnikov Dmitriy / shutterstock.com

Ein Betriebssystem ist im eigentlichen Sinne nur eine Art Übersetzer, der die Wünsche bzw. die Eingaben, die die Nutzer auch über die installierte Software tätigen, an die darunterliegende Hardware übermittelt. Moderne Betriebssysteme sind jedoch weit mehr als das. Sie liefern als Plattformen eine Vielzahl der benötigten Apps und eröffnen den dahinterstehenden Entwicklern weitere Möglichkeiten des Geldverdienens.

Das zeigt sich gerade bei Windows 11 schon während der Installation. Nach den üblichen Spracheinstellungen wird man schon fast bombardiert mit Abo-Angeboten für Office, Cloud und Gaming. Ebenso dringlich ist die Aufforderung zur Verknüpfung mit einem Nutzerkonto, um die Windows-Welt möglichst kommod zu genießen. Die Anmeldung verspricht zahlreiche Vorteile Das beginnt mit einer vereinfachten Anmeldung und reicht bis hin zu automatischen (Cloud-)Backups und synchronisierten Ständen über die Grenzen der einzelnen Geräte hinweg.

Wer keine Apps von Microsoft nutzt, braucht kein Konto

Dennoch gibt es gute Gründe, der Datensammelwut skeptisch gegenüber zu stehen und so wenige Einblicke wie möglich zu gewähren. Zumal sich die Einschränkungen beim Verzicht auf eine solche Verknüpfung in Grenzen halten. Das beginnt schon bei der Software. Zwar versucht Microsoft, ähnlich wie Apple und Google auch, seine Nutzer für den Bezug von Apps in den eigenen Store zu drängen. Doch das freie Installieren von Anwendungen, ob von Datenträgern herunter oder aus Downloads heraus, war schon immer einer der gängigen Wege unter Windows – und funktioniert nach wie vor problemlos.

Schon mit den Diagnosedaten sichert sich der Konzern einen teifen Einblick in das System des jeweiligen Nutzers, auch wenn dieser bereits das Senden optionaler Daten blockiert. Auch diese enthalten Informationen zur Art des verwendeten Rechners, dem Zustand der Windows-Installation, den installierten Apps, Geschwindigkeiten bei der Nutzung usw. die durchaus detaillierte Rückschlüsse auf den Einzelnen erlauben.

Das gilt insbesondere dann, wenn man hinsichtlich der genutzten Anwendungen vorrangig auf Alternativen zum Angebot des Herstellers zurückgreift. Ein einfacher Schritt Microsoft die Profi-Bildung zumindest etwas zu erschweren, ist die Nutzung von Windows 11 ohne ein Microsoft-Konto.

Microsoft Windows 11 Setup
Windows 11: Nutzerkonto – ja, Account bei Microsoft – nein

Windows 11: Installation ohne Konto – so geht’s!

Zwar wird schon bei der Installation ein entsprechender Account eingefordert, ein Muss ist der jedoch nicht. Natürlich muss man einen Nutzer anlegen, eine Verbindung zu einem Konto braucht dieser jedoch nicht. Wer darauf verzichten will, drückt die Tastenkombination „Shift“ bzw. „Umschalten“ sowie „F10“, wenn im Setup-Prozess der Bildschirm mit der Sprachauswahl erscheint. Daraufhin öffnet sich das Fenster der Eingabeaufforderung; hier gibt man den Befehl „oobebypassnro“ ein. Nach dem folgenden Neustart folgt man der Routine, verbindet sich jedoch beim Einrichten des Nutzerkontos nicht mit dem Internet.

Anschließend wählt man die Option den Benutzer ohne ein Microsoft-Konto anzulegen. Im nächsten Schritt kann der Nutzername und Passwort festlegt werden, wobei hier keinerlei Einschränkungen bei der Wahl der Buchstabenkombination gemacht werden. Aus eigenem Interesse sollte man also von Klassikern wie „1234“ absehen.

Die erfolgreiche Einrichtung des lokalen Kontos wird übrigens noch während der Installation des Betriebssystems offensichtlich. Microsoft holt zwar die Erlaubnis zur Erhebung von Diagnosedaten ein. Die eigentlich daran anschließenden Anzeigen die zum Anschluss von Abonnements für Cloud, Office und Xbox-Gaming verführen sollen, werden jedoch übersprungen. Man landet direkt auf dem frisch installierten Windows-11-Desktop.

Lokales Konto im Nachgang

Wem das zu umständlich erscheint, der kann auch problemlos im Nachgang auf ein lokales Konto wechseln. Für die Einrichtung genügt es, in die Einstellungen zu navigieren und hier den Unterpunkt „Weiteren Benutzer“ zu wählen.

Im nächsten Schritt wird das übliche Anmeldefenster mit der Aufforderung zur Eingabe eines Microsoft-Kontos präsentiert, allerdings mit einer kleinen Abwandlung zum üblichen Fenster: Unter der E-Mail-Eingabe lässt sich die Option „Ich kenne die Anmeldeinformationen für diese Person nicht“ auswählen. Im nächsten Schritt folgt die Aufforderung, sich entweder eine neue Microsoft-Adresse einzurichten – oder den Benutzer ohne Microsoft-Konto anzulegen. Anschließend muss man lediglich einen neuen Benutzernamen festlegen, das ausgedachte Passwort wiederholen und drei Sicherheitsfragen auswählen. Auf Plausibilität werden die Eingaben nicht geprüft. Schließlich kann in einem Menü noch die Art des Kontos ausgewählt werden, also ob es sich um ein Admin- oder ein Standard-Konto handelt.

Im Anschluss kann man im neuen Konto starten. Wer sich ein lokales Admin-Konto angelegt hat, kann sich nun unter diesem anmelden, erneut die Einstellungen aufrufen und dort im Konto-Untermenü das Microsoft-Konto löschen. Allerdings sollte man dabei bedenken, dass die Einstellungen, angelegte Installationen usw. aus dem alten nicht in das neue Konto übertragen werden.

Fazit: Microsoft-Konto nicht zwingend nötig

Der wesentliche Grund, der für ein Microsoft-Konto spricht, ist letztlich die Nutzung der Dienste des Herstellers und nicht das Windows-Betriebssystem selbst. Wird Windows 11 im herkömmlichen Sinne als Betriebssystem und nicht als Plattform für den heimischen Geräteparks genutzt, bedeutet der Verzicht auf ein Microsoft-Konto dementsprechend keine übermäßig großen Einschränkungen.

Nach wie vor wird ein großer Teil der Software, die nicht von Microsoft stammt, im Microsoft-Ökosystem direkt über den jeweiligen Anbieter bezogen. Diese Form der Nutzung gilt aber auch ein stückweit als antiquiert. Selbst Linux-Distributionen verfügen über eigene App-Offerten, die den Bezug von Anwendungen leichter machen, sie benötigen dafür auch kein eigenes Online-Konto. Und der Verzicht auf ein solches kann sogar einen Gewinn an (Daten-)Sicherheit bedeuten.

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