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Lieferung in 10 Minuten: Bring, Gorillas, Flink & Co. im Vergleich

8 Minuten
Amazon Prime und Same-Day-Evening-Express war gestern. Inzwischen gibt es Versandunternehmen, die dir binnen zehn Minuten die Lieferung bringen - zumindest theoretisch. Dabei geht es primär um Lebensmittel. Doch was taugen die Anbieter wirklich? Ein Vergleich.
Zwei Mitarbeiter sammeln Lebensmittel ein und verpacken sie in eine Tüte
Einkauf verpacken per GorillasBildquelle: Gorillas

Alleine der Gang in den Supermarkt dauert, zählt man anziehen und Schlüssel suchen dazu, oftmals schon zehn Minuten. Zumindest in Großstädten. In dieser Zeit wollen es einige Lieferdienste schaffen, dir deine Bestellung von Lebensmitteln bis zur Tür zu bringen. Die Start-Ups konzentrieren sich dabei natürlich auf Ballungsgebiete. Anders wäre eine solche Super-Express-Lieferung nicht realistisch. Doch wie gut sind die Lieferdienste? Wie gut ist die Auswahl bei Gorillas, Bring & Co? Wie groß sind die Liefergebiete? Und wie schnell liefern die Dienste? Wir versuchen, dir einen Überblick zu geben und wagen einen Vergleich.

Lieferung in 10 Minuten: Wie funktioniert das?

Die Express-Dienste liefern aus unterschiedlichen Lagern, die sie in Innenstadtlagen gemietet haben. Dabei gilt: Je näher am Kunden, umso besser. Teils sind es nicht mehr genutzte Ladenlokale oder leer stehende Büroflächen. Insbesondere jene Flächen, die zwar zentral liegen, aber nicht gut für Laufkundschaft zu finden sind, sind für die Lieferdienste interessant. Denn Laufkundschaft oder Passanten vorm Lager stören nur, wenn eine Lieferung ansteht.

Im Lager läuft nach der Bestellung sofort jemand los und sammelt deine bestellten Artikel ein, verpackt sie in eine Papiertüte und gibt sie an einen der eigenen E-Bike-Fahrer, die vor der Tür warten. Oftmals dauert das Einsammeln der Bestellung nicht mehr als ein bis zwei Minuten. Möglich wird das durch eine kleine Auswahl, einen guten Lageraufbau und geschickte Logistik. Der Fahrradbote hat dann noch fünf bis acht Minuten Zeit, dir die Tüte zu bringen, wenn es um die Einhaltung der zehn Minuten geht.

Doch inzwischen haben alle Lieferdienste die Frist von zehn Minuten aus der Bewerbung genommen. Es sorgte wohl für unnötigen Stress bei den Mitarbeitern, zu vielen Verkehrsverstößen der Kuriere, einem zu kleinen Liefergebiet und anderen Problemen. Dennoch ist eine Bestellung bei einem dieser Anbieter immer noch schneller, als selbst loszugehen. Denn je nach Anbieter und Wohngebiet dauert die Lieferung zwischen wenigen Minuten und wenigen Stunden. Geliefert wird fast immer per Fahrradkurier.

Alle Anbieter beschränken sich auf die Artikel des täglichen Bedarfs. Die Auswahl dürfte vergleichbar mit dem Supermarkt an der Ecke sein, nicht aber mit dem großen Kaufland, Marktkauf oder Edeka Center. Snacks, Getränke, Eiscreme, Obst, Gemüse, Alkohol, Fleisch und Fisch, Milchprodukte, Backwaren und Babyprodukte haben aber nahezu akke Dienste

(Berliner) Express-Lieferdienste im Überblick

Am bekanntesten dürfte der Lieferdienst Gorillas sein. Das Start-Up hat Millionen Euro eingesammelt, um den Dienst aufzubauen und gilt als Unicorn – hat also eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro. Mittlerweile ist Gorillas in 25 deutschen Städten aktiv. Wichtig dabei: Es gibt kein zusammenhängendes Liefergebiet. Gorillas betreibt ganz klar Cherry-Picking und liefert dort, wo die Zielgruppe lebt und arbeitet. Die genauen Gebiete hat Gorillas auf seiner Webseite verlinkt. Meistens handelt es sich um Innenstadtlagen.

Gleiches gilt aber auch für die anderen vergleichbaren Express-Lieferdienste. Flink ist in insgesamt 46 Städten tätig und versorgt beispielsweise auch Teile von Krefeld, Offenbach, Bonn oder Mainz. Die genauen Liefergebiete findest du auf der Webseite von Flink.

Nur in der Hauptstadt Berlin sowie umliegenden Orten wie Potsdam und Hennigsdorf unterwegs ist der dritte Anbieter in unserem Mini-Überblick: Bring. Der Dienst, der nichts mit der gleichlautenden Einkaufslisten-App zu tun hat, wird aber auch in weiteren Städten starten. Ein Blick auf die Webseite zeigt, dass man sich offenbar unter anderem für Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, München, Köln, Frankfurt, Dresden, Dortmund, Stuttgart, Hannover und München vorbereitet. Interessant hier: Das Lager von Bring ist auch gleichzeitig ein echter Supermarkt, in dem du einkaufen gehen kannst. bring lässt sich aber auch mehr als 10 Minuten Zeit bei der Lieferung.

Auch der türkische Anbieter getir liefert inzwischen in mehreren Städten aus. Der Dienst liefert ab 10 Euro Mindestbestellwert – derzeit nur in Teilen von Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Nürnberg und München. Die Lieferkosten übernimmt getir, die Kuriere sind oft mit Mofas unterwegs.

Auch Amazon mischt im Lebensmittel-Expressmarkt mit, will aber nicht binnen 10 Minuten liefern. Doch inzwischen kannst du bei Amazon Fresh eine Lieferung am selben Tag bestellen. Amazon Fresh ist für Prime-Mitglieder in München, Hamburg, Berlin und Potsdam verfügbar. Es fällt keine zusätzliche Mitgliedsgebühr für die Nutzung von Amazon Fresh an und Bestellungen können – je nach Postleitzahlgebiet und Verfügbarkeit – für eine Lieferung innerhalb weniger Stunden am selben Tag aufgegeben werden. So können Prime-Mitglieder in verfügbaren Liefergebieten bis 19 Uhr bestellen und ihre Lieferung noch am selben Tag erhalten. Alternativ kannst du in den entsprechenden Gebieten neben einem 2-Stunden-Lieferfenster nun auch ein 1-Stunden-Lieferfenster wählen, in dem der Bote kommen soll. 20 Euro musst du aber mindestens für einen Einkauf ausgeben. Die Lieferung kostet 1,99 Euro, ab 80 Euro ist sie kostenlos. Ein 1-Stunden-Zeitfenster kostet je nach Umsatz 4,99 Euro oder 1,99 Euro.

Was kosten Lebensmittel per Lieferdienst?

Um eine preisliche Vergleichbarkeit der Dienste herstellen zu können, haben wir im Sommer 2021 einen Mini-Warenkorb mit einem Liter Milch (3,5 % Fett), einer Flasche Cola (1 Liter), einer Mango, einer Portion Schweineschnitzel und einer Packung Spaghetti kreiert. Gab es mehrere Marken zu Auswahl haben wir die günstigsten genommen. Das gewählte Liefergebiet lag dabei stets im Osten Berlins. Da die Preise schwanken, verzichten wir an dieser Stelle auf regelmäßige Aktualisierungen.

Die Gorillas liefern uns diese Artikel zu überschaubaren Kosten: Milch 1,19 Euro, Cola 1,19 Euro, Mango 1,89 Euro, Schweineschnitzel 6,49 Euro (300 Gramm, Havelländer Bio Schwein), Spaghetti 2,29 Euro. Die Lieferung kostet 1,80 Euro, zusammen zahlen wir also 14,85 Euro.

Diese Kosten berechnet Bring: Milch 1,39 Euro, Cola 1,09 Euro, Mango 2,19 Euro, Spaghetti 0,95 Euro. Der Einkauf musste aber vegetarisch bleiben, Schweineschnitzel sind nicht im Angebot. Für Bring ist dieser Warenkorb zu klein, um ihn zu liefern. Man setzt 25 Euro Umsatz voraus, liefert dann aber kostenfrei. Wir kommen nur auf 5,62 Euro – ohne die Schnitzel.  Allerdings liefert bring auch nicht so schnell wie die Gorillas. Bis zu 30 Minuten soll es dauern.

Flink berechnet uns für unseren Mini-Einkauf: Milch 1,29 Euro, Cola 1,19 Euro, Mango 2,90 Euro, Spaghetti 1,69 Euro. Auch hier: keine Schweineschnitzel im Angebot. Die Lieferung erfolgt wie bei Gorillas für einmalig 1,80 Euro. Ohne die teuren Schweineschnitzel zahlen wir hier 8,87 Euro für die bequeme Lieferung nach Hause.

Bei Amazon Fresh können wir unseren Probe-Einkauf in der Form nicht durchführen, da es beispielsweise keine einzelne Flasche Cola gibt. Alternativ können wir vier Flaschen á 0,5 Liter für 3,79 Euro kaufen. Die weitere Kosten: Milch 1,29 Euro, Mango 3,22 Euro, Spaghetti 0,49 Euro und das Schweinschnitzel (Ludwigsluster Schweineschnitzel aus der Oberschale, 360 g) kostet 5,06 Euro. Wir bleiben unter 20 Euro, sodass Amazon diese Bestellung so nicht annehmen würde.

Preise und Produktpalette bei Gorillas und Co.

Die Preise entsprechend also dem gehobenen Supermarkt-Niveau. Dafür bekommst du in aller Regel aber auch Markenartikel. Und du musst nicht einen Schritt vor die Tür setzen. Zwar war Gorillas in unserem Beispiel der teuerste Anbieter, aber auch der einzige, der alles liefern konnte. Das aber kann in anderen Regionen schon wieder anders aussehen.

Nicht nur Lebensmittel sind bei den Lieferdiensten zu haben. So fiel uns bei den Gorillas beispielsweise auf, dass wir auch Windeln hätten bestellen können. Bedenkt man, dass die Windeln binnen weniger Minuten bei dir sind, kann das die ein oder andere unangenehme Situation retten, wenn der Einkauf selbiger vergessen wurde. Auch Corona-Schnelltests, Zahnpasta und Waschmittel haben wir beim virtuellen Einkauf gesehen. Einen großen Supermarkt wie Kaufland können die Express-Dienste aber nicht ersetzen. Für spontane Einkäufe sind die Express-Lieferdienste aber sicher eine gute Ergänzung.

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Andere Städte, andere Dienste

Die von uns bis hierhin genannten Anbieter sind aber nur eine kleine Auswahl, die derzeit zu finden ist. Viele Dienste arbeiten derzeit auch nur in einzelnen Regionen oder Städten. So bietet knuspr.de seine Dienste nur in München und dem nördlichen Umland, Augsburg sowie der Metropolregion Rhein-Main (Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt) an. Bringoo ist nach Hamburg inzwischen auch in Berlin und Köln unterwegs. Das Konzept hier: Binnen 45 Minuten sind Einkäufe aus einem Partner-Supermarkt bei dir. Getfaster.io versucht sein Glück nach eigenen Angaben in 45 Städten. Weitere Dienste stehen in den Startlöchern. Es lohnt sich also, die Augen offenzuhalten, welche Dienste in deiner Stadt aktiv sind. Über kurz oder lang wird es aber auch in dieser Branche wieder zu Konsolidierungen kommen, bei denen Anbieter dann wieder vom Markt verschwinden.

Darüber hinaus gibt es weitere Lieferdienste, die dir Lebensmittel, bis vor die Tür liefern. Nur dann eben nicht in 10 oder 30 Minuten, sondern in einigen Stunden oder Tagen. Perfekt für den Wochen-Einkauf.

Über unsere Links

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5 KOMMENTARE

  1. Melly F.

    Zum Glück haben wir Lebensmittelhandel in unmittelbarer Nähe, so dass sich solche Dienste nicht lohnen. Aber bei Gorillas entstehen hier bei den Stellenbörsen unter https://jobninja.com/unternehmen/gorillas-technologies-gmbh auch jede Menge neue Jobs. Bin mal gespannt, wohin das führt.

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    • Black

      ich glaube für Leute die einen Auto besitzen. Lohnt es sich ja auch nicht 😉
      aber für Menschen die mit Öffentlichen verkehr fahren müssen.
      Ist es schon perfekt. mit vollen einkauf Taschen. besonders diese Papier Tüten. die schnell reißen, ist es echt einen quall im Vollen Bus

      Antwort
  2. Karl-Heinz

    Wieso sollte es sich nicht lohnen, wenn man Lebensmittelhandel in unmittelbarer Nähe hat? Ich wohne praktisch neben einem großen Supermarkt und bestelle trotzdem bei Flink & Co. Wieso? Weil ich es kann! Und weil es im Durchschnitt nicht teurer ist. Und weil ich mit meiner Zeit Besseres anzufangen weiß, als im Supermarkt Schlange zu stehen.

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  3. Stefan

    Das ist was für die Generation „Fett-Arsch“. Sitzt am ultra Spielerechner und bestellt in der Pinkelpause, schnell ne tiefkühl-Pizza, ne Cola und Gummibärchen. Also was ist die nächste perverse Geschäftsidee?

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    • Thomas

      „Fett-Arsch“-Generation? Und welche Generation arbeitet daran, diese Apps erstmal herzustellen? Zu welcher Generation gehören die Lieferanten? Welche Generation bleibt zu Hause wenn man COVID bekommt um die Älteren zu schützen und muss durch diese Apps sein Essen bestellen du verwöhnter undankbarer Boomer?

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