Der Saugroboter steht erst ein paar Tage in der Wohnung, da pumpt die Station plötzlich kein Wasser mehr. Also ab zum Service. Dort landet der Blick im Tank für das Reinigungsmittel, und die Sache ist schnell erledigt. Nur leider nicht zu deinen Gunsten. Klingt konstruiert? Ausgeschlossen ist es nicht. Viele Stationen mit Moppwäsche dosieren Putzmittel inzwischen automatisch aus einem eigenen Tank. Und bei Amazon stehen direkt neben den Originalen zahlreiche Drittanbieter-Putzmittel. Genau hier beginnt das Problem.
Vom Sauger zur Putzzentrale: Aktuelle SaugroboterStationen
Vor wenigen Jahren war die Sache überschaubar: Der Saugroboter saugte, die Station leerte den Staubbehälter. Wischen war bestenfalls ein Nebenjob mit einem feuchten Tuch unter dem Gerät. Inzwischen ist die Station zur kleinen Putzzentrale geworden. Sie wäscht die Mopps, spült sie mit heißem Wasser, trocknet sie mit Warmluft und füllt Frischwasser nach, bei manchen Modellen sogar über einen festen Wasseranschluss.

Mit dieser Entwicklung ist auch das Putzmittel in die Station gewandert. Früher kam es von Hand in den Wassertank, heute bringen immer mehr Stationen ein eigenes Fach mit und dosieren automatisch. Was anfangs der Oberklasse vorbehalten war, findet sich mittlerweile auch in günstigeren Modellen. Das ist bequem, denn du füllst den Vorrat nur noch gelegentlich auf. Es bedeutet aber auch: Was du einfüllst, läuft nicht nur über den Boden, sondern durch Pumpen, Leitungen und Sensoren der Station.
Ein Aufkleber bei Roborock macht es deutlich
In der Station des Roborock Saros 20 Neo (Test) klebt ein Hinweis, der ausdrücklich nur Roborock-Reinigungsmittel empfiehlt. Man kann das als Verkaufstrick abtun.

Ein Blick in die Verkaufsbedingungen des Roborock-Onlineshops zeigt allerdings, dass mehr dahintersteckt. In § 7 regelt Roborock dort die Sachmängelhaftung, also die Gewährleistung, und listet in Absatz 2 auf, was davon ausgenommen ist. Unter Buchstabe f, Punkt b, stehen ausdrücklich Schäden durch Zubehör, Anbauteile und „Reinigungslösungen, die nicht vom Anbieter hergestellt oder ausdrücklich genehmigt wurden“. Mit einfachen Worten: Der Nachbau mit „kompatibel“ auf dem Etikett ist eben nicht genehmigt.
Und es gibt noch eine zweite Stelle, die hier greifen kann. Nur zwei Punkte weiter, unter f, Punkt d, schließt Roborock auch Schäden aus, die entstehen, wenn du dich nicht an die Vorgaben aus Handbüchern, Schnellstartanleitungen und der Roborock-Website hältst. Genau dort steht die Empfehlung für das hauseigene Putzmittel.

Roborock steht damit nicht allein, auch wenn Dreame es weniger direkt formuliert. In den Garantiebedingungen von Dreame fehlt zwar eine eigene Klausel zu Putzmitteln. Unter Punkt (a) der Ausschlüsse steht aber jeder Schaden durch eine „nicht bestimmungsgemäße Verwendung des Produkts gemäß Benutzerhandbuch“, technischen Daten oder veröffentlichten Richtlinien. Was Dreame darunter versteht, macht der Hersteller in einem eigenen Ratgeber deutlich. Dort rät der Hersteller, nur zugelassene Lösungen zu verwenden, um Schäden zu vermeiden und die Garantie zu erhalten.
Dass eingeschickte Geräte geprüft werden, schreibt Dreame übrigens selbst in seine Bedingungen: Jedes Gerät wird untersucht, um festzustellen, ob der Schaden unter die Garantie fällt. Ist das nicht der Fall, darf Dreame Reparatur, Ersatzteile und Versand in Rechnung stellen.
Warum fremde Putzmittel der Station schaden können
Die Begründung der Hersteller: Herkömmliche Haushaltsreiniger, selbst Essig oder Spülmittel, könnten Bauteile korrodieren lassen, Filter verstopfen oder Rückstände hinterlassen, die die Sensoren stören. Dazu kommt Schaum. Roborock bewirbt sein eigenes Mittel als Konzentrat im Verhältnis 1:200, ohne Schaumbildung und Streifen. In einer Station, die Wasser durch dünne Leitungen pumpt und Füllstände per Sensor misst, ist das kein Nebendetail.
Garantie weg, Gewährleistung auch?
Hier lohnt sich die Unterscheidung. Die Garantie nach § 443 BGB ist eine freiwillige Zusatzleistung des Herstellers, die er an Bedingungen knüpfen darf. Deine gesetzlichen Rechte schränkt sie nicht ein, das schreibt etwa Dreame ausdrücklich in seine Garantiebedingungen. Die gesetzliche Gewährleistung hat dagegen der Händler zu erfüllen, zwei Jahre lang. Sie deckt aber nur Mängel ab, die schon beim Kauf vorhanden waren. Ein Schaden durch ein ungeeignetes Putzmittel entsteht erst danach.

Im ersten Jahr stehst du trotzdem gut da. Zeigt sich in dieser Zeit ein Mangel, wird vermutet, dass er schon bei der Übergabe vorlag. Wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen berichtet, hat der Bundesgerichtshof diese Regel im Mai 2026 bekräftigt (Az. VIII ZR 73/24 und VIII ZR 257/23). Dass auch andere Ursachen denkbar sind, ändert daran nichts. Rückstände im Tank allein reichen also nicht, der Händler muss nachweisen, dass das Fremdmittel den Defekt verursacht hat. Nach zwölf Monaten liegt die Beweislast dann bei dir.
Roborock-Reiniger oder „nur“ Wasser: Was das Original wirklich kostet
So weit, so ärgerlich. Aber wie teuer ist das Original? Bei Amazon kostet der Liter Roborock-Bodenreinigungslösung 25,99 Euro, im Roborock-Shop 29,99 Euro. Roborock empfiehlt für den Tank eine Verdünnung von 1:200, also 20 ml auf 4 Liter Wasser. Rechnerisch reicht ein Liter damit für 50 Tankfüllungen à 4 Liter. Mit dem Amazon-Preis sind das rund 50 Cent pro Füllung. Dreame verkauft sein Putzmittel für 14,99 Euro den Liter.
Dreame empfiehlt in seinem Ratgeber ebenfalls 1:200, damit lässt sich die Rechnung direkt spiegeln. Dreame verlangt für seinen Liter 14,99 Euro und empfiehlt ebenfalls eine Verdünnung von 1:200. Pro Tankfüllung sind das rund 30 Cent.
Aber: Putzmittel ist ein Zusatz, kein Muss. Wer auf Nummer sicher gehen will, füllt nur klares Wasser ein. Gerade bei den neuen Stationen relativiert sich der Nutzen von Chemie ohnehin: Beim Saros 20 Flow Complete wird die Wischwalze laut Roborock in der Station mit 100 °C heißem Wasser gereinigt. Wie sich die übrigen Saros-Modelle im Alltag schlagen, liest du in meinen Tests zum Roborock Saros 20 (Test) und zum Saros 20 Sonic (Test).
Wer bereits einen Saugroboter mit Station besitzt, fährt mit dem Originalmittel oder klarem Wasser auf der sicheren Seite und riskiert nichts. Hast du schon ein Fremdmittel im Tank, spül ihn gründlich mit klarem Wasser aus und steig auf das Original um, um keine weiteren Risiken einzugehen.
