Die Krise der Teleshopping-Branche erfasst immer mehr bekannte Namen. Zuerst meldete Channel21 in Deutschland Insolvenz an. Kurz davor war bereits Mediashop in Österreich ins Straucheln geraten. Jetzt folgt mit QVC auch einer der größten und ältesten Anbieter des Geschäfts. Noch betrifft das Verfahren aber nur die US-Mutter. Der Betrieb in Deutschland sei nicht betroffen, der deutsche Ableger sei eigenständig. Damit wächst der Druck auf eine Branche, die lange von Gewohnheit und Stammkunden lebte. Das Prinzip war simpel: Produkte liefen im Fernsehen. Zuschauer bestellten direkt. Dieses Modell funktioniert heute deutlich schlechter. Viele Menschen sehen kaum noch lineares Fernsehen. Gleichzeitig übernehmen Onlineplattformen den Verkauf. Genau an dieser Stelle geraten die klassischen Sender ins Hintertreffen.
Die Probleme treffen alle an derselben Stelle
Bei Channel21 zeigte sich das früh und deutlich. Der Sender war zuletzt selbst für viele Fernsehzuschauer kaum noch sichtbar, dabei war er einst vielversprechend als RTL Shop gestartet. Aber auch der Markt hat sich verschoben. Wer heute spontan einkauft, landet oft nicht mehr bei einem TV-Sender, sondern bei Amazon, Temu, TikTok Shop oder anderen Plattformen. Channel21 konnte diesen Wandel offenkundig nicht auffangen. Eines der Probleme: Die Zielgruppe des Teleshoppings gilt als tendenziell weiblich und älter und wird somit eher kleiner als größer.
Auch Mediashop scheiterte an diesem Umfeld. Das Unternehmen nannte sinkende Umsätze, verändertes Konsumverhalten und wachsenden Wettbewerbsdruck als Gründe. Das beschriebene Muster gilt also auch hier. Der Sanierungsversuch misslang. Das Unternehmen wird geschlossen. Damit ist klar: Es geht nicht nur um Einzelfälle. Die Schwierigkeiten ziehen sich durch das gesamte Segment.
QVC unterscheidet sich zunächst nur in einem Punkt. Der Konzern ist größer. Die Probleme sind es auch. Nach eigenen Angaben soll die Verschuldung im Zuge des Chapter-11-Verfahrens von 6,6 auf 1,3 Milliarden US-Dollar sinken.
QVC beschönigt die Lage
Der Konzern gibt sich betont gelassen. Das operative Geschäft laufe weiter. Es gebe genug Liquidität. Lieferanten würden bezahlt. Beschäftigte bekämen ihr Geld weiterhin. Kündigungen seien nicht geplant. Für Deutschland, Großbritannien, Italien und Japan gelte das Verfahren nicht. Aus Sicht des Unternehmens ist die Insolvenz damit fast nur ein Finanzumbau.
Ganz so harmlos wirkt die Lage aber nicht. Wenn ein Teleshopping-Pionier mit Milliarden Schulden unter Chapter-11-Schutz flüchtet, dann steckt dahinter keine normale Korrektur. QVC versucht zwar, sich als künftiger Gewinner im Live-Social-Shopping zu inszenieren. Verweise auf TikTok Shop, Streaming und neue Partner ändern aber nichts am Kern des Problems. Das klassische Geschäftsmodell trägt nicht mehr wie früher.
Das ändert sich für Verbraucher in Deutschland
Für dich in Deutschland heißt das vorerst wohl nur wenig Veränderung. QVC betont, dass der Betrieb hier normal weiterläuft. Noch gibt es keinen Hinweis auf direkte Folgen. Trotzdem wäre es naiv, den Fall als reines US-Problem abzutun. Wenn die Mutter sparen muss, wächst der Druck auf den ganzen Konzern. Ob und wann das auch hier spürbar wird, bleibt offen. Auch Channel 21 hält den Betrieb vorerst aufrecht. „Für Kundinnen und Kunden ergeben sich derzeit keine Änderungen. Bestellungen, Lieferungen und Services laufen wie gewohnt weiter“, so das Unternehmen in einer Mitteilung.
Von einem kompletten Aus des Teleshoppings zu sprechen, wäre derzeit zu früh. Aber die Entwicklung ist unübersehbar. Drei Insolvenzen in kurzer Zeit sind kein Zufall. Sie zeigen, dass ein altes Fernsehmodell an seine Grenzen stößt. Wer zu spät auf neue Vertriebswege setzt, gerät in diesem Markt schnell ins Rutschen.
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