Schlimmster Amazon-Betrug: Käufer erhalten Post vom Anwalt

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Diese Betrugsmasche ist unglaublich: Zuerst kaufen Amazon-Nutzer ganz normal ein Produkt, das wie üblich geliefert wird. Doch dann werden sie plötzlich ein zweites Mal zur Kasse gebeten. Und zwar unter Androhung eines echten gerichtlichen Mahnverfahrens. Und die Täter? Sind längst über alle Berge.
Brief von Amazon
Schlimmster Amazon-Betrug: Käufer erhalten Post vom AnwaltBildquelle: Generiert mittels Nano Banana
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Cyberkriminalität boomt. Allein im Jahr 2024 wurden 400.000 Fälle von E-Mail-Phishing der Verbraucherzentrale NRW gemeldet. Und die Dunkelziffer dürfte noch einmal deutlich höher sein; ganz zu schweigen von den sonstigen digitalen Betrügereien. Glücklicherweise sind diese oftmals leicht zu durchschauen und auch sonst vergleichsweise ungefährlich. Im Gegensatz zu der sogenannten Dreiecksmasche (auch Dreiecks-Trick genannt). Wer darauf hereinfällt, kann sich in einem gerichtlichen Mahnverfahren wiederfinden. Und zwar in einem echten. Auch negative Schufa-Einträge gehören zu den möglichen Folgen. Und das nur wegen einer einfachen Bestellung bei Online-Shops wie Amazon.

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LKA schlägt Alarm

Bereits im Februar 2023 warnte das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen vor einer damals neuen Betrugsmasche. Oder genauer gesagt einer neuen Variante des Dreiecksbetrugs (bekannt seit 2022). Wie die alte funktioniert, erfährst du in unserem Ratgeber. Sie findet eher auf Kleinanzeigen-Portalen Anwendung, während sich die neue Variante an Kunden von Amazon und Co. richtet. Und das Perfide: Für Verbraucher ist es beinahe unmöglich, sich davor zu schützen.

Funktionsprinzip des Dreiecks-Tricks

Zuerst gründen Cyberkriminelle Fake-Firmen und eröffnen Konten bei Versandhändlern wie Amazon – oder kapern bestehende Accounts seriöser Verkäufer. Anschließend bieten sie Waren vergünstigt oder gar zu Schnäppchenpreisen an. Sobald nichtsahnende Käufer diese erwerben, bezahlen und ihre Daten übermitteln, geben die Täter einen entsprechenden Auftrag bei weiteren Händlern auf. Allerdings auf Rechnung. Außerdem wird zwar die korrekte Lieferadresse übermittelt, dafür falsche Kontaktdaten (E-Mail-Adresse).

Kurz zusammengefasst: Der Käufer merkt zunächst nichts, denn er erhält die bestellte und bezahlte Ware tatsächlich. Etwaige Zahlungsaufforderungen des seriösen Shops landen derweil im Mail-Postfach der Cyberkriminellen und werden ignoriert. Heißt: Es dauert eine ganze Weile, bis die Betrugsmasche auffliegt. Genug Zeit für die Täter, um weitere Betrügereien zu begehen und anschließend ohne Hektik abzutauchen.

Veranschaulichung der Dreiecksmasche
Dreiecksbetrug – Funktionsprinzip Image source: Nano Banana (KI) / inside digital

Bis die Betrugsmasche endgültig auffliegt, können Monate vergehen. So lange kann es nämlich dauern, bis betroffene Online-Shops postalische Mahnungen an die Lieferadressen der Warenempfänger verschicken. An dieser Stelle drohen auch Inkassoverfahren wegen einer offenen Rechnung. Wobei sich beides negativ auf den Schufa-Score auswirken kann.

Schutz gegen die Dreiecksmasche

Opfer des Dreiecksbetrugs müssen sich mit offenen Rechnungen, gerichtlichen Mahnverfahren, Inkassounternehmen und einer fälschlicherweise herabgestuften Bonität herumschlagen. Doch gefährlich ist die Masche aus einem anderen Grund: Als Käufer kann man sich nur sehr eingeschränkt gegen den Dreiecks-Trick schützen.

Allerdings können Verbraucher im Rahmen eines Kaufprozesses auf zahlreiche Indizien achten. Zunächst einmal empfiehlt es sich, die Produktbewertungen genauso wie die der Marketplace-Shops in Augenschein zu nehmen. Dabei sind in erster Linie die negativen Bewertungen relevant. Ferner sollten Verbraucher bei besonders attraktiven Kaufpreisen auf die Bremse treten und eine gesunde Prise Misstrauen an den Tag legen. Verkauft ein Händler einen 65-Zoll-Fernseher von Samsung etwa für 150 Euro, dann kann es hier nicht mit rechten Dingen zugehen.

Amazon-Bewertungen
Amazon-Bewertungen von Opfern einer Dreiecksmasche Image source: LKA Niedersachsen

Auch untypische Produkte könnten ein Indiz darstellen. Beispielsweise, wenn ein Kamera-Shop plötzlich Biergläser verkauft. Zu guter Letzt sollte man sich angewöhnen, bei erhaltener Ware stets auf den Absender zu achten. Wurde ein Produkt etwa über einen unbekannten Amazon-Marketplace-Händler gekauft, jedoch von Notebooksbilliger verschickt, kann das ein deutliches Warnsignal sein. Hundertprozentige Sicherheit bieten derweil nur Produktbestellungen, die unmittelbar von Amazon verkauft oder zumindest verschickt werden.

Du bist bereits hereingefallen?

Solltest du bereits zu den Betroffenen gehören, gilt es, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten – welche man anschließend dem Onlinehändler vorlegen kann. Diese zeigen sich oftmals kulant, gesetzlich sind sie jedoch nicht dazu verpflichtet. Eine weitere Maßnahme, die schnellstmöglich umgesetzt werden sollte, ist die Kontaktaufnahme mit dem Zahlungsdienstleister. Mit etwas Glück lässt sich der gezahlte Betrag zurückholen. Oftmals ist es dafür allerdings bereits zu spät. Denn der Dreiecksbetrug verschafft den Cyberkriminellen, wie bereits erwähnt, viel Zeit, um die eigenen Spuren zu verwischen und den Geldfluss zu verschleiern. Als Käufer kann man also durchaus auf den doppelten und für das zweite Produkt deutlich höheren Kosten sitzenbleiben. Anders als bei einem weiteren Betrug. Denn hier profitieren die „Opfer“ auf ganzer Linie:

Bildquellen

  • Dreiecksbetrug – Funktionsprinzip: Nano Banana (KI) / inside digital
  • Amazon-Bewertungen von Opfern einer Dreiecksmasche: LKA Niedersachsen
  • Amazon warnt vor ausgelieferten Paketen – dreiste Falle: Lutsenko_Oleksandr / shutterstock.com
  • Brief von Amazon: Generiert mittels Nano Banana

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2 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Joe

    Ein großer Ärger für die seriösen Shops, die in diesem Fall getäuscht werden.

    Die Frage, die bleibt (und im Artikel leider gar nicht adressiert wird): Weshalb sollten die seriösen Lieferanten einen Anspruch gegen den Käufer haben? Der Käufer hat keinen Vertrag mit dem (seriösen) Lieferanten. Der seriöse Lieferant hat durch Lieferung an den Käufer nur seine Vertragspflicht gegenüber dem Betrüger erfüllt (und keine vertragliche Leistung gegenüber dem Käufer erbracht). Dass der seriöse Lieferant es später mit Rechnungen beim Kunden versucht ist zwar menschlich nachvollziehbar, juristisch aber weniger.

    Im Ergebnis bedeutet das im Zweifel natürlich trotzdem ärgerlichen Aufwand für den Kunden, da er z.B. Mahnbescheiden widersprechen muss. Weshalb hier der Kunde auf doppelten Kosten sitzen bleiben soll, ist mir aber unklar.

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  2. Nutzerbild Bolzenschussgerät

    Miese schufa = ich kann nix auf Rechnung kaufen- praktisch! – so funzt diese betrügerische Variante nicht bei mir 🤩🤩🤩🤩🤩

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