Wärmepumpen in Bestandsbauten und Altbauten – so gelingt es

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Immer wieder werden Behauptungen laut, dass Wärmepumpen in Altbauten oder Bestandsgebäuden nicht integriert werden können. Häufig führen Kritiker dabei eine vermeintliche Nicht-Kompatibilität zwischen klassischen Heizkörpern und der Wärmepumpe an. Die Realität sieht jedoch gänzlich anders aus.
Wärmepumpen in Bestandsbauten und Altbauen - so gelingt es
Wärmepumpen in Bestandsbauten und Altbauen - so gelingt esBildquelle: Max Weishaupt GmbH

Entgegen der häufig geäußerten Vermutungen können Wärmepumpen sehr wohl in Bestandsbauten und Altbauten integriert werden. Dabei ist in vielen Fällen nicht einmal eine große Umrüstung der Heizkörper im Haus erforderlich. Wir klären dich darüber auf, welche Punkte du beachten musst und wann dir deine Wärmepumpe den größten Nutzen in einem bereits bestehenden Gebäude bringt.

Wärmebedarf von Bestandsgebäuden und Altbauten liegt häufig höher

Während Neubauten häufig nur wenig Wärmeenergie benötigen, um das Gebäude ordentlich zu heizen, ist der Wärmebedarf bei älteren Bauten höher. Kritiker von Wärmepumpen greifen daher immer wieder auf, dass das Heizsystem für Bestandsgebäude nicht infrage kommt. Dabei führt man häufig als Begründung an, dass konventionelle Heizkörper mit Wärmepumpen nicht kompatibel seien. Die Wahrheit ist jedoch, dass die meisten Heizkörper in Gebäuden auch mit einer Wärmepumpe problemlos funktionieren. Auch eine Fußbodenheizung ist dabei nicht immer erforderlich. Eine groß angelegte Studie kam erst jüngst zu einem völlig anderen Ergebnis.

Die Studie, die Energiedienstleister Techem durchführte, untersuchte Daten von rund 130.000 Mehrfamilienhäusern in Deutschland. Rund die Hälfte aller Bestandsbauten hätten problemlos eine Wärmepumpe integrieren können. Bei weiteren 40 Prozent wäre nur ein Austausch der Heizkörper notwendig gewesen. Somit sind rund 90 Prozent der untersuchten Gebäude in Wahrheit für den Einbau einer Wärmepumpe geeignet. Eine Zahl, die auch ein Heizungsinstallateur gegenüber der Mainpost bestätigte. Häufig müsste in diesen Gebäuden auch der Estrich nicht für eine Fußbodenheizung entfernt werden. Doch wie kommt es, dass so viele dieser Gebäude eine Wärmepumpe integrieren können?

Niedrigere Betriebstemperaturen treffen auf klassische Heizkörper

Die wichtigste Frage der Studie war, ob die vorhandenen Heizkörper das Wohngebäude trotz der niedrigen Betriebstemperaturen der Wärmepumpe heizen können. Wärmepumpen liefern in der Regel eine Vorlauftemperatur von um die 55 Grad, während Gas– und Ölheizungen üblicherweise mit bis zu 70 Grad Vorlauftemperatur arbeiten. In Gebäuden, deren Heizkörper auf solch hohe Temperaturen ausgelegt sind, war ein problemloser Betrieb mit der Wärmepumpe nicht automatisch garantiert. Durch diesen Temperaturunterschied vermuten auch heute noch viele Personen, dass Wärmepumpen mit konventionellen Heizkörpern nicht zu vereinen sind. Tatsächlich stellte die Studie jedoch fest, dass die meisten der Heizkörper noch immer mit einer Wärmepumpe zu vereinbaren waren.

Die Studie kam zu dem Schluss, dass Heizkörper, solange sie über eine Leistungsreserve von etwa 40 Prozent besitzen, auch mit den niedrigeren Betriebstemperaturen von Wärmepumpen genügend Wärme abgeben können, um Räume ausreichend zu heizen. In diesen Gebäuden sind somit keine Anpassungen für die Umrüstung auf Wärmepumpen erforderlich. Bei 40 Prozent der untersuchten Bauten müssten die Heizkörper ersetzt werden. Es waren Modelle mit einer höheren Heizkörpernennleistung erforderlich. Die Heizkörpernennleistung ist dabei eine Maßeinheit, mit der angegeben wird, wie viel Wärme ein Heizkörper maximal abgeben kann. Dass rund die Hälfte aller Gebäude nicht einmal die Heizkörper austauschen musste, war ein überraschendes Ergebnis dieser Studie. Doch auch ein Austausch der Heizkörper selbst ist bei den Anschaffungskosten für das neue Heizsystem zu verschmerzen. Die meisten Niedrigtemperatur-Heizkörper kosten pro Heizkörper zwischen 100 und 135 Euro. Selbst auf viele Räume in einem Haus betrachtet, dürften damit kaum Kosten von mehr als 2.000 bis 2.700 Euro für die Umrüstung erforderlich sein. Zusatzkosten, die sich mit den niedrigeren Energiekosten der Wärmepumpe langfristig bezahlt machen.

Faustregel für Wärmepumpen damit überflüssig?

Eine vergangene Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich die Integration von Wärmepumpe vor allem in Gebäuden lohnt, die einen Energiebedarf von 150 kWh pro m² oder weniger aufweisen. Das Ergebnis wird von der neuen Studie nicht automatisch entkräftet. Sie hat nicht die Kosten der Systeme für die einzelnen Gebäude im Vergleich geprüft, sondern lediglich, ob eine Wärmepumpe vernünftig eingesetzt werden kann. Damit dein Haus möglichst effizient umgerüstet werden kann, sind zwei Dinge relevant. Zum einen der Wärmebedarf deines Gebäudes, zum anderen die Wärmepumpen-Art, für die du dich entscheidest. Luft-Wärmepumpen sind etwa günstiger in der Anschaffung, besitzen jedoch eine geringere Jahresarbeitszahl (JAZ) im Schnitt als teurere Wärmepumpen-Arten wie Solewärmepumpen. Die JAZ gibt dabei an, wie viele Wärmeeinheiten deine Wärmepumpe im Jahresdurchschnitt aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Je höher diese also ausfällt, desto weniger Strom benötigst du für den gleichen Wärmeeffekt.

Der Wärmebedarf deines Gebäudes spielt hier gleich doppelt eine Rolle. Zum einen brauchst du bei einem großen Wärmebedarf von Anfang an einer größer dimensionierte Wärmepumpe, die den Bedarf auch decken kann. Das ist im Verhältnis teurer als ein kleineres Gerät, dass du dir mit einem besser isolierten Gebäude leisten könntest. Zusätzlich kann es vor allem im Winter teuer werden, wenn dein Haus besonders schlecht isoliert ist. Zwar arbeiten Wärmepumpen auch bei Minustemperaturen zuverlässig, entweicht deinem Haus jedoch zu viel der erzeugten Wärme, muss deine Wärmepumpe die Wintermonate über sehr hoch laufen, was einen schnelleren Verschleiß der Wärmepumpe und mehr Stromkosten für dich bedeuten kann.

So viel Kostenunterschied ergibt sich aus Wärmebedarf und Effizienz

Betrachten wir das exemplarisch bei einem Gebäude mit einem Wärmebedarf von 100, 150 und 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und einer Wohngröße von 100 Quadratmeter. Dazu vergleichen wir eine Luft-Wärmepumpe, mit einer Jahresarbeitszahl von 3, mit einer Solewärmepumpe, für die wir 5 als Jahresarbeitszahl voraussetzen. Bei beiden Systemen gehen wir von einem Wärmepumpenstrom-Preistarif von 0,20  bis 0,25 Euro pro Kilowattstunde aus.

Die benötigte Wärmemenge im Jahr läge für die Gebäude damit bei:

  • 10.000 kWh bei 100 kWh Wärmebedarf für Haus 1
  • 15.000 kWh bei 150 kWh Wärmebedarf für Haus 2
  • 20.000 kW bei 200 kWh Wärmebedarf für Haus 3

Beide Wärmepumpen bräuchten somit die folgenden Strommengen, um den gleichen Wärmeeffekt zu erzielen:

  • 3.334 kWh mit Luft-Wärmepumpe und 2.000 kWh mit der Solewärmepumpe bei Haus 1
  • 5.000 kWh mit Luft-Wärmepumpe und 3.000 kWh mit der Solewärmepumpe bei Haus 2
  • 6.667 kWh mit Luft-Wärmepumpe und 4.000 kWh mit der Solewärmepumpe bei Haus 3

Somit ergäben sich unter Berücksichtigung des jeweiligen Wärmepumpen-Tarifs die folgenden jährlichen Heizkosten für die Gebäude:

Haus 1 (10.000 kWh)Haus 2 (15.000 kWh)Haus 3 (20.000 kWh)
Luft-Wärmepumpe666 bis 833 Euro 1.000 bis 1.250 Euro1.333 bis 1.667 Euro
Solewärmepumpe400 bis 500 Euro600 bis 750 Euro800 bis 1.000 Euro

An diesem Beispiel lässt sich sehr gut erkennen, wie stark das Einsparpotenzial pro Jahr an die Art der Wärmepumpe und den Energiebedarf deines Gebäudes gebunden ist. Auch wenn die Solewärmepumpe teurer in der Installation ausfällt, spart sie dir langfristig mehr Geld. Dafür kannst du die Luft-Wärmepumpe bereits mit viel weniger Startkapitel installieren und dabei dennoch deine Energiekosten auch in älteren Gebäuden bereits ordentlich senken. Wer nicht allein auf eine Wärmepumpe setzen möchte, für den kann eine Hybrid-Wärmepumpe ein guter Kompromiss sein.

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